Im bolivianischen La Paz sind Seilbahnen ein Verkehrsmittel

© Doppelmayr/Bernd Schumacher

Tirol
12/13/2018

In Tirol sind Seilbahnen am Sprung zu städtischen Verkehrsmitteln

Landesrätin Felipe lässt prüfen, ob Seilbahnen als Verkehrsmittel für urbane Räume in Tirol Sinn machen

In keinem anderen Bundesland ist die Dichte an Liftanlagen so hoch wie in Tirol. 955 sind offiziell in Betrieb. Im Winter transportieren sie die Skifahrer in die Berge, im Sommer Wanderer und Ausflügler. Doch ausgerechnet im Land der Seilbahnen spielt dieses Transportmittel für den klassischen Personenverkehr de facto keine Rolle. Und damit hinkt Tirol etwa Ländern in Südamerika nach, wo urbane Verkehrssystem inzwischen im großen Stil über Stützen und Rollen laufen, hinterher.

Das könnte sich in naher Zukunft ändern, wenn es nach Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) geht. „Seilbahnen müssen nicht immer auf unerschlossene Berge gebaut werden“, sagt sie in Anspielung auf die zuletzt wieder hochgekochten Debatten um Ausbaugrenzen für Skigebiete. „Man kann sie auch als öffentliches Verkehrsmittel andenken. Wir haben das jetzt in Angriff genommen“, berichtet Felipe.

Sie hat den Verkehrsverbund Tirol (VVT) beauftragt, in diese Richtung zu planen. Eine erstes Treffen mit Verkehrsexperten, Vertretern von Gemeinden, Beamten und Seilbahnherstellern hat es bereits gegeben. „Wir haben uns informiert, was es schon alles gibt“, berichtet Felipe.

Im Fokus der Überlegungen steht der urbane Raum in der Tiroler Inntalfurche. „Wir haben in Tirol natürlich einige Hangsiedlungen, wo das interessant wäre“, erklärt die Landesrätin. Hier klaffen in mehreren großen Gemeinden Lücken zwischen Zentren und Bahnhöfen als wichtigen Knotenpunkten für den öffentlichen Verkehr.

Mögliche Pilotregionen

Das gilt etwa für Telfs im Westen von Innsbruck. Der Bahnhof von Tirols mit mehr als 15.000 Einwohnern drittgrößten Gemeinde liegt fast 20 Minuten Fußmarsch vom Ort selbst entfernt. In der Bezirkshauptstadt Imst im Tiroler Oberland (über 10.000 Einwohnern) ist der Bahnhof noch weiter ab vom Schuss. Auch eine Anbindung vom Innsbrucker Westbahnhof in das westliche Mittelgebirge ist denkbar.

„Die Zeit ist reif, über solche Dinge nachzudenken. Es geht um die Frage: Können Seilbahnen zu einem guten Mobilitätsmix beitragen? Es kann auch das Gegenteil herauskommen“, sagt Felipe.

Die Landesrätin möchte offen über Seilbahnprojekte diskutieren lassen und denkt auch einen Ideenfindungsprozess an. Eines ist für sie aber schon jetzt klar: „Ein Riesenthema ist die Akzeptanz. Das ist überall dort, wo Siedlungsgebiet betroffen ist, auch bei anderen Verkehrsmitteln ein Thema.“

Geht es durch Gewerbegebiet oder unverbaute Räume, sind solche Projekte weniger problematisch. Sobald Gondeln über Dächer oder gar auf Höhe von Wohnzimmerfenstern schweben könnten, wird die urbane Seilbahn schnell zum Reizthema.

Das zeigt sich etwa im deutschen Wuppertal, wo ein Projekt in der Pipeline ist, das auf 2,8 Kilometer Länge durch die Stadt führen soll. Seit fest steht, dass die Trasse auch durch Wohngebiet verläuft, proben Bürger den Aufstand.

Bürger reden mit

Dieter Reiter, SPD-Bürgermeister von München, will es besser machen und die Bürger einbinden. Dem Stadtchef schwebt eine Seilbahn am Frankfurter Ring vor. Werden die forsch vorangetriebenen Pläne umgesetzt, könnten ab 2023 Passagiere in luftiger Höh’ über dem Stau auf der notorisch überlasteten Straße schweben.

Die 4,5 Kilometer lange Trasse soll mehrere U-Bahn-Stationen verbinden. Ilse Aigner (CDU), nunmehr bayerische Landtagspräsidentin, hat als Verkehrsministerin Förderungen für Planung und Bau der Bahn zugesagt. Über Seilbahnen informiert hat sie sich vorher übrigens bei einer Fahrt mit der Innsbrucker Patscherkofelbahn. Die ist allerdings eine klassische Ski- und Ausflugsbahn.

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