La Paz in Bolivien hat ein gut ausgebautes urbanes Seilbahnnetz.

© Getty Images/DC_Colombia/IStockphoto.com

Chronik Österreich
11/18/2020

Urbane Seilbahnen: Warum es in Österreich daran scheitert

In Wien taucht die Idee einer Stadtseilbahn immer wieder auf. In Linz wartet man noch immer auf eine Antwort. Was in anderen Ländern bereits üblich ist, scheitert in Österreich.

von Petra Stacher, Elisabeth Holzer, Nikolaus Tuschar, Christian Willim

In Lateinamerika sind sie bereits gang und gäbe: urbane Seilbahnen, die Stadtteile miteinander verbinden und als tägliches Transportmittel dienen. Auch in Wien kehrt die Idee einer Stadtseilbahn immer wieder. Nun hat die neue rot-pinke Stadtregierung diese Absicht in ihrem Koalitionspakt festgeschrieben.

Ob sie mit diesem Vorhaben beim Bund auf Anklang stößt, darf jedoch bezweifelt werden. Linz wartet etwa noch immer auf die Antwort: „Es ist Stillstand seitens des Ministeriums. Es gibt keine Gespräche mit den Vertretern der Stadt über dieses Thema“, berichtet Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) im KURIER-Gespräch über den aktuellen Stand des Projekts.

Geplant wäre eine Seilbahn, die von Ebelsberg bis zum Pleschinger See reicht. Besonders der erste Abschnitt liegt der Stadt am Herzen, würde diese doch die Arbeiter zur Voestalpine transportieren können und damit den Verkehr am Boden entlasten. Etwa neun Minuten würde die Fahrzeit dafür betragen.

Insgesamt wären 167 Gondeln vorgesehen, von denen jede Platz für 35 Personen bietet. 5.500 Personen pro Stunde könnten so laut Machbarkeitsstudie mit den Gondeln unterwegs sein. Diese liege laut Luger dem Ministerium schon seit März vor.

Nötige Finanzspritze

Hoffnung machte sich Luger vor allem aufgrund des aktuellen Regierungsprogramms von ÖVP und Grünen. In diesem wird explizit erwähnt, Seilbahnen als urbane Transportmittel fördern zu wollen (siehe Infobox). Dies scheinen vorerst aber nur leere Worte zu sein: „Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) ist von dieser Art der Organisation des öffentlichen Verkehrs allem Anschein nach nicht angetan“, sagt Luger.

Verkehr- und Infrastruktur
„Luftfahrt, Schifffahrt und auch Seilbahnwirtschaft sind im Zusammenhang mit den Bereichen Verkehr und Infrastruktur nicht zu vernachlässigen – auch hier werden ökologische, ökonomische und soziale Ziele verfolgt“, heißt es im Programm der  Bundesregierung

Klimaschonend
Weiters: „Technische Innovationen, insbesondere betreffend Ökoeffizienzsteigerung und Nutzung von Seilbahnen als Verkehrsmittel werden begrüßt.“

Und: „Anreize für Innovation in der Seilbahnwirtschaft, vor allem im urbanen Raum (Stadtseilbahn)“

Ein herber Rückschlag, denn um die die etwa 283 Millionen Euro teure Seilbahn zu verwirklichen, benötige man eine Finanzspritze. Ist Wien darauf auch angewiesen, wird es der Bundeshauptstadt wohl ähnlich ergehen: „Ich gehe davon aus, dass alle Betreiber gleich behandelt werden. Wenn dem so ist, wird es in Wien nicht anders sein“, vermutet Luger.

Somit gleichen sich alle urbanen Seilbahnprojekte, die in Österreich geschmiedet wurden, vorerst in einem: Keines ist bis dato umgesetzt.

In Innsbruck erreichte man heuer immerhin einen Teilerfolg: So wurde mit dem von Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) Anfang Juni eingebrachten Regierungsantrag nun zumindest eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben – das Thema: „Seilbahnen als öffentliches Verkehrsmittel im Zentralraum Innsbruck“. Finanziert wird die Studie von Land und Stadt.

Gondeln entlang der Mur

In Graz wurden hingegen zwei Lieblingsprojekte des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP) abgesagt: Die Gondel entlang der Mur vom Bezirk Andritz im Norden bis in den Bezirk Puntigam in den Süden und die Gondelbahn auf den Plabutsch, den Hausberg der Grazer im Westen der Stadt – beide heftig umstritten.

Während die Murgondel auch zur Verkehrsentlastung dienen sollte, hätte mit jener auf den Berg ein touristisches Ziel erschlossen werden sollen. Doch Nagl gab beide Projekte auf: Einerseits, weil die sichtbaren Stützen der Gondel entlang des Flusses nicht ganz ins Konzept einer Weltkulturerbe-Stadt passen würden. Andererseits, weil durch die Corona-Krise kein Geld mehr für die Plabutsch-Gondel da ist.

Dabei waren die Pläne durchaus weit: So gab es Berechnungen, wonach ein Seilbahn-Kilometer entlang der Mur 15 bis 20 Millionen Euro kosten würden, ein Straßenbahn-Kilometer jedoch 20 bis 25 Millionen Euro. Die Kapazitäten wären bis zu 3.000 Personen pro Stunde gleich.

Seit Jahren wird auch in Kärnten immer wieder die Idee einer Seilbahn über den Wörthersee verkündet – jedoch nur zu touristischen Zwecken. Der Drahtseilakt scheiterte allerdings immer an der Finanzierung und am Willen der Bevölkerung. Wurde vor der Krise noch da und dort über das Projekt geredet, dürfte Corona der Seilbahn über den See nun endgültig das Licht ausgeknipst haben.

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