Eurofan Café Israel: Der ESC ist vorbei, die Rechnung bleibt
In der "MQ Kantine" hausiert das ESC-Land Israel.
Von Franziska Trautmann
Vor über einer Woche fand das Finale des Eurovision Song Contest in Wien statt. Die Bühne ist abgebaut, die Delegationen sind abgereist. Lisa Wegenstein aber bleibt zurück – mit einer Rechnung in Höhe von vermutlich 10.000 bis 12.000 Euro. Sie soll für den Polizeischutz rund um das Eurofan Café Israel, das in ihrem Betrieb stattfand, selbst bezahlen.
Der Betrieb war während des Song Contest Teil der Eurofan Cafés. Dabei haben Wiener Kaffeehäuser die Patenschaft für die teilnehmenden ESC-Länder übernommen.
Damals fehlte aber Israel. Wegenstein meldete sich daraufhin freiwillig, ihre MQ-Kantine als Pate für das Land zur Verfügung zu stellen. Der KURIER berichtete. Aufgrund der angespannten politischen Lage rund um Israel stand das Land auch während des ESC in der Kritik. Deshalb herrschte in ganz Wien eine erhöhte Gefährdungslage um den Auftritt Israels – so auch in Wegensteins Café.
Begehung durch Beamte
Nachdem publik wurde, dass Israel in der MQ-Kantine gastiert, sollen Ende April drei Beamte vom Bundesamt für Verfassungsschutz vor Wegensteins Café gestanden sein, sagt die Betreiberin. „Sie haben eine Bestandsaufnahme von meinem Lokal gemacht“, sagt sie im Gespräch mit dem KURIER. So wurden etwa alle Eingänge zum Lokal notiert.
Außerdem sollen die Beamten sie informiert haben, dass sie Teil des Sicherheitskonzeptes rund um den ESC sei und man sich in den kommenden Tagen mit Details bei ihr melden werde. „Sie meinten, ich wäre sicherheitstechnisch einer der vier Hotspots“, so die Betreiberin.
Nach der Begehung habe sich aber niemand mehr gemeldet. „Ich dachte eigentlich schon, dass es klar ist, dass ich irgendeine Art von Schutz bekomme“, sagt Wegenstein. Sie beschloss, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen und bat bei der Wiener Polizei um dauerhaften Polizeischutz für ihr Lokal während des Eurofan Cafés.
Schutz ist kostenpflichtig
Dem wurde stattgegeben. Am Abend des 7. Mai standen zwei uniformierte Polizisten in ihrem Lokal – als dauerhafter Polizeischutz, bis inklusive 16. Mai, wurde Wegenstein mitgeteilt. Was die Betreiberin zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Sie muss den Einsatz selbst bezahlen.
Darüber informiert wurde sie allerdings erst am 8. Mai, einen Tag, nachdem die Polizisten bereits Wache standen. Die Information kam per Bescheid, ausgestellt am 7. Mai von der Wiener Polizei. Im Bescheid, der dem KURIER vorliegt, ist zu lesen, dass zwei Polizisten bis zum Ende des ESC (von 7. bis 16. Mai) das Lokal überwachen würden – täglich von 9 Uhr bis Betriebsende. Rechnet man sich den Stundensatz aus, ergeben sich daraus rund 10.000 bis 12.000 Euro.
Kein polizeilicher Schutz nötig
Warum die MQ-Kantine nicht direkt nach Begehung des Verfassungsschutzes einen polizeilichen Schutz erhielt, konnte das Innenministerium nicht erklären. Es verwies auf die Wiener Polizei.
Auf Anfrage erklärte man dort, dass darüber keine Auskünfte gegeben werden dürften. Aber: Wenn keine konkrete Gefährdung vorliegt, reiche eine verstärkte Präsenz sowie wiederholte Kontrollen im Rahmen des Streifendienstes. Das bedeutet, dass die Polizei in diesem Fall keine Notwendigkeit für eine dauerhafte Überwachung sieht, Polizisten im Dienst aber am Tag ab und zu vorbeischauen.
Darüber wurde Wegenstein aber nicht informiert, weshalb sie proaktiv um Schutz bat. Bezüglich der Kosten sagte die Polizei: „Die Besitzerin der MQ-Kantine wurde im Vorfeld darüber informiert, dass die polizeiliche Überwachung kostenpflichtig ist.“
Bis auf den im Nachhinein erhaltenen Bescheid gab es laut Wegenstein jedoch keine weiteren Informationen. Und selbst bezahlen könne sie die Summe nicht, so die Betreiberin. Deshalb startete sie einen Spendenaufruf. Kurz darauf meldete sich das Medien- und Kommunikationsunternehmen „Echo Medienhaus“ bei ihr, das die Eurofan Cafés entwickelt, koordiniert und umgesetzt hatte. „Echo sagte, dass sie die Kosten tragen würden“, sagt sie.
Echo übernimmt Kosten
Laut ihr sei es dem Medienhaus „peinlich“ gewesen. Auf KURIER-Nachfrage heißt es dort, man habe nichts von etwaigen Abstimmungen im Kontext von Sicherheits- oder Schutzmaßnahmen rund um das Eurofan Café Israel gewusst: „Das erfolgte zwischen den zuständigen Behörden und den Standortbetreibern.“
Die Kosten würden sie trotzdem übernehmen. „Wir unterstützen Frau Wegenstein, weil wir als Mitveranstalter eine Verantwortung gegenüber allen Partnern haben“, sagt Christian Pöttler, Geschäftsführer von Echo. „Vor allem, wenn sie unverschuldet in eine schwierige Lage geraten.“
Laut Pöttler wird Echo bis zu 10.000 Euro übernehmen. „Ich denke, das sollte reichen.“ Wie hoch die Kosten tatsächlich sind, werde sich erst mit Zustellung des Bescheids herausstellen.
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