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ESC

Großes Finale, wenig Chancen: Alle Songs im Schnellcheck

Heute steigt das Finale des Song Contests in der Wiener Stadthalle. Finnland und Australien führen in den Wettquoten, Cosmó wird als Kandidat für den letzten Platz gehandelt.
Eine strahlende Delta Goodrem mit Mikrofon jubelt auf einer Bühne mit blauem Licht.

Der große Tag ist gekommen: Der Eurovision Song Contest in Wien geht ins Finale. Fans dürfen sich zum Abschluss auf eine große Show freuen – und alle anderen vermutlich darauf, dass sie nun wieder mit dem Thema in Ruhe gelassen werden.

25 Acts treten an, um Vorjahressieger JJ zu beerben. Eröffnet wird der Abend von Dänemarks Søren Torpegaard Lund, beschlossen von Österreichs Vertreter Cosmó. Apropos Schluss: Laut Wettquoten ist „Tanzschein“ einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den letzten Platz. Noch bessere Chancen darauf hat laut Buchmachern Großbritannien, ebenfalls stark bzw. schwach im Rennen: Deutschland.

Eher düster sieht es also für drei jener fünf Länder aus, für die heute Abend erstmals abgestimmt werden darf: Denn die großen Geldgeber (heuer wegen des Boykotts von Spanien nur „Big Four“ statt „Big Five“) sind automatisch fürs Finale qualifiziert und haben ihre Songs in den Halbfinal-Shows außer Konkurrenz präsentiert. Selbiges gilt für Österreichs Cosmó, für den als Titelverteidiger ein fixer Platz im Finale reserviert ist.

Finnland und Australien bei Quoten vorne

Rosigeres versprechen die Quoten übrigens den Finnen, die seit Wochen die Tabellen anführen. Australien hat nach dem Semifinale auf Rang 2 aufgeholt, gefolgt von Griechenland, Israel und Rumänien.

Neben dem Wettsingen steht in der Wiener Stadthalle heute noch anderes am Programm: ESC-Stars wie Lordi, Alexander Rybak, Erika Vikman, Max Mutzke und Verka Serduchka sind angekündigt, außerdem wird Parov Stelar auf der Bühne stehen. Die Übertragung in ORF 1 beginnt um 21 Uhr.

Hier finden Sie alle 25 Songs in der Startreihenfolge im Schnellcheck:

1 Dänemark: Søren Torpegaard Lund

Nach dem zweiten Semifinale in den Quoten etwas abgestürzt ist der Song „Før Vi Går Hjem“ (richtig geraten, das bedeutet: „Bevor wir heimgehen“) – einer der bisherigen Favoriten. Dramatischer Elektro-Pop über toxische Liebe mit Outfit-Wechsel.

2 Deutschland: Sarah Engels

Mit einem Christina-Aguilera-Shakira-Verschnitt, den man gefühlt schon hundert Mal im Radio gehört hat, tritt Sarah Engels an. Bekannt wurde sie vor 15 Jahren durch die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Ein bisschen schade ist es ja, dass Engels  nicht direkt im Anschluss an Finnlands Flammenwerfer-Song auftritt – das wäre beim Titel „Fire“ nur logisch. 

3 Israel: Noam Bettan

Auf Englisch, Französisch und Hebräisch besingt Noam Bettan eine gewisse „Michelle“, mit der er nach einer toxischen Beziehung endgültig Schluss machen will. Der Song ist ein pathosgeladener Pop-Hit mit Flamenco-Anleihen. Nach zwei Jahren mit Balladen wollte man in Israel musikalisch also wieder mal etwas anderes probieren. „Michelle“ wirkt zunächst eher unspektakulär, übermäßig viel bewegt sich Bettan auf der Bühne nicht. An dem Song hat übrigens die Vorjahreszweite Yuval Raphael („New Day Will Rise“) mitgeschrieben.

4 Belgien: Essyla

Wer Entzugserscheinungen bezüglich „Holiday on Ice“ hat, ist hier titelmäßig gut bedient: „Dancing on the Ice“ ist eine gute Nummer, stimmlich nahe bei Olivia Rodrigo, mit Elektrozeugs. 

5 Albanien: Alis

Die Kategorien „dramatischster Song“ und „coolste Sonnenbrille“ gewinnt heuer Albanien. In „Nân“ besingt Alis seine Mama – die Inszenierung mit dem übergroßen Frauenkopf im Hintergrund der Bühne wirkt aber ein bisschen furchteinflößend.

6 Griechenland: Akylas

Garantiert keine kalten Füße wird heuer der griechische Sänger Akylas bekommen: Im kuscheligen Katzenoutfit präsentiert er  seine temporeiche Mischung aus Kapitalismuskritik und Liebeserklärung an die Mama. Computerspiel-Sounds treffen dabei auf Folk-Klänge, Deichkind und Ballade. Selbstironie kommt bei den ESC-Fans bekanntlich gut an – Akylas liegt wenig verwunderlich im Spitzenfeld bei den Wettquoten.

7 Ukraine: LELÉKA

Wer sollte von Hoffnung und einer besseren Zukunft singen, wenn nicht die Ukraine. „Ridnym“ ist eine Selbstermächtigungsballade mit schwerem Rhythmus und tiefen Streichern, geprägt von aufbäumendem Gesang, der keine gute Laune vortäuscht, wo insgesamt Schwere vorherrscht. Auf so etwas wie eine Choreografie lässt sich die Sängerin nicht ein, in diesen drei Minuten geht es um die Musik – und natürlich um ein politisches Zeichen im unpolitischen Song Contest. 

8 Australien: Delta Goodrem

Aus „Down Under“ kommt heuer ein Superstar: Sängerin Delta Goodrem hat eine glatte Power-Pop-Ballade im Gepäck, an deren Ende zumindest eine interessante Klaviereinlage zu hören ist. Im Text zu „Eclipse“ geht es um Sonne, Mond, Sterne – und die Liebe. Das gefällt den Fans offenbar, der Song ist nach dem Semifinale auf Quotenplatz 2 geklettert.

9 Serbien: Lavina

Stilecht im schwarzen Leder- und-Nietengürtel-Outfit gibt die serbische Metal-Band Lavina ihr düsteres „Kraj mene“ (Deutsch: Neben mir) zum Besten. Da soll noch mal wer behaupten, der ESC wäre zu uncool.

10 Malta: Aidan

„Bella“ ist erstaunlich, weil es so unerstaunlich ist: ein Liebeslied im 50er-Jahre-Flair, vorgetragen mit Ledergilet und Schnauzbart. Da tut sich außer einem kurzen Aufbäumen gegen Ende nicht viel, vielleicht auch mal gut.

11 Tschechien: Daniel Žižka

Das in den vergangenen Jahren erfolgreiche Konzept „Trauriger Mann singt sehr hoch“  wird heuer von Tschechien aufgegriffen. „Crossroads“ ist schön, bleibt in der bunten ESC-Show aber schwer im Gedächtnis. 

12 Bulgarien: DARA

Wer sich erinnert: Vor einem Vierteljahrhundert zahlten wir Geld für Handy-Klingeltöne. Damals wäre „Bangaranga“ wohl ein gutes Geschäft gewesen. Geht gnadenlos ins Ohr, bevor man auf lautlos stellt.  

13 Kroatien: Lelek

„Andromeda“ ist der heurige Song zum Thema mythisches Mittelalter. Große Dramatik, wuchtige Drums, und der Verhörer „Dromedar“ liegt nah. 

14 Großbritannien: Look Mum No Computer

Im Vorjahr hat Europa dank der Band KAJ auf Finnisch zählen gelernt, nun gibt Look Mum No Computer Deutsch-Nachhilfe: „Eins Zwei Drei“ nennt sich seine schräge Elektronummer, in der es darum geht, dem monotonen Arbeitsalltag zu entfliehen. Für eine Spaßnummer ungewohnt grantig, aber vielleicht wollte sich Sänger Sam Battle nur den Wienern anpassen.  

15 Frankreich: Monroe

Der Französin merkt man etwas an, das manch anderem heuer fehlt: sichtliche Begeisterung dafür, teilzunehmen. Um diese Begeisterung auch musikalisch zum Ausdruck zu bringen, bedient man sich des JJ-Erfolgsrezepts  „hohe Töne“ (viel mehr Kreativität findet man nicht nötig). Ob die sympathische Performance von „Regarde!“ („Schau!“) ausreicht? Das wird man, äh, sehen.  

16 Moldau: Satoshi

Ein flotter Tanzhit mit Ethno-Klängen und Erinnerungsstütze: Beim Titel „Viva, Moldova!“ kann man das Herkunftsland nicht vergessen. 

17 Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen

Im hohen Norden setzt man auf Feuriges: Der finnische Beitrag „Liekinheitin“ (Deutsch: Flammenwerfer) vereint dramatische Geigenmelodien mit Pop und Rock. Und sorgt mit einer Sonderregel für Aufsehen: Violinistin Linda Lampenius darf ihr Instrument live spielen. Finnland gilt als Top-Favorit.

18 Polen: Alicja

Gebetet wird heuer in Polen: „Pray“ von Sängerin Alicja ist eine interessante Mischung aus R’n’B und Trap, gesanglich beeindruckend, man hat dabei nur blöderweise auf einen eingängigen Refrain vergessen.

19 Litauen: Lion Ceccah

Keine Sorge, Sie verstehen nicht plötzlich Litauisch: Der Songtitel „Sólo Quiero Más“ ist spanisch. Herr Ceccah will mehr, auch wenn wir in einer verrückten Welt leben. Man kann es nachvollziehen. 

20 Schweden: Felicia

Text aus dem Reimwörterbuch, Großraum-Discogestampfe und eine Maske wie 2020, nur in Glitzer: „My System“ scheint ein dezidierter Siegesvermeidungssong.

21 Zypern: Antigoni

Jemand will „Jalla“, singt Antigoni im Späte-Britney-Spears-Look. Das ist keine zypriotische Süßspeise oder ein neuer Handytarif, sondern heißt „mehr“, was man von diesem Song nach ein paar Minuten eher nicht will. 

22 Italien: Sal Da Vinci

Gefühlt 40 Jahre zu spät dran ist der Italo-Schlager „Per sempre sì“. Der neapolitanische Sänger Sal Da Vinci hat damit heuer das Festival von Sanremo gewonnen und somit das Ticket für den Song Contest  gelöst. Der Innovationsgrad bei Text (es geht ums Heiraten) und Performance (ein Mann steht hinterm Mikro) ist eher bescheiden, sein Freudestrahlen jedoch entwaffnend. 

23 Norwegen: JONAS LOVV

Im hohen Norden hat man sich das Bühnenoutfit von Måneskin ausgeborgt und „Seven Nation Army“ von den White Stripes gehört. Textsicherheit dürfte bei den Lyrics zu „Ya Ya Ya“ keine Schwierigkeit sein. 

24 Rumänien: Alexandra Căpitănescu

Hoch hinauf geht es im schwindelerregenden Refrain zum coolen Rock-Beitrag aus Rumänien. Kritik gab es im Vorfeld am Titel „Choke Me“ (Deutsch: „Würge mich“). Wobei das bei Căpitănescu irgendwie eher nach „Show Me“ klingt. 

25 Österreich: Cosmó

Dass der österreichische Teilnehmer nach dem Halbfinal-Auftritt in den Wettquoten auf den letzten Platz abgerutscht ist, ist absurd: Die Nummer macht Stimmung, ohne ein verkrampfter Spaßsong (Hallo, England und Griechenland!) zu sein, der Tanz ist doch noch viral gegangen, und Cosmó bringt das alles sympathisch rüber. Ein Platz im guten Mittelfeld wäre hoch verdient. 

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