Wer sich schon gefragt hat, ob es die Retro-Anzüge von Michael Ostrowski noch in weiteren Farben gibt, bekommt nun die erlösende Antwort: Natürlich! Wie wäre es zum Beispiel mit glitzerndem Dunkelblau?
Am heutigen Samstag geht in der Wiener Stadthalle das große Finale des Eurovision Song Contest über die Bühne und dafür wurden noch einmal die ganz großen Sternspritzer ausgepackt (der KURIER hat die Jury-Show am Freitag gesehen). Am Anfang geht es aber um jenen Mann, der für all das verantwortlich ist: Vorjahressieger JJ. Der lässt in einem Einspieler seine gläserne Trophäe fallen und vergisst dann auch noch sein Papier-Schifferl, mit dem er 2025 zum Sieg gesegelt ist, in Basel!
Nach einer abenteuerlichen Reise durch Österreich (inklusive Känguru!) kommt das gute Stück dann aber doch noch nach Wien zu JJ, der gemeinsam mit dem Radio-Symphonieorchester Wien (RSO) die Bühnenshow eröffnet. Es gibt ein bisschen Zauberflöte, gefolgt von einer temporeichen Version von "Wasted Love" und JJs neuem Song "Unknown". (Den hat er zwar schon im zweiten Semifinale performt, aber für den Fall, dass jemand vor dem Fernseher nicht richtig aufgepasst hat, gibt es ihn eben noch einmal.) Unterstützt wird JJ von Tänzern in – wie sollte es anders sein – den Farben rot und weiß und Akrobaten, die schwindelerregende Dinge tun, während sie von der Decke baumeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dazwischen mischt sich die traditionelle Flaggenparade der teilnehmenden Länder.
Insgesamt 25 Acts treten im Finale an, um JJs Nachfolge zu übernehmen. Und die bieten eine Show mit vielen mittanzverdächtigen Nummern, die auch gleich entsprechend beginnt. Den Anfang macht nämlich Dänemarks Søren Torpegaard Lund mit seinem düsteren Tanzaquarium, zum Abschluss gibt's von Cosmó den weitaus unbeschwerteren "Tanzschein". Wenn das Publikum in der Halle im Finale auch so mitjubelt wie am Freitag, dann wird Österreichs Vertreter seinen Auftritt auf jeden Fall genießen können.
Dazwischen – man kennt die Inszenierungen ja bereits aus den Semifinal-Shows – gibt es ein goldenes Klavier mit Aussichtsplattform (Australien), einen brennenden Beichtstuhl (Finnland) und eine Scooter fahrende Discokatze (Griechenland).
Nach den Auftritten der wettstreitenden Acts folgt das Voten und der Teil mit dem langen Warten. Verkürzt wird dies heuer mit einem All-Star-Treffen, um 70 Jahre Song Contest zu feiern. Dafür hat man ein Ensemble an ESC-Veteranen versammelt, die ein Medley aus dem Besten und, äh, nicht so Besten aus der Geschichte des Musikbewerbs präsentieren.
Erika Vikman singt da etwa "Cha Cha Cha", die Rocker von Lordi ausgerechnet "Save Your Kisses For Me". Von Alexander Rybak gibt es Geigentöne zu "Ne partez pas sans moi", Miriana Conte hat sich für "Dschinghis Khan" entschieden und Ruslana gibt "Mon Amour" zum Besten. Zum Schluss stimmt Verka Serduchka, die mit einer Blaskapelle die Bühne betritt, "Nel blu, dipinto di blu" (vulgo: Volare) an – bis auch das Saalpublikum mitsingt. (Mit Erika Vikman und Lordi ist Finnland hier übrigens gleich zwei Mal vertreten – man male sich die Stimmung beim Rückflug nach Helsinki aus, sollten die Favoriten Linda Lampenius und Pete Parkkonen tatsächlich gewinnen.)
Nach diesem bunten Trip (ob der gut oder schlecht ausfällt, hängt von der vorhergehenden Konsumation ab) übernimmt Parov Stelar mit einer eigens für die Show kreierten Nummer, dafür hat er seinen DJ-Arbeitsplatz über ganz in weiß gekleideten Tänzern aufgebaut. Abgelöst wird er von Cesár Sampson, ESC-Dritter von 2018, der sich ans Klavier setzt (nicht das von Australien!) und mit "Vienna" von Billy Joel ruhigere Töne anstimmt. Ein bisschen Schade, dass man bei diesem Part der Show, in dem heimischen Musikern eine Bühne gegeben wird, nicht auch eine Frau gefunden hat.
Und was ist eigentlich mit den "Owskis", also dem Moderatoren-Duo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski (der dann übrigens wieder in den Silber-Anzug wechselt)? Die sind im Finale erstaunlich ruhig. Es gibt die obligatorischen Programmankündigungen, ein paar Fun Facts aus der ESC-Geschichte und Nachhilfe in Sachen Votingsystem, dafür aber kaum Gags und schon gar keine Einlagen.
Das kann man, nachdem die Austria-Australia-Nummer im ersten Halbfinale bei vielen ja eher mittelgut angekommen ist, positiv sehen. Andererseits hatte man doch die Hoffnung gehabt, dass sich die zwei die besten Gags einfach noch fürs Finale aufheben wollten. Spätestens beim Voting wird es nicht vorherzusehende Momente geben und da wird sich zeigen, wie gut die beiden im Improvisieren sind.
Die Show startet um 21 Uhr auf ORF 1, der KURIER tickert live mit.
Alle Kandidaten des Finales des Song Contests 2026:
Künstler: Sarah Engels Song: "Fire" Superpower: ist als ehemalige "DSDS"-Kandidatin große TV-Live-Shows gewöhnt. Look und Choreographie erinnern an Beyoncé – wenn man sie auf Temu bestellt.
Künstler: Noam Bettan Song: "Michelle" Superpower: der Mut, trotz lauten Protesten trotzdem anzutreten und um die Liebe von Michelle (und der Welt) zu flehen.
Künstler: Alis Song: "Nân" Superpower: mit der Kirche ums ESC-Dorf und direkt rein in die Stadthalle. Bei dieser Liebeserklärung an alle Mütter bleibt kein Auge trocken.
Künstler: Akylas Song: "Ferto" Superpower: hat den liebenswert-verrückten ESC-Wahnsinn verinnerlicht. Auf der Bühne kommt das Kind im Manne zum Vorschein.
Künstler: Daniel Žižka Song: "Crossroads" Superpower: theatralische Dramatik und tiefgründige Lyrics lassen kathartische Tränen kullern. Und er ist barfuß. Kann vielleicht auch nicht schaden.
Künstler: Look Mum No Computer Song: "Eins, Zwei, Drei" Superpower: lehrt die Welt, auf Deutsch bis drei zu zählen. Noch nie war Sprach- und Mathematik-Unterricht so unterhaltsam.
Künstler: Linda Lampenius x Pete Parkkonen Song: "Liekinheitin" Superpower: eine Geige, Feuer, ein High-Hells-Lauf – und die Wettquoten: Finnland wird als Sieger gehandelt.
Künstler: Lion Ceccah Song: "Sólo Quiero Más" Superpower: blauer Alien-Look hat schon bei Eiffel 65 funktioniert (diesmal aber ohne "da-ba-dee-da-ba-di").
Künstler: Sal Da Vinci Song: "Per Sempre Si" Superpower: lässt einem den Song sofort wieder vergessen. Tut aber auch niemandem weh. Und auf der Bühne wird immerhin geheiratet.
Künstler: Alexandra Căpitănescu Song: "Choke me" Superpower: sexuell konnotierte Liebeslieder mit Rock-Beats lassen die Hormone brodeln. Und klassische Superpower-Blitze gibt es obendrein auch.
Der Verfassungsschutz führte österreichweit Aktionen gegen den islamistischen Extremismus und Terrorismus durch. Der jüngste Verdächtige ist 14 Jahre alt.
Lisa Wegenstein meldete sich freiwillig, das Eurofan Café Israel in ihrem Betrieb, der MQ-Kantine, einziehen zu lassen. Den Polizeischutz soll sie selber zahlen.
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