Chronik | Wien
04.09.2018

Wiener Grüne: Hebein kandidiert für Vassilakou-Nachfolge

Wiener Gemeinderätin: „Ich sehe eine größere Chance mit meiner Kandidatur, Menschen für die grüne Idee zu begeistern.“

 

Peter Kraus und David Ellensohn bekommen weibliche Konkurrenz: Birgit Hebein bewirbt sich um den ersten grünen Listenplatz für die kommende Gemeinderatswahl (für 2020 angesetzt, Anm.). Das gab sie am Dienstagvormittag bekannt.

„Ich habe mich selbst ausgesucht und bin nicht ausgesucht worden“, sagt Hebein nach nach ihrer Motivation befragt. „Ich sehe eine größere Chance mit meiner Kandidatur, Menschen für die grüne Idee zu begeistern.“

Sie habe bei den Wiener Grünen Menschen kennengelernt, die begeistert für eine Idee kämpfen, „wo man das Gefühl gehabt hat, dass das Reden mit dem Tun übereinstimmt,“ erklärt Hebein. "Diese Begeisterung würde ich in einer nicht so leichten Situation der Grünen gerne wieder auslösen."

Hebein tritt mit Team an

Hebein kündigte an, gemeinsam mit einem Team antreten zu wollen, in den letzten Tagen hätten sich viele Unterstützer gemeldet. Persönlich anwesend war am Dienstag etwa der ehemalige grüne Klubobmann Albert Steinhauser. Er war zwischenzeitlich selbst als Vassilakou-Nachfolger gehandelt worden.

Ihr Zugang sei es immer gewesen, für und mit den Menschen zu arbeiten, die Politik brauchen und unmittelbar von Gesetzen betroffen sind, betonte Hebein. „Es gibt Millionäre und Konzerne, die Politik nicht brauchen, sondern nutzen.“ Von dieser Art zu arbeiten, wolle sie nun grünintern überzeugen.

Der dritte wesentliche Punkt sei die Klimakrise, gleich gleichzeitig eine soziale Krise sei. „Diesen Zusammenhang zwischen Sozialem und Ökologie möchte ich verstärkt in den Mittelpunkt stellen“, verrät die Gemeinderätin.

Angesprochen auf ihr Verhältnis zur SPÖ sagt sie: „Ich kann mit dem Herrn Bürgermeister. Wir haben eine bestehende Koalition, ich vertraue auf die Handschlagqualität der SPÖ. Ich bin aber davon überzeugt, dass es notwendig ist, sich als Grüne klarer zu positionieren, das halte ich für wichtig.“

Dreikampf

Nachdem Maria Vassilakou am Sonntag angekündigt hatte, sich aus der ersten Reihe zurück zu ziehen und auch Bundesrätin Ewa Dziedzic nicht kandidieren wollte, hatte sich zunächst ein Rennen zwischen Gemeinderat Peter Kraus und Klubchef David Ellensohn abgezeichnet.

Wie berichtet, hatte der Mangel an weiblichen Anwärterinnen auf die Spitzenkandidatur unter anderem bei der grünen Frauenorganisation für Unmut gesorgt. Über das Wochenende war daher intensiv nach Bewerberinnen für den Job gesucht worden. Melden können sich Interessente noch bis heute, Mitternacht. Die offizielle Kandidatenliste wird am Mittwoch präsentiert (mehr dazu hier). 

„Ich schätze David Ellensohn genauso wie Peter Kraus“, sagte Hebein. „Wir brauchen beide in unserer grünen Partei.“ Sie kandidiere nicht gegen die beiden, sondern „für die Grünen“, beuert Hebein. Die Ellensohn und Kraus begrüßten die neue Kandidatin bereits im Wettkampf. „Herzlich Willkommen bei der Spitzenwahl. Demokratie lebt davon, dass viele mitmachen“ twitterte Kraus.

„Wir haben bisher gut im Team gearbeitet. Das werden wir auch weiterhin schaffen. Wenn die Linken sich überall verdoppeln bin ich guter Dinge“, ließ Ellensohn via Facebook wissen.

Damit spricht der Klubchef eine Gemeinsamkeit an, die das Rennen um die Spitze sowohl für ihn als auch Hebein schwieriger machen wird. Beide werden dem linken Parteiflügel zugerechnet und kommen aus der Antifa-Bewegung. Beide sind über 50 Jahre alt, beide haben ihre politische Karriere bei den Grünen in Rudolfsheim-Fünfhaus gestartet. Dass sie in ähnlichen Gewässern fischen, könnte dem Realo Peter Kraus zu Gute kommen. 

Gerüchte um Blaha

Die rote Ex-ÖH-Chefin Barbara Blaha, der Ambitionen auf den ersten Listenplatz nachgesagt werden, wollte derartige Gerüchte am Dienstag nicht kommentieren. "Sie beteiligt sich nicht an Spekulationen", sagte ein Sprecher auf KURIER-Nachfrage. Nachsatz: "Diese Gerüchte gibt es schon länger."

Diplomierte Sozialarbeiterin

Hebein zog 2010 in den Wiener Gemeinderat ein und ist dort Sozialsprecherin. Zuvor war die diplomierte Sozialarbeiterin sieben Jahre lang im Bezirksparlament von Rudolfsheim-Fünfhaus tätig. Die 51-Jährige wurde in Villach geboren und ist Mutter von zwei Kindern.