Chronik | Wien
04.09.2018

Wiener Grüne: Da wollen die Vassilakou-Erben hin

David Ellensohn und Peter Kraus rittern um die Spitzenkandidatur. Wer die beiden sind und welche Pläne sie haben.

Maria Vassilakou ist nicht im Rennen um die grüne Nummer eins. Soviel steht seit Sonntag fest, als die Wiener Vizebürgermeisterin verlautbarte, sich zurückzuziehen. Fix an den Start gehen David Ellensohn und Peter Kraus - wobei sich bis Bewerbungsschluss um Mitternacht noch Kandidaten melden können (mehr dazu hier). Der KURIER erklärt, wofür die Kontrahenten stehen und was das für die rot-grüne Koalition heißt.  

 

David Ellensohn

Ellensohn: Die ewige Nummer zwei schert aus

Politische Erfahrung
Sein erstes Amt übernahm David Ellensohn 1996 als Bezirksrat in Rudolfsheim-Fünfhaus. Von dort wechselte er 2001 in den Gemeinderat. Aus den Flügelkämpfen der 2000er-Jahre ging er als nicht amtsführender Stadtrat hervor, seit 2010 ist er Klubobmann und Sprecher für Bildung sowie Kontrolle.

Haltung zur SPÖ
„Ich verheimliche nicht, dass die Grünen selbstsicherer auftreten müssen in der Koalition.“  Aus dieser Ansage lässt  sich schließen, dass  es für die SPÖ mit Ellensohn an der Spitze wohl ungemütlicher wird. In der laufenden U-Kommission zum Krankenhaus Nord fährt der 55-Jährige einen kantigeren Kurs gegen die SPÖ als so mancher Oppositionsvertreter. Bürgermeister Michael Ludwig markierte bereits verbal die Grenze: „Was nicht geht, ist Oppositionspolitik in der Regierung.“

Haltung zu Vassilakou
Ellensohn wird dem linken Parteilager zugerechnet – und wehrt sich auch nicht dagegen. Der langjährigen  Nummer zwei hinter Vassilakou wird schon länger nachgesagt, am Sessel der Front-Frau zu sägen – nach außen blieb er aber loyal  (siehe nächster Punkt).

Heumarkt-Turm
Als Klubchef votierte Ellensohn nicht nur für die umstrittene Hochhaus-Widmung, sondern beschaffte  auch die restlichen grünen Stimmen. „Niemand würde heute das Projekt so machen“, sagt er nun. 

Lobautunnel, Citymaut
Ellensohn hat sich wiederholt gegen den Lobautunnel ausgesprochen und zivilgesellschaftliche Maßnahmen dagegen in den Raum gestellt.  An einen Baum hat er sich bisher nicht gekettet. Den Vorschlag einer Citymaut würde nicht nur Vassilakou, sondern  alle Wiener Grünen ernst meinen, sagt er.  

Mindestsicherung
Eine Kürzung der erhöhten Mindestsicherung für Kinder ist für Ellensohn eine rote Linie, ebenso generelle Kürzungen.  

Mobilisierung
Ellensohn gab seine Kandidatur klassisch auf einer Pressekonferenz bekannt. Die eigene Online-Präsenz hält er – zumindest bisher –  aus dem Wahlkampf

Kraus: Vassilakou-Protegé auf Profilsuche

Politische Erfahrung
 Peter Kraus startete seine grüne Karriere 2010 im Brigittenauer Bezirksparlament. Fünf Jahre später zog er in den Gemeinderat ein. Dort ist er Sprecher für Wirtschaft, Jugend und lesbisch-schwule Anliegen.

Haltung zur SPÖ
Vorsichtige Kritik an der SPÖ äußerte Kraus zuletzt, indem er sich unglücklich über das generelle Essverbot in U-Bahnen zeigte. Nach heftigen Konflikten klingen seine Aussagen zur grünen Haltung gegenüber der SPÖ bisher nicht. „In Zukunft brauchen wir eine mutigere Vision, wofür progressive, grüne Politik steht“, sagte er unlängst im KURIER.

Haltung zu Vassilakou
Der 31-Jährige gilt als politischer Ziehsohn Vassilakous – beide werden zum Realo-Flügel gezählt, der sich durch Kompromissbereitschaft auszeichnet. Vassilakous Vertrauen erarbeitete sich Kraus  als  ihr stv. Büroleiter – als der er etwa den Umbau der Mariahilfer Straße mitbetreute.  

Heumarkt-Turm
Kraus gehört zu jenen Gemeinderäten, die 2017 für die Hochhaus-Widmung stimmten. Im SchauTV-Gespräch bezeichnet er das Vorhaben nun als „schlecht gemanagt“. Kraus: „Eine Urabstimmung zu einem Zeitpunkt anzusetzen, wo das Projekt schon in trockenen Tüchern ist, kann nicht gut gehen.“

Lobautunnel, Citymaut
Anstatt in einen Autobahntunnel sollten die fälligen Milliarden an Steuergeld besser  in Bildung investiert werden, sagt Kraus. Sollte er Planungsstadtrat werden, wolle er eine Citymaut für Wien als Ultima Ratio vorantreiben.

Mindestsicherung
„Sozialleistungen nach unten zu schrauben, wird es mit mir sicher nicht geben“, ließ Kraus kürzlich wissen.

Mobilisierung
Ein online abrufbares Buch, eine neue Website, ein Hochglanz-Video auf Facebook und ein Newsletter an Unterstützer: Kraus zieht im Rahmen seiner Bewerbung alle digitalen Register. Diese Form der Kommunikation wolle er auch fortsetzen, betont er.