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Chronik Wien
06/01/2021

Wiens FPÖ-Chef könnte gegen Kickl in den Ring steigen

Die blauen Landeschefs zeigten sich vom Rücktritt überrascht. Über den Zeitpunkt und „die Art und Weise“ ist man unglücklich.

von Christoph Schwarz, Christian Willim, Elisabeth Holzer, Michael Pekovics, Josef Gebhard

Völlig überrumpelt hat Norbert Hofer mit seinem Rücktritt die Parteikollegen in den Bundesländern. So etwa in Wien, wo manche Funktionäre erst durch den KURIER-Anruf erfuhren, dass ihr Bundesparteichef gerade das Handtuch geworfen hat.

Glücklich ist man mit der Entwicklung jedenfalls nicht, zählte die FPÖ Wien doch zu den deklarieren Hofer-Unterstützern. „Der Zeitpunkt war sicher nicht optimal, aber es ist, wie es ist“, formuliert es ein Funktionär.

Alles blickt jetzt auf Parteichef Dominik Nepp. Er hatte erst kürzlich betont, dass er es sich vorstellen könne, die Blauen als Spitzenkandidat in die nächste Wahl zu führen. Damit positioniert er sich klar als Gegenspieler von Klubchef Herbert Kickl.

Das ist mehr als nur Taktik: Viele seiner Wiener Parteikollegen sehen in Nepp tatsächlich einen geeigneten Kandidaten für die Parteispitze. Schließlich sei es ihm gelungen, die Landesgruppe nach dem Ibiza- und Spesenskandal zu stabilisieren, heißt es. Zudem werden ihm gute Beziehungen zu den anderen Landesparteien nachgesagt. Nepp selbst gab sich am Dienstag bedeckt. Er dankte Hofer für seinen „großartigen Einsatz“.

Zu den mächtigsten Unterstützern Hofers zählte auch Manfred Haimbuchner, FPÖ-Chef und stv. Landeshauptmann in Oberösterreich. Er forderte zuletzt in Interviews immer wieder Loyalität gegenüber Hofer ein und legte sich mit Kickl an. Für Haimbuchner kommt der Rücktritt besonders ungelegen. Am 26. September ist Landtagswahl in Oberösterreich. Der interne Wirbel hilft nicht dabei, blaue Wähler zu mobilisieren. Haimbuchner fand lobende Worte: Hofer habe die FPÖ „dorthin gestellt, wo sie hingehört – rechts der Mitte, mit einer bürgerlichen Ausrichtung und sowohl regierungs- als auch koalitionsfähig“.

„Ist zu akzeptieren“

Tirols FPÖ-Obmann Markus Abwerzger erfuhr im Urlaub durch eine KURIER-Anfrage vom Rücktritt Hofers: „Das wusste wirklich niemand.“ „Norbert Hofer ist Dank auszusprechen, dass er die Partei nach Ibiza stabilisiert und aus dem Tal der Tränen geholt hat“, sagt Abwerzger. Der Rücktritt sei zu akzeptieren. „Aber ich hätte mir eine andere Art und Weise gewünscht.“ Dass Hofer Nationalratspräsident bleiben will, ist für Abwerzger kein Problem: Er mache das „hervorragend“.

Die Schuld an Hofers Rücktritt sieht Abwerzger offiziell nicht bei Klubobmann Kickl: „Ich habe das nicht als offenen Machtkampf empfunden.“ Kickl sei einer, „der auf konkrete Fragen konkrete Antworten gibt.“

Auch in der Steiermark zollt man Hofer Respekt: Er habe „die freiheitliche Bewegung mit sicherer Hand wieder konsolidiert. Seine heutige Entscheidung ist zu respektieren“, sagt Landesparteichef Mario Kunasek. Die FPÖ werde in den kommenden Bundesparteigremien alle notwendigen Weichenstellungen treffen. Wer nachfolgen solle, dazu wollte Kunasek nichts sagen.

Signale pro Kickl

Offene Worte findet hingegen Burgenlands FPÖ-Chef Alexander Petschnig: Er sieht die Gründe für Hofers Rücktritt im schwelenden Streit um die Parteilinie. Hofer sei bekannt für seinen verbindlichen Umgang, aktuell sei aber „kantigere Oppositionspolitik“ nötig. „Hofer hat die Partei nach Ibiza bei 10 Prozent übernommen, stabilisiert und gemeinsam mit Klubobmann Herbert Kickl auf 20 Prozent geführt“, sagt Petschnig im KURIER-Gespräch. Dafür sei ihm zu danken, jetzt gehe es aber darum, die Partei neu aufzustellen.

Petschnig sendet hier klare Signale: „Herbert Kickl hat bewiesen, dass er auch härtere Seiten aufziehen kann. Das ist offensichtlich die Linie, die uns in dieser Phase vorwärtsbringt.“ Hofer sei angesichts seiner Tätigkeit als überparteilicher Nationalratspräsident nicht in der Lage, diesen „schweren Spagat“ zu schaffen.

 

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