Der Fahrradhändler

© Dominik Schreiber

Chronik Österreich
02/18/2020

Stadt Wien hat wieder Ärger mit einem Copa-Beach-Pächter

Mitten auf Ulli Simas Prestigeobjekt rebelliert ein Fahrradhändler. Gegen den Ex-Generalpächter Norbert W. wird indes Anklage erhoben.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Saftige grüne Wiesen, Sandstrände, Türme mit Sporthändlern – so wurde 2018 der neue Copa Beach präsentiert. Für die Neugestaltung der ehemaligen Copa Cagrana nimmt die Stadt viel Geld in die Hand – drei Millionen Euro für einen Restaurantbau, zehn bis vierzehn Millionen für den Umbau und mehr als eine Million Euro für den Rechtsstreit mit dem ehemaligen Generalpächter Norbert W. Am Ende wird man nicht allzu weit entfernt sein von den Kosten der Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße (25 Millionen Euro).

Doch die Realität schaut derzeit noch nicht so rosig aus wie einst beschrieben. Vor allem Beton statt grüne Wiesen beherrschen derzeit das Bild der Copa, unken die Anrainer. Auch Finanziers für die Türme wurden bisher noch immer nicht gefunden.

Außerdem sorgt nun eine jahrzehntealte Wellblechhütte für Ärger. Dort ist ein Radverleih untergebracht – mit einem kleinen, angeschlossenen Hühnerstall. Dessen Geschäftsführer Manfred Walter macht vorerst keine Anstalten, die Hütte zu räumen. Im März will er wieder aufsperren.

Gebaut wird rundherum

Das Problem dabei: Der gesamte Umbau läuft, allerdings nur um den Fahrradverleih herum. Das Bild erinnert an chinesische Autobahnen, die wegen eines einzigen Hauses im Weg nicht fertig werden. Selbst „Mister Copa“ Martin Jank vom Wiener Gewässer Management ist sich nicht mehr sicher, ob es bis Saisonbeginn eine Lösung in der festgefahrenen Causa gibt.

Kurz zusammengefasst geht es darum: Die Stadt will den Schandfleck entfernen und eine moderne Copa haben. Verleiher Walter wiederum hat aus Urzeiten einen unbefristeten Vertrag. Die Stadt hat nun ein Ersatzquartier errichtet, will aber – nach den Erfahrungen mit Ex-Generalpächter Norbert W. – nur einen befristeten Vertrag anbieten. Walter wiederum pocht auf seinen Vertrag.

Beide Seiten geben sich gegenüber dem KURIER prinzipiell kompromissbereit. Der Radverleiher sieht den Neubau durchaus „als Verbesserung“. Walter meint allerdings auch: „Schauen wir einmal, was wir ausverhandeln. Wenn alle Stricke reißen, bleibt es am Ende eben so wie es ist.“

Jank hofft hingegen noch auf ein Gespräch, das demnächst stattfinden soll. Bisher ist man sich in dem strittigen Punkt aber offenbar noch nicht näher gekommen.

Anklage gegen Pächter

Indes muss sich der frühere Generalpächter W. am 11. März am Landesgericht Wien verantworten. Es liegt gegen ihn eine rechtswirksame Anklage wegen des Verdachts der Abgabenhinterziehung (1,7 Millionen Euro) vor. W. drohen vier Jahre Haft.

W. bestreitet alle Vorwürfe: „Die Anklage ist falsch. Es gibt keinen gültigen Bescheid eines Finanzamtes, und ohne Bescheid kann es auch keine Hinterziehung geben. Das wird eine kurze Verhandlung werden“, sagt W. zum KURIER. „Wir haben, seit wir mit der Stadt streiten, ein Vielfaches ausgegeben als wir eingenommen haben. Wir kommt man da zu einer Hinterziehung."

Und weiter: „Laut einem EuGH-Urteil darf bei schwimmenden Anlagen keine Umsatzsteuer verrechnet werden. Deshalb gibt es einige Wiederaufnahme-Klagen, und wir sind guter Hoffnung, dass wir die Copa Cagrana wieder zurückbekommen.“

 

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