Familientreffen: Cornelius Obonya mit seiner Tante Christiane Hörbiger und deren Sohn Sascha Bigler.

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Kultur | Medien
05/25/2019

Neue Wiener Stadtkomödie: Filmdreh im Nachtclub

In Wien stehen u. a. Cornelius Obonya und Christiane Hörbiger für „Der Fall der Gerti B.“ vor der Kamera.

Der Nachtclub Maxim auf der Wiener Kärntner Straße an einem Nachmittag um halb drei: Normalerweise ist um diese Uhrzeit noch geschlossen, doch ausnahmsweise ist das Etablissement mit den roten Tapeten schon jetzt gut gefüllt. Denn das Maxim ist einer der Drehorte für „Der Fall der Gerti B.“, die neue ORF-Stadtkomödie. Mit dabei sind unter anderem Cornelius Obonya, Susi Stach, Karl Fischer und – in einer Gastrolle – Christiane Hörbiger.

Die „Grande Dame“ will es filmtechnisch bekanntlich ruhiger angehen lassen. Dass sie dennoch in „Der Fall der Gerti B.“ mitspielt, dürfte wohl an der Regie liegen – denn für die zeichnet ihr Sohn Sascha Bigler verantwortlich. Und so nimmt Hörbiger im Sexclub für ihren Gastauftritt Platz. Als „schräge Version ihrer selbst“, wie es heißt, soll sie bei einer erotischen Soiree aus dem Tagebuch der Prostituierten Josefine Mutzenbacher vorlesen. Mit dabei sind auch ihre Hunde, zwei Möpse, die zwischen den Takes durchs Lokal flitzen.

Aus den Augen verloren

Während Hörbiger dreht, berichten die Hauptdarsteller auf schmucken Sofas sitzend, worum es in dem Filmprojekt eigentlich geht: Im Zentrum der Handlung stehen drei ehemalige Freunde aus Floridsdorf, die sich im Laufe der Zeit aus den Augen verloren haben. Nach 40 Jahren treffen sie zum ersten Mal wieder aufeinander – und das unter höchst seltsamen Umständen. Gerti B. (Stach) ist mittlerweile Polizistin, Jonas L. (Obonya) ein als Uhrmacher getarnter Auftragskiller und Franz A. (Fischer) betreibt ein Bordell.

Erzählt wird die Geschichte auch über Rückblenden ins Jahr 1978, als die Protagonisten erst 16 Jahre alt waren. Ihre jugendlichen Ichs hätten sie alle zwar ohne Probleme auch selbst spielen können, die Hauptdarsteller hätten aber freiwillig verzichtet, scherzt Susi Stach. Sie steht in „Der Fall der Gerti B.“ gemeinsam mit ihrem Mann Karl Fischer vor der Kamera – wie zuletzt auch für die vierte Staffel der „Vorstadtweiber“, die im Herbst zu sehen sein wird.

Mit dem eigenen Partner zusammenarbeiten sei aber gar nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt, sondern durchaus eine Herausforderung. „Eigentlich finde ich es schwieriger, weil man sich ja so gut kennt“, erzählt Stach. „Auf einer zweiten Ebene denkt man immer mit: Ach, warum hat der jetzt so geschaut?“

Dem stimmt auch Fischer zu, der sich für seine Rolle die naturgrauen Haare dunkelbraun gefärbt hat. „Nach dem Färben war ich im Bauhaus und da habe ich gemerkt, dass irgendetwas komisch ist und die Leute ein bisschen schauen. Dann habe ich mich selbst im Spiegel gesehen: Das war sehr erschreckend“, schmunzelt Fischer.

Der Leichen müde

Der dritte Protagonist wird gespielt von Cornelius Obonya – der am 2. Juni übrigens auch im „Tatort“ mit Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer zu sehen ist. Über seine Rolle in der Stadtkomödie wolle er nicht zu viel verraten, „aber jemand, der sehr lange den Beruf des Auftragskillers ausübt, wird irgendwann der Leichen müde“, erzählt Obonya. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Bigler schätze er sehr: „Er ist einfach ein eisenharter Profi, der sein Handwerk in London und Los Angeles gelernt hat und das merkt man. Das sind die Schönheiten dieses Berufes, wenn man an solche Leute kommt.“

Verliebt in Floridsdorf

Bigler, der bereits bei der letzten Wiener Stadtkomödie („Herrgott über alles“) Regie führte, hat bei „Der Fall der Gerti B.“ auch am Drehbuch mitgeschrieben. Er zeichnet etwa dafür verantwortlich, dass die Handlung im 21. Wiener Gemeindebezirk angesiedelt ist. „Dass ich bei meinem letzten Film über Floridsdorf gestolpert bin, war eine glückliche Fügung. Ich kannte den Hieb nicht und hab’ mich irgendwie verknallt, in den Schlingermarkt und gewisse Ecken, die dort sind und die ich total schön finde.“

Dass er seiner Mutter eine Szene geschrieben hat, die in einem Bordell spielt, habe diese nicht weiter gestört. „Sie hat nicht mal mit der Wimper gezuckt“, sagt Bigler. Der Autor der Mutzenberger-Tagebücher, aus denen Hörbiger vorliest, sei immerhin Felix Salten. Der habe schließlich auch „Bambi“ geschrieben, „das ist eigentlich ein Klassiker. Und ich habe auch Textstellen ausgesucht, die einigermaßen im Fernsehen vertretbar sind“, lacht Bigler, bevor er wieder an die Arbeit muss.

Zwischendurch ist auch der Besitzer des Maxim, Pepi Stern, vor Ort. Seit 1986 gehört ihm das Etablissement, in dem schon mehrere Filmdrehs stattgefunden haben, wie er berichtet. „Das Maxim ist in Österreich das edelste Lokal, es gibt noch ein besseres, das Moulin Rouge, das ist aber in Paris“, erklärt Stern schmunzelnd, warum sich Filmteams für seinen Nachtclub interessieren.

Insgesamt drei Tage wird dort gedreht, dann geht es an anderen Schauplätzen in Wien weiter.

Das Format der Stadtkomödien

„Der Fall der Gerti B.“ ist nach „Kebab extrascharf“ und „Herrgott für Anfänger“ die dritte Wiener Episode der Stadkomödien-Reihe. Zuvor gab es Stopps in Graz („Die Notlüge“), St. Pölten („Geschenkt“) und Klagenfurt („Harri Pinter, Drecksau“). „Curling for Eisenstadt“ soll noch heuer in ORF 1 zu sehen sein.

Die Dreharbeiten für die neue Stadtkomödie aus Wien dauern voraussichtlich bis Anfang Juni. Neben Cornelius Obonya, Susi Stach, Karl Fischer und Christiane Hörbiger stehen auch Thomas Mraz, Johannes Silberschneider, Tanja Raunig und Gregor Seberg dafür vor der Kamera. Regie führt Sascha Bigler, der gemeinsam mit Axel Götz auch für das Drehbuch (nach einer Idee von Sascha Kato und Ervin Tahirovic) verantwortlich zeichnet. Das Ergebnis soll 2020 im Fernsehen laufen.