Ein Beispiel für die Gondel-Pläne nahm sich Linz an der deutschen Stadt Koblenz. Dort bewährt sich die Stadtseilbahn über den Rhein bereits seit 2010.

© Doppelmayr

Chronik Österreich
08/11/2020

Die unbeliebte Linzer Seilbahn

Linz möchte mit einer Stadtseilbahn den Verkehr im Süden entlasten. Das Ministerium ist jedoch zurückhaltend.

von Petra Stacher

30.000 Personen könnten auf einer Länge von 10,1 Kilometer von Ebelsberg bis zum Pleschinger See in Linz täglich in die Arbeit und wieder zurück pendeln – und zwar nicht am Boden, sondern in einer Höhe von bis zu 100 Metern.

Die Linzer Stadtregierung träumt schon länger von einer Stadtseilbahn, um den Straßenverkehr im Süden der Stadt zu entlasten. Nun scheint der Traum – der ohnehin oft als Illusion abgetan wurde – in weite Ferne zu rücken: Denn das Infrastrukturministerium unter der grünen Ministerin Leonore Gewessler gibt den Ball vorerst an das Land weiter.

Etwa 283 Millionen Euro würde das Projekt kosten. 20 Prozent hätte Linz selbst bezahlt, 30 Prozent hätte die Stadt vom Land gewollt und 50 Prozent vom Bund. "So wäre das für alle leistbar gewesen. Wenn der Bund nicht mitzahlt, ist es nicht finanzierbar", sagt Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) im KURIER-Gespräch.

Unrealistisch wäre die vom Bund gewünschte Finanzspritze nicht, habe doch die schwarz-blaue Vorgängerregierung mit dem damaligen Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) im Zuge der Verkehrsmilliarde eine 50-prozentige Unterstützung für solche Projekte in Aussicht gestellt. Man sei davon ausgegangen, dass mit einer grünen Ministerin die Stadtseilbahn nun Realität werden könnte.

Regierungsprogramm

Im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm heißt es auch wortwörtlich: "Nutzung von Seilbahnen als Verkehrsmittel werden begrüßt" – vor allem in urbanen Räumen. Die Linzer Stadtregierung fühlt sich deswegen unfair behandelt. Denn immerhin hätten sie gute Vorarbeit geleistet: Eine Machbarkeitsstudie wurde durchgeführt.

"Die grobe Planungsphase ist abgeschlossen", sagte Vizebürgermeister und Verkehrsreferent Markus Hein (FPÖ) bereits Anfang Jänner. Insgesamt 167 Gondeln sollten auf der Strecke unterwegs sein. Jede davon bietet Platz für 35 Personen und ist mit Klimaanlage und WLAN ausgestattet. Neun Minuten würde etwa die Fahrzeit des ersten Streckenabschnitts – Ebelsberg bis Voestalpine (Karte oben) – betragen.

"Wir haben bereits im Februar versucht, einen Termin bei der Frau Ministerin zu bekommen. Nach zwei Monaten Ignoranz sagte sie einem Treffen auf Beamtenebene zu. Die Ministerin selbst fand es anscheinend nicht interessant", sagte Luger. Nun sei ihnen mitgeteilt worden, dass das Projekt in die gesamte Verkehrsplanung des oberösterreichischen Zentralraums eingeordnet und zuerst mit dem Land OÖ abgesprochen werden müsse.

"Henne-Ei-Problem"

Auf KURIER-Anfrage beim Infrastrukturministerium heißt es dazu: "Das ist ein normales Prozedere. Wir können keine Einzelprojekte prüfen. Wichtig ist uns die Gesamtwirkung und Einbettung des Projekts."

Das schmeckt der Linzer Stadtregierung aus zweierlei Hinsicht nicht: Erstens sei es unlogisch, die Seilbahn in andere Neuprojekte, wie der S6 und S7, die den Norden der Stadt entlasten sollen, einzubetten, da es keine Anknüpfungspunkte gäbe. Zweitens sei mit dem Land OÖ wiederum vereinbart, sich zuvor mit dem Bund abzustimmen.

"Unsere Priorität ist derzeit die Erweiterung des S-Bahn-Netzes ins nördliche Mühlviertel (S6 und S7). Innerstädtische Projekte, wie die Seilbahn sind nicht beim Land angelagert. Wir hatten mit dem Projekt noch nie Berührungspunkte", heißt es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ).

"Ich fühle mich im Kreis geschickt", sagt Luger. Auch Hein sieht ein "Henne-Ei-Problem". Beide wittern aber auch noch etwas anderes: Eine Bestrafung durch Infrastrukturministerin Gewessler. "Wir haben das geplante 1-2-3-Ticket aufgrund der damit entstehenden Kosten kritisiert. Wir werden den Eindruck nicht los, dass wir nun abgestraft werden", sagt Luger. Dabei bringe Linz als stärkste Industriestadt die größte Steuerleistung.

Die Forderung des Bundes wird dennoch teilweise umgesetzt: "Wir werden eine ohnehin geplante Gesamtwirkungsprüfung machen, aber mit den für den Süden relevanten S-Bahnen 1 und 3", sagt Hein. Die Stadt hält also an der Seilbahn fest – denn: Eine kostengünstigere Alternative für den Süden gäbe es nicht.

Wiener Projekt

Ruhig geworden ist es hingegen um ein Seilbahn-Projekt auf den Wiener Kahlenberg, das seit fast einem Jahrzehnt immer wieder auftaucht. "Talstation" wäre der Bahnhof Heiligenstadt. Nach einem kurzen Abstecher über die Donau nach Jedlesee und Strebersdorf würde die knapp 20-minütige Fahrt auf den Wiener Hausberg führen.

Die privaten Betreiber veranschlagten 40 bis 45 Millionen Euro an Baukosten und rechneten mit etwa 600.000 Fahrgästen pro Jahr. Gegen das Projekt regten sich jedoch massive Anrainer-Beschwerden.

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