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© Theresa Pewal

Kiku
10/17/2020

Kindertheater: Du kannst alles sein, vor allem aber sei du selbst!

„Original“: Sehr witzige Tanz-, Theater-, Musik-Performance im Dschungel Wien

von Heinz Wagner

Jasmin träumt davon, eine Heldin zu sein, mit Schild und Schwert einen Drachen zu bekämpfen und einen Prinzen zu befreien. Jede Verletzung, die sie dem Drachen zufügt, erleidet sie aber an ihrem eigenen Körper auch. Da erinnert sie sich an die sprechenden Moos-Wesen und ihre letzten Worte: „Drei Gitarren tönen, um den Drachen zu versöhnen“.

Minutenlang können wir die die szenische und musikalische Umsetzung dieses Traumes – mit Überwindung aller möglichen Hindernisse erleben – in „Original“, dem jüngsten Theater-, Tanz- und Livemusik-Streich der Gruppe „schallundrauch agency“.

Jede und jeder ist ein Original – im Wienerischen über die allgemeine Bedeutung hinaus ein Begriff, der anerkennende Bewunderung für einen irgendwie schrägen, kreativen, außergewöhnlichen Menschen bekundet. Original, nicht Kopie von irgendwem oder irgendwas Anderem. Ein eigener Kopf.

4,5 Millionen Treffer

„Sei du selbst!“ – mehr als 4,5 Millionen Treffer ergibt die Anfrage in der Suchmaschine ecosia (die Bäume für Anfragen pflanzt). Bücher, Seminar, ja sogar Kosmetik-Sites finden sich da. Ein Thema, das boomt. Zugegeben, nicht einmal einen Bruchteil dieser Seiten angeschaut, aber möglicherweise gibt es kaum ein amüsanteres Plädoyer dafür, einzigartig zu sein und dazu zu stehen.

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Drei Originale

Wir erleben in der knapp einstündigen Performance mit vielen Geschichten aus dem Leben der drei Protagonist_innen - Jasmin Steffl, René Friesacher, Cecilia Kukua. Wie in praktisch allen „schallundrauch-agency-Stücken brachten/bringen sie in der Phase der Erarbeitung authentische Episoden aus ihrem Leben ein – also echt Original. Die natürlich im Probenprozess künstlerisch verarbeitet werden.

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Nicht nur Held_in

Und es sind nicht immer Held_innen-Taten wie der eingangs beschriebene Traum. Manch scheinbar Schwäche kann auch zu einer Stärke werden – wenn einer/einem die richtigen Menschen begegnen. So hat Jasmin mit ihrer Zahnlücke Glück, auf eine Lehrerin zu treffen, die ihr sagte, dass sie diese als Außergewöhnlichkeit akzeptieren könne. Fotos mit Zahnlücken seien sogar Trend, angeblich würden sich manche Models eine schleifen lassen.

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Freund_innen

Auf noch heftigere Weise erlebte Cecilia Kukua so eine Situation als sie in eine neue Klasse kam. Außenseiterin, kam sie am Schulhof dem Kreis der Kolleg_innen nahe, ließen diese sie nicht in das Rund. Einfach und doch krass setzt das Trio das auf der Bühne um: Wo immer sich Kukua hinsetzt, ob auf den Boden oder die Podeste, rücken die anderen zwei weg. So pur und doch so – im Publikum sitzend – berührend: „pfau, echt oag!“.

Und dann war da doch die eine, die zu Cecilia kam, um sich mit ihr zu befreunden. Freundschaft bis heute.

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Vielsprachig

„Was ist deine Muttersprache?“, wurde René Friesacher offenbar (mindestens) einmal gefragt. Schwierig. Seine Mutter komme aus Japan, aber in der Sprache könne er nur ein paar Wörter, die er zu singen beginnt – und nach der Übersetzung stellt sich raus: ziemlich unzusammenhängende Brocken. Bei diesem Lied gesellt sich Cecilie Kukua zu ihm. Bei ihr ist’s des Vaters Sprache Fante (eine der bis zu 100 verschiedenen Sprachen Ghanas), von der sie auch nur ein paar Wörter kann.

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Starke Botschaft

„Original“ (Regie: Janina Sollmann) macht aus den einzelnen Episoden und dem Miteinander des Bühnentrios wie schon oben erwähnt eine starke Botschaft an Kinder – aber auch andere Besucher_innen – zu sich, den eigenen Fähigkeiten und auch jenem zu stehen, das andere vielleicht als Schwächen bezeichnen würden. Sei du selbst, kopier niemanden. Mit sehr viel Witz und mitunter Selbstironie spielen die drei szenisch, tänzerisch, erzählend diese Geschichten, immer wieder auch musikalisch wozu sie Gitarre, E-Gitarre, E-Bass, Ukulele und Schlagzeug-Trommel spielen.

Diese Instrumente, ein paar Podeste, eine große Kuscheldecke und ein großes silbrig schimmerndes Stück Stoff an der Bühnendecke, das über weite Strecken vielleicht Rätsel aufgibt, aber – ach, das sei jetzt hier nicht verraten – lassen die Szenerie (Bühne und künstlerische Mitarbeit: Michael Haller) recht pur – frei für die drei Originale.

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Was ist original?

Und trotzdem fällt mir noch das geniale Spiel des Künstlers René Magritte rund um den Begriff von Original ein. Unter sein vielleicht bekanntestes Bild einer Pfeife (zum Rauchen) hat er geschrieben: „Ceci n’est pas une pipe“ (Das ist keine Pfeife). Es ist ja nur das Bild einer solchen. Und die drei spielen ja „nur“ die Erlebnisse nach. Und dann ist das noch das weniger bekannte Bild Magrittes: Selbses Bild und drunter hat er geschrieben: „This is a pipe“ (das ist eine Pfeife). Er hat auch zwei andere gleiche Bilder gemalt unter eines Original und unters andere Kopie geschrieben.

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Du!

Und immerhin spielen Friesacher, Kukua und Steffl jedes Mal ihre Geschichten original nach – was jede Theaterproduktion ausmacht und von Filmen unterscheidet: Immer live, immer auch ein bisschen anders – nicht zuletzt abhängig davon, wie und worauf das jeweilige Publikum reagiert. Und vor allem DIESE Message, dieser Appell: Sei du selbst und so witzig! Also doch „Original“.

Follow@kikuheinz

Original
Theater, Tanz, Livemusik, 50 Min.
schallundrauch agency

Cast & Crew
Performance und Stückentwicklung: René Friesacher, Cecilia Kukua, Jasmin Steffl

Regie: Janina Sollmann
Coaching, künstlerische Mitarbeit: Gabriele Wappel

Regieassistenz und musikalische Leitung: Theresa Seits
Bühne und künstlerische Mitarbeit: Michael Haller

Produktion: Ralf Petersen
Mitarbeit in den Bereichen Workshops und Organisation: Martin Wax, Silvia Auer

Auf dem Video zu sehen und hören: Christine Dalvai spielt das Präludium aus der Suite Nr. 1 in G-Dur von J.S. Bach.

Licht: Christopher Corsmann
Best Boy (= „Mädchen“ für alles): Silvia Auer

Wann & wo?
Bis 20. Oktober 2020 und
1. bis 4. März 2021
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
Dschungelwien.at-> Original

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