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Chronik Österreich
06/05/2020

Politik verteilt Gutscheine: Kurbeln sie wirklich die Wirtschaft an?

Die einen spendieren sie für den Besuch beim Wirten, die anderen für den Hotelaufenthalt. Wie sinnvoll das ist, hat sich der KURIER angesehen.

von Julia Schrenk, Michael Pekovics, Kevin Kada, Nikolaus Tuschar

Ein bisschen fühlt man sich an Jörg Haider erinnert. Und daran, wie er in den Nuller-Jahren 100-Euro-Scheine unter die Leute brachte. Jetzt, Jahre später und mitten in der Krise, stehen in Österreich derartige Verteilaktionen bei Politikern wieder hoch im Kurs. Verteilt wird allerdings nicht Bares. Sondern Gutscheine.

Angefangen hat es in Wien. Während des Lockdowns hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) Taxigutscheine an Pensionisten verteilt. Weil sie zur Risikogruppe gehören, sollten sie nicht mit unnötig vielen Menschen Kontakt haben, argumentierte er. Und zog sich damit gleich den Ärger seiner politischen Gegner zu. Die Bundesregierung warf ihm vor, die Risikogruppe absichtlich vor die Türe zu locken.

Doch der Bürgermeister weiß: Wenn er seine Kontrahenten verärgert, kann er mit einer Maßnahme so falsch nicht liegen. Und so überraschte er wenig später mit dem Gastro-Gutschein. Jeder Haushalt erhält einen Gutschein in der Höhe von 25 Euro oder 50 Euro (je nach Haushaltsgröße). Mittlerweile ist auch er zum Politikum geworden, weil auch der grüne Koalitionspartner Geld verteilen will. Deshalb wird derzeit um einen Wiener Reparatur-Gutschein gefeilscht.

Als die Wiener Aktionen in den Medien Widerhall fanden, wollten auch andere Städte nicht hintanstehen. In Klagenfurt wurde ein City-Gutschein-System eingeführt, um Handelsbetrieben aus der Krise zu helfen. Wer seine Rechnung auf der Homepage der Stadt einreicht, der bekommt bis zu 20 Prozent der Summe rückerstattet.

In Niederösterreich sprießen die Gutscheine geradezu aus dem Boden. Hier organisiert von einer Bank, dort von einer Partei. In St. Pölten wurde der St. Pöltner Stadt-Zwanziger für den Einkauf bei Händlern ins Leben gerufen. Zum Politikum wurde er, weil sich Bürgermeister Matthias Stadler auf dem Gutschein prominent abbilden ließ. Samt großem SPÖ-Logo. In der Stadt wird nächstes Jahr gewählt.

Im Burgenland hat Landeschef Hans-Peter Doskozil (SPÖ) das Burgenland-Bonusticket eingeführt. Bucht ein Burgenländer drei Tage Hotelaufenthalt in der Heimat, zahlt das Land 75 Euro dazu. Oberwart und Eisenstadt verlosen sogar Gutscheine – unter anderem für den Handel und Winzerbesuche: In Eisenstadt nahmen am Gewinnspiel für die ersten 20 von insgesamt 2.500 Gutscheinen 650 Personen teil.

Ein Anreiz

Sind solche Maßnahmen reiner Populismus? Oder können sie tatsächlich die Wirtschaft ankurbeln? „Natürlich kann man das politisch nützen, um großzügig das Füllhorn auszuschütten“, sagt Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO).

Aber: „Unter Experten sind derartige Maßnahmen nicht total verpönt.“ Ein Gutschein könne durchaus ein Anreiz sein, zu konsumieren. Vor allem jetzt, wo die Ausgangsbeschränkungen zwar gelockert wurden, aber bei vielen noch Verunsicherung herrscht. „Nun ist die Zeit, in der man das Vertrauen der Konsumenten wieder gewinnen muss“, sagt Fritz.

Jetzt, wo das Gerangel um den Konsumenten aus dem Inland besonders groß ist – von der Gastronomie bis hin zum Handel –, kann ein Gutschein „direkt stimulierend“ für die Wirtschaft sein.

Wenn er gut gemacht ist. Entscheidend dafür, ob ein Gutschein tatsächlich etwas bringt, sind sein Wert und die Frage, wie unbürokratisch man an ihn kommt. 20 Euro Einkaufsgutschein oder 50 Euro für das Wirtshaus sind also ganz gut gewählt. „Mit 20 Euro Hotelgutschein braucht man nicht anfangen“, sagt Fritz.

Reicht es also, wenn der burgenländische Landeschef 75 Euro spendiert, sobald man drei Nächte Hotelaufenthalt bucht? Eher nicht. „Das ist relativ wenig“, sagt der Experte.

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