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ESC im Kaffeehaus: Wo Finnland, Israel und Griechenland gastieren

Die „Eurofan Cafés“ verpassen ihrer Innenausstattung sowie ihren Speisekarten je nach zugelostem ESC-Land einen neuen Look. In dem Lokal, das Israel hostet, wird besonders auf Sicherheit geschaut.
ESC, Kaffeehäuser, Cafe Wien

Zwischen Melange und Mehlspeisen stehen kleine weiß-blaue Flaggen auf den Tischen. Auf der Karte findet sich plötzlich ein Gericht, das man hier sonst nicht erwarten würde: „Pyttipannu“ – ein Gröstl mit Spiegelei, Essiggurkerl, Ketchup und Mayo.

Seit Sonntag dreht sich im „Gschamster Diener“ in Mariahilf für zwei Wochen alles um Finnland. Das Kaffeehaus ist eines von mehreren sogenannten „Eurofan Cafés“, mit denen die Stadt den Eurovision Song Contest 2026 aus der Halle hinaus in die Bezirke holen will. Insgesamt nehmen 21 Wiener Kaffeehäuser teil. Sie sind Pate von einem oder zwei der 35 ESC-Teilnehmerländer und werden damit zum Treffpunkt für Fans und internationalen Delegationen. 

Finnischer Stammtisch im Gschamster Diener

Zurück ins „Gschamster Diener“. Seit Montag steht hier das Gröstl auf der Speisekarte, laut Betreiber Ernst Lackner sollen noch drei weitere finnische Gerichte dazu kommen. Dafür habe er sich auch vom Küchenchef der finnischen Botschaft beraten lassen, erzählt Lackner beim Lokalaugenschein. 

An diesem Tag sitzt auch Gast Reinhard sitzt im „Gschamster Diener“ - zum ersten Mal. Ihm sei die Deko aber sofort ins Auge gestochen, erzählt er. „Ich finde es eine wundervolle Idee, wenn unsere Wiener Kaffeehäuser die ESC-Länder repräsentieren.“ Vielleicht komme er wieder, meint er, dann auch, um ein finnisches Gericht zu probieren.

Ernst Lackner neben Finnland Flagge

Ernst Lackner betreibt das Lokal "Gschamster Diener" und ist Pate von Finnland.

Zum Halbfinale und Finale wird es im „Gschamster Diener“ auch ein Public Viewing geben. Für das Finale sind laut Lackner bereits einige Tische reserviert worden. „Es wäre toll, wenn Finnland gewinnt – dann haben wir hier ordentlich was los“, sagt Lackner. Derzeit liegt das nordische Land bei den ESC-Quoten auf Platz Eins. 

Hoffen auf Community

Vor allem aber hofft der Lokalbetreiber auf die Community: „Wir würden uns freuen, wenn die finnische Gemeinschaft hier den ESC mit uns feiert.“ Und manche davon könnten das Lokal noch kennen, denn „vor 40 Jahren hat es hier schon einmal einen finnischen Stammtisch gegeben – und jetzt kann man das wieder aufleben lassen.“ 

Vor allem aber hofft der Lokalbetreiber auf die Community: „Wir würden uns freuen, wenn die finnische Gemeinschaft hier den ESC mit uns feiert.“ Und manche davon könnten das Lokal noch kennen, denn „vor 40 Jahren hat es hier schon einmal einen finnischen Stammtisch gegeben – und jetzt kann man das wieder aufleben lassen.“

Zeichen gegen Antisemitismus in der MQ Kantine

Spaziert man die  Mariahilfer Straße hinunter, stößt man  auch schon auf das nächste Eurofan Café. Auch dort hängen bereits Flaggen an den Wänden und über den Tischen. Die „MQ Kantine“ im Museumsquartier repräsentiert Israel. Betreiberin Lisa Wegenstein führt das Lokal seit 23 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Johannes. In welchem Lokal Israel gastieren wird, wurde erst eine Woche nach allen anderen Kaffeehäusern öffentlich bekannt gemacht. 

Innenraum MQ Kantine mit israelischen Flaggen

In der "MQ Kantine" hausiert das ESC-Land Israel.

Wegenstein hat kurz überlegt, ob sie ihr Lokal aufgrund der aufgeheizten Stimmung zur Verfügung stellen soll. „Ich hätte mich nicht in den Spiegel schauen können, wenn ich es nicht getan hätte“, sagt sie. 

Fokus auf Sicherheit

„Wir wollen ein internationales Zeichen gegen den Antisemitismus setzen.“ Denn rund um den ESC steht Israel derzeit politisch in der Kritik. Einige Teilnehmerländer forderten den Ausschluss des Landes vom Song Contest. Dem wurde nicht nachgegeben, aus Protest nehmen deshalb fünf andere Länder nicht teil. Ein großes Public Viewing ist in der „MQ Kantine“ nicht geplant, stattdessen liegt der Fokus auf Sicherheit. 

Rund 15 Personen bilden Awareness-Teams, die rund um die Uhr präsent sind und Konfliktsituationen deeskalieren sollen. „Ob wir gestürmt, gecancelt oder bedroht werden, ist uns egal – wir wollen ein friedliches Signal senden“, sagt Wegenstein.  Bei der Eröffnung ist auch der israelische Botschafter David Roet dabei. Er hofft, dass eine friedliche Atmosphäre herrschen wird, er habe großes Vertrauen in die österreichischen Sicherheitskräfte.

Eröffnung Eurofan Cafe David Roet Lisa Wegenstein

Am Montag eröffnete Betreiberin Lisa Wegenstein (mitte) mit israelischem Botschafter David Roet (2. v. l.) das Eurofan Café.

Bei der Eröffnung ist auch der israelische Botschafter David Roet dabei. „Ich freue mich sehr, dass es hier stattfindet. Der ESC ist ein Musikfestival, bei dem es nicht um Politik geht“, sagt er. „Ich bin froh, dass auch Israelis und Österreicher in Wien einen Ort zum Feiern haben.“ Roet hofft, dass eine friedliche Atmosphäre herrschen wird, er habe großes Vertrauen in die österreichischen Sicherheitskräfte. „Wir sind der österreichischen Regierung und dem Bürgermeister von Wien sehr dankbar dafür, dass sie sich für die Werte des ESC einsetzen und wir teilnehmen“, sagt er. 

Kulturen näher bringen im Frauenhuber

Ein Stück weiter, über den Ring und rein in die Innenstadt, befindet sich ein Eurofan Café mit gleich zwei Ländern: Das Café Frauenhuber hostet Griechenland und Armenien. Küchenchef Rainer hat sich auf beide Länder intensiv vorbereitet: „Ich habe recherchiert, mir traditionelle griechische und armenische Gerichte herausgesucht und sie  geübt.“ Schon am ersten Tag wurden die neuen Speisen rund 15-mal bestellt. 

Küchenchef Rainer Essen

Küchenchef Rainer kocht drei traditionelle griechische und armenische Gerichte im Café Frauenhuber.

Auch die griechische Delegation hat bereits vorbeigeschaut. Delegationsleiter Konstantinos Pantzoglou zeigt sich beeindruckt: „Wir fühlen uns sehr geehrt, dass unser Land durch eines der ältesten Wiener Kaffeehäuser vertreten wird.“ Das Ambiente sei „fantastisch“, die Menschen „sehr freundlich“. Seine Assistentin Marineta Kritikou ergänzt: „Wir waren begeistert, aber auch überrascht, dass in einem historischen Wiener Kaffeehaus traditionelle griechische Gerichte serviert werden.“ Vielleicht werde das Café ja ein Treffpunkt für Fans, merken beide an. 

Das hofft auch Kaffeehausbetreiberin Elisabeth Binder: „Wir würden uns freuen, wenn armenische und griechische Fans zu uns kommen und wir ihnen die Wiener Kaffeehauskultur zeigen können.“ Aber auch den österreichischen Stammgästen wolle man andere Kulturen näherbringen. „Wenn die Gerichte gut ankommen, könnten wir sie sogar als festen Bestandteil in unserer Speisekarte übernehmen“, sagt Binder. 

Ob das auch der "Gschamster Diener" mit finnischen Speisen und die "MQ Kantine" mit israelischen Gerichten machen wird, bleibt noch offen. Fest steht aber, dass es die 21 Eurofan Cafés bis 17. Mai geben wird und abseits der Stadthalle und des Eurovillage am Rathausplatz Treffpunkte für alle ESC-Fans sind. 

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