© Instagram/paulamichellewhite

Zur Angelobung eingeladen
01/20/2017

Paula White: Wer ist Trumps spirituelle Beraterin?

Zu seiner Inauguration hat Trump gleich ein halbes Dutzend religiöser Führer unterschiedlicher Glaubensrichtungen eingeladen. Darunter auch seine persönliche Seelsorgerin Paula White, die in den USA nicht unumstritten ist.

von Marlene Patsalidis

Sechs Vertreter unterschiedlichster Konfessionen werden am 20. Jänner im Rahmen von Trumps Amtseinführung zu Wort kommen. In puncto Religion zeigt sich Trump also inkludierend. Bibellesungen und Segnungen sind bei der Inauguration eines neuen US-Präsidenten fixer Bestandteil des Zeremoniells. Dabei bittet der künftige Präsident entweder einen landesweit oder ihm persönlich bekannten Geistlichen die religiösen Rituale durchzuführen. Neu ist, dass Mitglieder verschiedenster Religionen sprechen dürfen. Trump geht hier, wie so oft, einen eigenwilligen Weg.

Einer der sechs religiösen Vertreter gilt als umstritten. Paula White ist Pastorin einer Kirche in Florida, über die Grenzen des Bundesstaates hinaus ist sie vor allem aufgrund ihrer Aktivitäten als "Televangelistin" bekannt. Damit bezeichnet man in den USA Prediger, die auch über das Fernsehen ihre Moralvorstellungen und Botschaften verkünden und um Spenden bitten. White ist genau damit reich geworden, ihr Vermögen wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Auch die Berufsbezeichnungen Motivationstrainerin und Buchautorin beansprucht White, die mit ihren On-und Offlineunternehmungen ein kleines Imperium aufgebaut hat, für sich.

Doch was verschafft einer telegenen Predigerin aus Tupelo in Mississippi bei Trumps Inauguration die Ehre? Der Grund dafür ist schnell erklärt: White ist Trumps langjährige religiöse Beraterin und gilt als enge Vertraute des Republikaners.

Von Geld und Gebeten

Das allein verschafft ihr jedoch nicht ihren umstrittenen Ruf. White ist eine Vertreterin der Erfolgstheologie, auch Wohlstandsevangelium genannt, die von fast allen christlichen Konfessionen entschieden abgelehnt wird. In dieser Glaubenslehre wird die theologische Auffassung vertreten, dass irdischer Wohlstand, vor allem Geldvermögen und Erfolg, ein sichtbarer Beweis für Gottes Gunst ist. Diesen erlangt man durch ein gläubiges Leben, Gebete und unerschütterliches Gottvertrauen. Ist man von Arbeitslosigkeit, Armut oder gar Krankheit betroffen, ist man im Umkehrschluss selbst dafür verantwortlich.

Als Anhängerin dieser religiösen Strömung wurde White, die in dritter Ehe mit dem US-amerikanischen Musiker Jonathan Cain verheiratet ist, wiederholt als Ketzerin verurteilt. Und das obwohl in den USA religiöse Vielfalt groß geschrieben wird. 2007 wurde vom Senat gegen sie und andere Televangelisten sogar eine Untersuchung eingeleitet, eine Straftat konnte White jedoch nicht nachgewiesen werden. Auch Whites Scheidungsgeschichte gilt bei gläubigen Christen als verpönt.

Sieht man sich Whites Publikationen und ihre anderweitigen Machenschaften genauer an, ergibt sich tatsächlich ein kurioses Bild. In ihren Fernsehpredigten bittet sie um Geld für ihre Kirche und wirbt für ihre Bücher, die schwulstige Titel wie "Gottes Plan für ein siegreiches Leben" und "Die zehn Gebote der Gesundheit und des Wohlbefindens" haben.

Auch im Netz streut die US-Amerikanerin ihre religiösen Anschauungen fleißig. Auf Instagram, wo sie am liebsten Selfies von sich und ihrem Gatten oder Bilder ihrer Kinder und Enkel teilt, folgen ihr 290.000 Menschen. Auf Twitter ist es eine halbe Million. Auch auf Youtube ist sie aktiv.

Ketzerin - Ehebrecherin - Scharlatanin

White feiert sich am liebsten selbst, präsentiert sich als erfolgreiche Unternehmerin mit glattgebügeltem Gesicht, die ihr Leben Gott verschrieben und dafür den gerechten Lohn eingeheimst hat. Auch Trump folgt in öffentlichen Statements gern dieser Argumentationslinie. In seinem Fall habe ihn Gott mit dem "Geist eines Geschäftsmannes gesegnet".

Nachdem der künftige Präsident seine Schar an Geistlichen kürzlich vorstellte, zeigten sich Vertreter der christlichen Glaubensgemeinschaft entrüstet. Erick Erickson, ein einflussreicher christlicher Autor und bekennender Gegner Trumps, schrieb einem Bericht der Washington Post zufolge auf seiner Website: "Der Präsident der Vereinigten Staaten holt eine Ketzerin auf die Bühne (…)".

"Paula White ist eine Scharlatanin, die von allen christlichen Konfessionen als Gotteslästerin anerkannt worden ist", twitterte der baptistische Pastor Russell Moore.

Kritik ist "absurd"

White selbst kann die zum Teil enorm harsche Kritik an ihrer Person nicht nachvollziehen. "Ich wurde als Ketzerin, Abtrünnige, Ehebrecherin, Scharlatanin und Fanatikerin bezeichnet", betont sie laut CNN in einer Aussendung. Sie habe in der Vergangenheit nie auf derartige Anschuldigungen reagiert, da sie deren Urheber nicht mit einer Reaktion beschenken wollte. Da die Vorwürfe jedoch von der bevorstehenden Angelobung ablenken könnten, könne sie nun nicht mehr schweigen. Im Interview mit CNN sagte sie, dass die Kritik eine "absolute Absurdität" sei. Die Verurteilung ihres Privatlebens sei zu einem großen Teil falschen Berichten geschuldet, obwohl ihr "Leben und meine Entscheidungen nicht einmal annähernd perfekt waren".

Mormonen-Chor darf singen

Neben White werden auch Timothy Dolan, katholischer Erzbischof aus New York, Rabbiner Marvin Hier, Bishop Wayne T. Jackson, Reverend Franklin Graham und Reverend Samuel Rodriguez bei der Feierlichkeit auftreten. Der mormonische Tabernacle Choir wird bei der Feier die "Battle Hymn of the Republic" singen. Auch durch diese Geste streckt Trump die Hand versöhnlich aus. Im Vorfeld der US-Wahl hatten viele bekennende Mormonen ihre Ablehnung Trump gegenüber kundgetan (kurier.at berichtete). Nicht eingeladen hat der neue Präsident dagegen Vertreter des traditionellen Protestantismus, dem er als Mitglied der Presbyterian Church angehört.

Unterdessen hat White auch bereits Einblicke in ihre Rede bei der Angelobung gegeben. In einem Statement erklärte sie, dass sie in ihrem Gebet "unsere Heimat großzügig segnen" werde – und das dürfte in jedem Fall in Trumps Sinn sein.