Harte Zeite für die Gastronomie.

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Warum immer mehr Lokale in Wien pleite gehen
04/26/2016

Warum immer mehr Lokale in Wien pleite gehen

Vergangenes Jahr meldeten 272 Wiener Restaurants Insolvenz an.

von Anita Kattinger

In den vergangenen Monaten erschütterten zahlreiche Insolvenzen die Wiener Gastronomie. Einhelliger Tenor unter den Gastwirten: Es sind schlechte Zeiten, um mit einem Restaurant Geld zu scheffeln. Bereits vergangenes Jahr berichtete der KURIER über die hohe Anzahl von kompletten Restaurant-Stilllegungen.

Wenn Neueinsteiger mit ihrem Traum vom eigenen Restaurant scheitern, wird die Schuld gerne auf das mangelnde Fachwissen rund um Kalkulation und Management geschoben. Ein Blick auf die Statistik zeigt jedoch die Zahlungsunfähigkeit von sehr bekannten Restaurants: Der Italiener Da Peppino – eine der ersten Pizzerien überhaupt in Österreich–, Himmelpforte – eine Million Gäste in den vergangenen 20 Jahren–,Kornat – eines der besten Fisch-Restaurants in Wien–, und HaubenkochReinhard Gerer– das Wiener Bezirksgericht konnte den Privatkonkurs nicht eröffnen, weil kein Vermögen vorhanden ist.

Mehr Insolvenzen in Wien

Trügt der Eindruck oder sind wirklich mehr Restaurants zahlungsunfähig? Der Faktencheck: Laut demKSV 1870sind die Insolvenzen in der Gastronomie leicht rückläufig. Im Jahr 2014 waren 812 Lokale pleite, vergangenes Jahr 795. Ein Blick auf die Statistik für die Bundeshauptstadt zeigt jedoch einen ganz anderen Trend: Hier gingen vergangenes Jahr 272 Restaurants pleite, 2014 waren es 231.

Im Jahr 2016 geht das Restaurantsterben zwar weiter, dennoch entspannt sich die Lage: Im ersten Quartal waren 184 Lokale zahlungsunfähig, im Vergleichszeitraum 2015 waren es 194. Trotz rückläufiger Prognose sieht die Lage in der Bundeshauptstadt weiter trist aus: 68 Pleiten gegenüber 62 im Vorjahr.

Großinsolvenzen in der Gastro-Branche

HA Schlossverwaltungs GmbH

4694

Ohlsdorf

Unterthalhamstraße

2

5.940.000

Walter Josef Friesacher

5020

Salzburg

Eberhard Fuggerstraße

9

3.787.600

Heinrich Neurauter GmbH

6471

Arzl Pitztal

Wald Kugelgasse

15

3.600.000

Wolfgang Schimanszky

2560

Berndorf

Rosenstraße

18

2.361.000

Sadik Kastrataj

6900

Bregenz

Bahnhofstraße

15

2.100.000

Meraner Catering GmbH

6112

Wattens

Salzburgerstraße

1a

1.600.000

GBV Gastro Betriebs- und Verwaltungs GmbH

8700

Leoben

Glacisgasse

1

1.560.500

Florian Zizlavsky

3100

St. Pölten

Rathausplatz

20

1.500.000

T & N Gastro GmbH

1020

Wien

Prater

71b

1.400.000

PADDY O'BRIENS Irish Pub Gaststättenbetriebsges.m.b.H.

1010

Wien

Fütterergasse

1

1.400.000

TFH Management GmbH

3950

Gmünd

Bahnhofstraße

65

1.229.400

Ertekin Yola

4600

Wels

Grieskirchnerstraße

1

1.177.000

FREYUNG 4 Restaurantbetriebs GmbH

1010

Wien

Freyung

4

1.000.000

A.E.A. Gastronomie Betriebs GmbH

1010

Wien

Laurenzerberg

2

1.000.000

Quelle: KSV 1870

Restaurantsterben in Wien

Gutes Essen und nettes Ambiente reichen für wirtschaftlichen Erfolg nicht aus. Ein Wiener Haubenkoch, dessen Name nicht genannt werden will: "Der Standort wird immer wichtiger: Es überleben nur die Restaurants mit Top-Lage. In der Innenstadt klingelt die Kassa von 8 bis 24 Uhr, aber Restaurants abseits der Trampelpfade oder ohne Schanigarten haben ein Problem." Der Nettoverdienst sei für Gastronomen gesunken, denn trotz Preissteigerungen und Anhebungen der KV-Löhne hätten die Wirte die Kosten an den Gast nicht weitergegeben.

Peter Dobcak, Wiener Gastronomie-Spartenobmann, prophezeite bereits im Jahr 2015 einRestaurantsterben für Wienund sieht sich nun bestätigt. Der Branchenvertreter erhofft sich durch die Neuregelung derSchanigarten-Zeitenzwar eine Verbesserung der Situation, gibt allerdings der Bürokratie und dem Kontrollwahn der Magistrate die Schuld: "Ein Beispiel: Trotz neuer Belüftungsanlage bekommt das Restaurant Goldfisch in der Josefstadt keine Betriebsanlagengenehmigung und die Anrainer müssen nun Geruchsprotokolle darüber anfertigen, zu welcher Stunde ein Fischgeruch feststellbar ist. Vollkommen lächerlich."

Die Gesetzgebung gehe auf Kosten der Unternehmer in die falsche Richtung: "Als Bezirkspolitiker kann ich auch erklären, warum: Der Unternehmer ist ein integraler Bestandteil für die Bezirke, aber im Gegensatz zum Anrainer ist er dort nicht wahlberechtigt."

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