© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
10/12/2020

Wo die Bierpartei vor den Neos liegt und niemand die Grünen wählte

Pensionisten verweigerten in einigen Sprengeln FPÖ und Grüne ihre Stimme. Der KURIER hat die skurrilsten Ergebnisse der Wahl zusammengetragen.

von Katharina Zach

Die Gewinner und Verlierer der Gemeinderatswahl sind soweit klar. Die SPÖ liegt mit derzeit 43,07 Prozent der Stimmen auf Platz 1 und wird weiter den Bürgermeister stellen. Die FPÖ verbucht einen historischen Verlust und stürzte um 21,89 Prozent auf 8,90 ab.

Doch abseits der Gemeindeergebnisse gibt es in den Bezirken und den einzelnen Wahlsprengeln teils überraschende und skurrile Ergebnisse - wenngleich noch die Auszählung der Wahlkarten fehlt. Der KURIER hat sich das vorläufige Ergebnis angesehen.

Letzte blaue Bastion in Ottakring

In Ottakring gibt es einen Wahlsprengel, auf den die FPÖ bisher immer zählen könnte. Auch diesmal. Es ist der Einzige Sprengel Wiens, in dem die FPÖ die meisten Stimmen bekommen hat.

Die Nummer 44. Eigentlich nur ein ein einziger Wohnblock zwischen Koppstraße, Possingergasse, Herbststraße und Zagorskigasse, in den 1930er Jahren für Polizisten errichtet. Noch heute leben viele Beamten da. 468 Menschen waren wahlberechtigt, 169 gaben am Sonntag ihre Stimme ab. Noch einmal 162 wählten mit Wahlkarte (ihre Stimmen sind daher noch nicht erfasst). Und 29,09 Prozent gaben ihre Stimme der FPÖ, gefolgt von 23,03 Prozent für die SPÖ.

Was auf den ersten Blick als Erfolg erscheint, ist trotzdem eine blaue Blamage, denn im Jahr 2015 kam die FPÖ im Sprengel noch auf 65,48 Prozent.

Und noch etwas: Dem gefallenen Ex-FPÖ-Chef und nunmehrigen Team HC Strache-Chef Heinz-Christian Strache hielten die Wähler nicht die Treue. Er kam nur auf 5,45 Prozent - und liegt dabei nicht nur hinter den Neos sondern auch der Bierpartei von Marco Pogo.

Der erreichte in der Polizeisiedlung nämlich 7,27 Prozent. Für den Punkrock-Musiker einigermaßen überraschend, wie er selbst sagt. Immerhin sei sein Verhältnis zur Exekutive gespalten. "Aber auch Polizisten mögen Bier, ist doch schön", kommentiert er. 

Keine einzige Stimme für FPÖ 

Übrigens: Während sich in Ottakring die letzte Bastion der FPÖ hält, gibt es einen Sprengel in Döbling, in dem die FPÖ keine einzige Stimme erhielt. Nämlich im Sprengel 18. Wer nachsieht bemerkt, dass es sich bei diesem um das Haus Döbling des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser handelt. Wenig überraschend räumte dort die SPÖ 61,70 Prozent der Stimmen ab. Und sogar Strache kam auf 6,38 Prozent.

Noch besser schnitt die SPÖ übrigens in den Sprengeln 83 in Favoriten und 71 in Floridsdorf ab. In letzterem erreichten die Roten gleich 72,46 Prozent, wahlberechtigt waren 281 Personen. Nur elf Wahlkarten wurden ausgestellt.

In dem Sprengel im 10. Bezirk - es handelt sich um den Hermine-Fiala-Hof - konnten die Roten 72,11 Prozent der Stimmen für sich verzeichnen. An zweiter Stelle kommt bei den 858 Wahlberechtigten übrigens die Partei Soziales Österreich der Zukunft (SÖZ) mit 11,57 Prozent der Stimmen. Eines der besten Ergebnisse für die oft als Migrantenpartei bezeichnete Bewegung.

Apropos SÖZ: Im Favoritner Sprengel 87 überholten sie mit 6,27 Prozent die Grünen und landeten auf Platz 3. Im Bezirk selbst konnten sie die Neos mit 4,35 Prozent überholen und ergatterten so Platz 6 (hinter dem Team HC Strache mit 5,54 Prozent).

Flopp für FPÖ in Favoriten 

Für die FPÖ entpuppte sich Favoriten übrigens als absolute Enttäuschung. Abgesehen von Floridsdorf wurden die Blauen in keinem Bezirk mehr abgestraft. Sie verloren gemäß der bisher ausgezählten Stimmen (ohne Briefwähler) 28,48 Prozent (in Floridsdorf waren es 28,87 Prozent) und landeten bei 10,87 Prozent.

Ausgerechnet in Favoriten. Dabei hatte es 2015 noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPÖ gegeben. Und im Wahlkampf hatte die FPÖ versucht, die Ausschreitungen im Juni zu instrumentalisieren, der Wahlkampfabschluss fand am Viktor-Adler-Markt statt.

Einige Pensionisten werden nicht mit den Grünen warm

Doch zurück zu den Sprengeln. Die Grünen könnten in gleich vier Sprengeln keine Stimme für sich gewinnen. Etwa im Sprengel 20 in Margareten und dem Sprengel 14 im 6. Bezirk, wobei zu beiden Sprengel Wiener Pensionistenwohnhäuser gehören. Im Sprengel 47 in der Leopoldstadt, zu dem das Kolpinghaus des Bezirks gehört sowie im bereits bekannten Sprengel 71 in Floridsdorf wählte ebenfalls niemand die Grünen.

Heimspiel hingegen in Neubau: Im Sprengel 26 erzielten sie mit satten 39,02 Prozent eines der besten Ergebnisse.

Keine Stimme weniger für die ÖVP

In Döbling wiederum erreichte die ÖVP in einem Sprengel schwindelerregende Höhen. Im Sprengel 9, in dem sich die Tourismusschule Modul, die Bibliothek der Boku und ein privates Pensionistenwohnheim befinden, wählten 64,49 Prozent der Menschen die Türkisen. Generell hat die ÖVP heuer im Bezirk ordentlich zulegten: Um 9,57 Prozent auf 27,57 Prozent. Damit belegt sie nach der SPÖ Platz 2.

Interessanter Fakt am Rande: Die Türkisen verloren bei der Gemeinderatswahl laut dem derzeitigen Stand in keinem Bezirk eine Stimme. (Die FPÖ konnten hingegen keine einzige dazugewinnen.)

Die Neos wiederum durften in Währing im Sprengel 30 jubeln, dort erreichten sie 24 Prozent und belegten den 2. Platz. Wie die Wiener Bezirkszeitung online berichtet gibt es neun Sprengel in denen sie keine Stimme erhielten: Die liegen in den Bezirken Favoriten, Simmering, Meidling, Hietzing und Donaustadt.

 

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