Chronik | Wien
23.08.2018

Wiener Grüne: Auch Ellensohn will Vassilakous Job

Parteiinterne Konflikte will Ellensohn vermeiden. Die Kandidatur von Maria Vassilakou ist noch offen.

Die Wiener Grünen können erleichtert sein: Seit Donnerstag ist fix, dass die Kür ihres nächsten Spitzenkandidaten tatsächlich in  Form einer halb-öffentlichen Wahl  stattfindet. Um eine solche abhalten zu können, braucht es nämlich mindestens zwei Interessenten.  Und die gibt es nun: Nach Gemeinderat Peter Kraus bewirbt sich Klubchef David Ellensohn für den Posten – und stellt sogleich der bisherigen Frontfrau Maria Vassilakou die Rute ins Fenster.

„Wer einen Wahlkampf führt, sollte auch die Nummer-eins-Funktion haben. Sonst kommt jeder durcheinander“, sagt Ellensohn.  Das heißt:  Sollte er das neue Auswahlverfahren  gewinnen,  will Ellensohn Stadtrat und Vizebürgermeister werden – anstelle von Vassilakou. „Das gilt nicht nur für mich“, betont Ellensohn. Will Vassilakou bis zum Ende der Legislaturperiode 2020 im Amt bleiben, müsste sie aus Sicht des 55-Jährigen also in den Wettkampf einsteigen.

Dafür hat sie noch bis 4. September Zeit. Bis dahin läuft die Bewerbungsfrist. Danach finden mit jenen  Interessenten, die genug Unterstützungserklärungen sammeln, Hearings statt. Die Wahl selbst erfolgt brieflich im November, mitstimmen dürfen neben Parteimitgliedern grün-affine Wiener, die sich online registrieren. 324 Personen haben das bisher getan.

 

Ob Vassilakou antritt, ist nach wie vor offen.  „Sie wird ihre Entscheidung zu gegebener Zeit bekannt geben“, teilt ein Sprecher mit. Dass Ellensohn auf ihre Funktion schielt, kommentiere sie nicht. Gegenkandidat und Vassilakou-Intimus Peter Kraus kündigte dagegen an, die Besetzung des Amts gemeinsam mit seinen Parteikollegen entscheiden zu wollen – der KURIER berichtete.

Grüne Flügelkämpfe

Kraus wird wie die Vizebürgermeisterin zum Realo-Lager der Partei gezählt. Ellensohn  dagegen gilt als Vertreter des linken Flügels.  Und aus  diesem trudelte bereits eine erste Unterstützungsbekundung ein: Gemeinderat Martin Margulies bezeichnete Ellensohn per Nachrichtendienst Twitter als „wirklich guten Kandidaten“.

Ellensohn wird schon länger nachgesagt, am Sessel Vassilakous zu sägen. Aus den grünen Flügelkämpfen in den 2000er-Jahren ging Vassilakou 2004 als  Klubobfrau und Spitzenkandidatin hervor.  Ellensohn wurde dagegen nicht amtsführender Stadtrat. Seither blieb er die Nummer zwei hinter Vassilakou, ab 2010  in der Funktion des Klubobmanns. 

Nichtsdestotrotz verhielt er sich – zumindest nach außen – loyal und sicherte die grünen Stimmen für das umstrittene Heumarkt-Hochhaus. Dass der Disput der Partei geschadet hat, verhehlte er am Donnerstag nicht. „Niemand würde heute das Projekt so machen“, vermutete er.

Kante gegenüber SPÖ

Seine Kandidatur begründet der Politiker so: "Weil ich glaube, dass ich es am besten kann". Inhalte will er noch nicht verraten. "Bis 4. September wissen wir, welche Kandidaten es gibt, dann werden auch Konzepte vorgestellt". Und angesprochen auf die rot-grüne Koalition in Wien sagte Ellensohn: "Die Grünen müssen selbstbewusster auftreten". Generell zeigte er sich mit der bisherigen gemeinsamen Regierungsarbeit mit der SPÖ weitgehend zufrieden, wobei er etwa auf die Mariahilfer Straße oder die 365-Euro-Jahreskarte verwies.

Über den Konkurrenten Kraus sagt Ellensohn: „Ich kenne Peter lange und arbeite gut mit ihm zusammen.“ Wahrscheinlich ist, dass die beiden Gesellschaft bekommen. Bundesrätin Ewa Dziedzic hat für Freitag eine Erklärung angekündigt