© Nina Oezelt

Wien-Wahl
10/12/2020

Das Gerangel um die Grätzel: Welche Parteien um welche Bezirke rittern

Noch sind die Bezirke nicht fertig ausgezählt, doch schon jetzt zeichnet sich ab, was sich künftig ändern wird

von Julia Schrenk

Das Spannendste an einer Wien-Wahl sind die Bezirksergebnisse. Dort geht es ans Eingemachte, dort spielen sich die Polit-Dramen ab. Über allem steht die Frage: Welcher Bezirk wechselt die Farbe?

Alle Ergebnisse der 23 Bezirksvertretungswahlen vom Sonntag lagen zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor, aber einige Bezirke wurden dennoch schon ausgezählt.

In der Donaustadt kann das sogar noch bis Mittwoch dauern – 40.000 Wahlkarten müssen ausgezählt werden. Doppelt so viele wie 2015. Doch schon die Hochrechnung (inklusive Wahlkartenprognose) zeigt: Es bleibt nicht, wie es war.

Doch wo verlaufen die politischen Konfliktlinien – und zwischen welchen Parteien?

Rot-Grünes Match ums Kipferl

Ein Kipferl hätte es werden sollen für die Grünen. Sie hätten gerne – neben dem grünen Neubau – die Innenstadt-Bezirke 6, 8 und 9 von Rot auf Grün gedreht. Und wenn das wo hätte funktionieren können, dann dort. In Mariahilf versuchten die Grünen SPÖ-Bezirksvorsteher Markus Rumelhart mit (mehr oder weniger durchführbaren) Projekten – etwa der Begegnungszone Gumpendorfer Straße – den Rang abzulaufen.

Doch Rumelhart konnte – laut Prognose – sogar um 3,6 Prozentpunkte zulegen, während die Grünen 1,6 Prozentpunkte verloren. Auch am Alsergrund wird Saya Ahmad (SPÖ) bleiben können, obwohl die Grünen dort zulegten (+3,3). Und die Leopoldstadt müssen die Grünen für die nächsten fünf Jahre ganz aufgeben. Uschi Lichtenegger wurde abgewählt – in einem Bezirk, der nur so strotzt vor grünem Wählerpotenzial.

Türkis-Grün und die Bobos

212 Stimmen machten 2015 in Währing den Unterschied. Sie verhalfen der grünen Silvia Nossek damals dazu, den Bezirk  nach 69 Jahren von Schwarz auf Grün zu drehen.

Entschieden ist heuer noch nichts, aber das Ergebnis ist – laut Hochrechnung – eindeutig. Die Grünen erreichen  35,2 Prozent (ein Plus von  7,1 Prozentpunkten), die ÖVP 28 Prozent. Überraschend deutlich, war es doch dezidiertes Ziel der ÖVP, Währing „zu holen“.

Um grün-affine, bürgerliche Wähler matchte man sich auch in der Josefstadt. Dort hat ÖVP-Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert ihr Amt nach zehn Jahren verloren.

Erstaunlich, weil Mickel mit dezidiert grüner Politik auftrat – und im Wahlkampf auf alles Türkise verzichtete. Und pikant, weil Mickel den Bezirk 2010 überhaupt erst von den Grünen geholt hatte.

Rot statt Blau in der Fläche

2015  durfte die FPÖ  erstmals einen Bezirksvorsteher stellen – in Simmering. Seit Montag ist Paul Stadler Geschichte und Simmering wieder rot.

Nicht nur dort fanden die Roten – nach den Matches mit den Blauen in den Flächenbezirken 2015 – zu gewohnter Stärke zurück: Plus 4,3 Prozentpunkte in der Donaustadt (minus 26,3 für die FPÖ), plus 7 Prozentpunkte in Floridsdorf, plus 7,9 in Favoriten.

Das wird den Stimmen der Bezirkschefs auch parteiintern mehr  Gewicht geben.

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