© Roland Pittner

Chronik Österreich
11/08/2021

So läuft 2-G in der Praxis: "Verunsicherung ist schon sehr groß"

Mit Beginn dieser Woche gelten in Österreich neue Regeln. Aber wie werden diese in der Praxis umgesetzt?

von Michael Pekovics, Roland Pittner, Stefan Jedlicka, Wolfgang Atzenhofer, Petra Stacher

Sonntagabend wurde die Novelle zur neuen Verordnung präsentiert, Montagfrüh trat sie bereits in Kraft. Konkret heißt das: Wer weder geimpft noch genesen ist, wird von praktisch allen öffentlichen Vergnügungen ausgeschlossen.

2-G, also geimpft oder genesen, gilt für Lokale ebenso wie für den Besuch von Theatern, Kinos, Konzerten, Sportveranstaltungen oder körpernahen Dienstleistungen wie zum Beispiel Frisöre.

Beim ersten KURIER-Lokalaugenschein am frühen Morgen im Oberwarter Stadtcafé waren die Verschärfungen bereits zu spüren. "Die Stammgäste sind zu über 90 Prozent geimpft, da gibt es keine Probleme", sagt Gastwirt Gustav Gamauf. Bei der Frequenz der Laufkundschaft bemerke er aber bereits einen Rückgang, "vermutlich wegen der Auflagen".

Dennoch sind einige Tische besetzt. Die Kunden lesen Zeitungen und trinken Kaffee, die Registrierungen werden ebenso sorgfältig ausgefüllt wie die Impfnachweise hergezeigt. "Wir haben wie immer alles vorbereitet und unsere Gäste sind sehr diszipliniert", sagt Gamauf. Problematisch seien vor allem die sich ständig ändernden Regeln: "Da ist die Verunsicherung teilweise schon sehr groß."

"Ich war überrascht"

Ähnliche Gefühle hat Marion Hauser, Fitness Coach bei Myway in Wiener Neustadt. "Ich finde es gut, dass etwas gemacht wird. Aber ich war überrascht von der 2-G-Regel und hätte eher mit Maskenpflicht und PCR-Tests gerechnet."

Ihre Kunden seien zu 90 Prozent geimpft. "Das unterscheidet uns vermutlich von anderen Studios", sagt die Fitnesstrainerin, die immer eine FFP2-Maske trägt, um "meine Kunden zu schützen". Dennoch rechnet sie mit finanziellen Einbußen durch die neuen Maßnahmen.

"Hunderten Kunden wollen Verträge stilllegen oder kündigen"

Christian Hörl, Betreiber der myvita-Gruppe und Branchensprecher, berichtete von Hunderten Kunden, die ihre Verträge stilllegen oder kündigen möchten. Seit heute stehen Ungeimpfte bei Fitnessstudios vor verschlossenen Türen. Die Zutrittskontrollen erfolgen meist automatisiert, nur die Sonderregel, dass Frischgeimpfte nach dem Erststich vier Wochen lang mit einem PCR-Test hinein dürfen, muss händisch kontrolliert werden, so Hörl.

Hörl rechnet damit, dass die meisten Fitnesscenter zwischen 30 und 45 Prozent ihres Umsatzes verlieren werden. Da die Coronahilfen erst bei einem Umsatzentgang von 50 Prozent greifen, brauche es seitens der Regierung dringend eine wirtschaftliche Lösung.

Lokalaugenschein in Amstetten

Im geschäftigen Treiben in der Innenstadt von Amstetten gibt es am Montagvormittag mehr Menschen als sonst, die auch am Gehsteig Masken tragen. Vor dem Eingang des Traditonsgasthauses Goldener Pflug in der Rathausstraße verkündet eine Tafel, dass die Wirtefamilie zu ihrem eigenen Schutz ihr Gasthaus bis auf weiteres geschlossen hat.

Geöffnet hat dagegen der Brauhof am Amstettener Hauptplatz. Wirtin Sarah Holzer hat den Gasthof erst Anfang Oktober neu übernommen. „Anders als befürchtet, haben wir bislang keine Absagen von Mittagsreservierungen. Im Gegenteil, das Telefon klingelt ständig. Da können wir nur hoffen, dass das so bleibt“, sagt sie. Schon in den vergangenen Tagen waren 90 Prozent ihrer Gasthauskunden geimpft, berichtet die junge Wirtin.

Ebenfalls am Hauptplatz hat das Frisörgeschäft „Haikiller“ auch am Montag die Pforten geöffnet. „Wir haben bislang keine Absagen von Terminen“, sagt Sonja Kuran. Ob das in den nächsten Tagen so bleibt, kann sie nicht sagen.

In der zehnköpfigen Kollegenschaft ist man jedenfalls auf den Betrieb unter 2-G vorbereitet. „Neun von zehn  sind vollwertig geimpft, eine Mitarbeiterin ist einmal geimpft und testet, wie vorgeschrieben“, sagt Kuran.

Der Bundesinnungsmeister der Friseurinnen und Friseure in Österreich, Wolfgang Eder, schilderte am Montag im Gespräch mit der APA, dass viele Kundinnen und Kunden vergangenen Samstag noch versucht hätten, kurzfristig einen Termin zu bekommen, bevor die 2G-Regel in Kraft tritt. Viele Friseurstudios hätten deshalb am Samstag Überstunden gemacht.

Kein Frisör bis Weihnachten für Ungeimpfte?

In Eders Betrieb gab es für diese und die kommenden Wochen bereits zahlreiche Absagen. Bei einem Drittel Ungeimpften gebe es auch entsprechend viele ungeimpfte Kundinnen und Kunden. Eine Kundin habe sich am Samstag schnell noch Farbe für zuhause geholt, erzählte Eder. Auch bei ihm seien am Samstag viele Haare geschnitten worden. „Wir haben gemacht, was wir konnten“, so Eder.

Der Bundesinnungsmeister geht davon aus, dass Ungeimpfte bis Weihnachten keinen Friseur besuchen werden dürfen, auch wenn Eder auf eine kürzere Dauer der 2G-Regel hofft. Seiner Branche wäre eine 2,5G-Regel und zusätzlich eine Maskenpflicht lieber gewesen. Da die Friseurbetriebe noch immer rund ein Fünftel weniger Umsatz als vor der Krise machen, brauche es eine Entschädigung für den Umsatzentgang. Problematisch sei auch, dass sich seit den Lockdowns viele daheim die Haare schneiden.

Das sieht auch Alexander Geisbauer, Geschäftsführer des Friseursalons Haircutters in Linz, so. Er rechnet mit bis zu 40 Prozent weniger Umsatz aufgrund der 2-G-Regel bei körpernahen Dienstleistern. Beim KURIER-Lokalaugenschein sind seine Frisörstühle weitgehend leer.

„Wir haben am Samstag noch drei Stunden länger gearbeitet um alles unterzubringen, die ab heute nicht mehr kommen können. Wir bekommen laufend Absagen“, schildert Geisbauer. Auch die Veranstaltungen, die abgesagt werden, würden seinem Geschäft schaden. „Natürlich müssen wir die Pandemie unter Kontrolle bringen. Es wurden viel zu spät Maßnahmen gesetzt und jetzt wird es wieder auf dem Rücken der Unternehmer ausgelassen.“ Er fordert deshalb eine dementsprechende Entschädigung.

Oberösterreich: Viel los auf den Straßen

Auch auf den Straßen von Linz herrschte am Montagvormittag reges Treiben. Es hatte nicht den Anschein, als würde jemand aufgrund der 2-G-Regel nicht ins Kaffeehaus gehen. Denn wie sich bei einem KURIER-Lokalaugenschein zeigte, sind diese zumindest entlang der Linzer Landstraße durchgehend gut frequentiert.

Wie zum Beispiel auch das Lokal "Ecco" von Sofian Manai. Sein Gastgarten ist voll, trotz kalter Temperaturen und trotz 2-G-Regelung.

„Die Kontrollen laufen ganz gut und einfach. Wir haben seit 8 Uhr offen, jetzt ist es Mittag und wir hatten noch keine Beschwerden“, sagt Manai. Seine Stammgäste seien zu 99 Prozent geimpft, das sei ein großer Vorteil.

Ähnlich gut läuft es ein paar hundert Meter weiter im Kaffeehaus "Glockenspiel". „Es funktioniert auch immer besser, dass die Gäste gleich beim Eingang ihren 2-G-Nachweis vorzeigen“, erzählt einer der Kellner dem KURIER.

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