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Stadtkomödie
09/12/2019

Stadtkomödie "Curling für Eisenstadt": Zielen, wischen, hoffen

Am Freitag gehen in ORF1 (20.15 Uhr) die „Chicken Nugget Queens“ mit Katharina Straßer aufs Eis.

von Marco Weise

Vicky, Emma, Geri und Melanie. Das sind nicht nur die Namen der britischen Pop-Girlgroup Spice Girls, sondern auch jene der Spielerinnen des ersten Eisenstädter Curling-Teams, das die Damen-WM in die burgenländische Landeshauptstadt holen will.

Angeführt wird die bunt zusammengewürfelte Truppe von Vicky (Katharina Straßer), die damit allen zeigen möchte, dass sie „Papsileins“ (Wolfgang Böck) Macht und Geld nicht nötig hat und auf eigenen Beinen stehen kann. Doch das ist gar nicht so einfach – vor allem nicht auf Eis beim Curling. Diese Sportart genießt hierzulande (noch) Exotenstatus – ähnlich wie Bobfahren auf Jamaika.

Erzählt wird diese Geschichte in der neuen „Stadtkomödie“ mit dem Titel „Curling für Eisenstadt“, die am Freitag um 20.15 Uhr auf ORF1 zu sehen ist. Nach „Harri Pinter, Drecksau“ ist das bereits der zweite Beitrag, den Regisseur Andreas Schmied für die ORF-Reihe abliefert. Für den „Komödienmeister“, wie ihn die Schauspielerin Katharina Straßer im KURIER-Gespräch bezeichnet, sei das Wichtige an einer Komödie, dass man Gegensätze zusammenbringt.

„Für den Wintertourismus ist Eisenstadt bekanntlich nicht das erste Ziel – insofern ist Eisenstadt wiederum perfekt für diese Geschichte“, sagt der 43-Jährige, der zuletzt „Love Machine“ ins Kino brachte.

Schnelle Schnitte

Der steirische Drehbuchautor und „Regie-Autodidakt“, wie er sich selbst im KURIER-Gespräch bezeichnet, arbeitet gerne mit vielen Schnitten und rasanter Erzählweise. „Eine Komödie muss für mich eine gewisse Geschwindigkeit haben“, erklärt Schmied das Tempo. Abgeschaut hat er sich das von US-amerikanischen Komödien, mit denen er groß geworden sei.

„Wenn man als Kind der Arbeiterklasse in der Steiermark aufwächst, kommt man nicht in Berührung mit französischen Arthouse-Filmen. Wir hatten im Ort eine einzige Videothek, in der jede Woche nur wenig neue Filme zur Auswahl standen“ – es waren klassische Blockbuster-Komödien oder Action-Filme wie „Zurück in die Zukunft“, „Rocky“, „Täglich grüßt das Murmeltier“, „Lethal Weapon“ und „Forrest Gump“.

Bei der StadtkomödieCurling für Eisenstadt“ setzt der Regisseur vor allem auf Slapstick-Momente, sketchartige Szenen, die in der dezent überdrehten Story eingebettet sind. Das Drehbuch wurde im Nachhinein von Schmied bearbeitet – in Absprache mit den beiden Hauptautoren Marc Schlegel und Peter Hengl.

„Man schaut dabei, wie weit man es mit dem Witz treiben kann. Darüber sollte man halt nicht hinausschießen. Ich will einfach gute Geschichte erzählen, wenn die nebenbei noch lustig sind, freut einen das. Ich will aber nicht um jeden Preis unterhalten. Burgenländerwitze kommen zum Beispiel keine vor, obwohl ich im Vorfeld der Dreharbeiten sehr viele davon gehört habe, vor allem von Burgenländern selbst“, sagt Schmied.

Lustige Frauen

Um eine Stadtkomödie erfolgreich mit Lokalkolorit ausstatten zu können, sei es wichtig, dass man sich mit Einwohnern austauscht. „Es soll ja das echte Eisenstadt gezeigt werden. Ich mache je keinen Werbefilm fürs Tourismusbüro“, sagt Schmied, der am Set laut Katharina Straßer ein Klima geschaffen hat, „in dem sich Frauen wohlfühlen.“

Wie schaffen Sie das, Herr Schmied? „Okay, ich weiß jetzt nicht genau, wie Katharina das meint, aber ja, ich mag Frauen. In erster Linie natürlich meine Ehefrau (lacht). Ich komme aus einer Familie, die vorrangig aus Frauen besteht, deshalb habe ich vielleicht das eine oder andere aufgeschnappt, das mir bei meiner Arbeit mit Frauen hilft. Ich mag vor allem lustige und gescheite Frauen. In diesem Fall durfte ich gleich mit vier solchen Frauen drehen“, sagt Schmied.

Neben Katharina Straßer wischen noch Marlene Morreis (Melanie), Veronika Polly (Emma) und Maddalena Hirschal (Geri) mit dem Besen am Eis herum. Sie komplettieren die Eisenstädter Curling-Mannschaft „Chicken Nugget Queens“, die einen eigentlich unmöglichen Sieg gegen die Meistermannschaft aus Kitzbühel einfahren muss, um die WM ins Burgenland zu holen.

„Wir haben in der Wiener Stadthalle trainiert. Es war eine große Herausforderung, nicht ständig am Eis zu landen. Vor allem als frischgebackene Mutter, ich habe ja zwölf Wochen vor Drehbeginn mein zweites Kind bekommen – Stichwort: Beckenboden. Ich wollte die Rolle aber unbedingt spielen, weil mir das Drehbuch sehr gut gefallen hat und es ein starker Frauenfilm ist – mit vier Frauen im Vordergrund und mit Anna Hawliczek hinter der Kamera. So etwas bekommt man nicht alle Tage angeboten“, sagt Straßer.