Chronik Österreich
10/16/2020

ÖBB-Rahmenplan: Wer von 17,5 Milliarden Euro besonders profitiert

Das Ausbauprogramm für die Jahre 2021 bis 2026 liegt vor. Der KURIER erklärt die Details.

von Kevin Kada, Michael Pekovics

Im Ministerrat wurde am Mittwoch das größte Bahn-Ausbaupaket beschlossen, das es jemals in Österreich gegeben hat. Ganze 17,5 Milliarden Euro ist der neue ÖBB-Rahmenplan für die Jahre 2021 bis 2026 schwer.

„Mehr als 17 Milliarden Euro für Bahnprojekte im ganzen Land sind eine Ansage im Kampf gegen die Klimakrise“, meint dazu Klimaschutz- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne).

Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf der Ost-Region.

So kommt nun eine lang bekannte Forderung, vor allem aus Niederösterreich, zur Planung: Der Ausbau der Wiener S-Bahn-Stammstrecke. Alleine 628,9 Millionen Euro werden für die Qualitätssicherung sowie die Planung der Bahnsteigverlängerungen in die Hand genommen.

Künftig sollen die Wiener Bahnsteige von 160 auf 220 Meter verlängert werden. Folglich wären längere Züge und damit zusätzliche Kapazität, vor allem im Pendlerverkehr, möglich. Zudem fällt diesem Budgetposten auch die Intervallverdichtung zu. Künftig sollen auf der S-Bahn-Strecke Intervalle von bis zu 2,5 Minuten möglich sein. Dadurch werde die Zahl der möglichen Züge pro Stunde pro Richtung von 20 auf 26 erhöht, so das Verkehrsministerium.

Niederösterreich

Geplant wird auch der Ausbau der Südbahn im Bereich zwischen Wien Meidling und Mödling. Konkret soll es hier zu einem viergleisigen Ausbau kommen. Zusätzlich sollen die Bahnsteige auf der Südbahn ebenso verlängert werden wie in Wien, um den Nah- und Pendlerverkehr aus Wien ausgehend auch nach Niederösterreich bringen zu können. Das bringt einen weiteren Budgetposten auf den Plan, der als einer der umstrittensten der letzten Jahr in der Ostregion gilt: Die Nordwestbahn.

Die Strecke zwischen Wien Floridsdorf und Retz im Weinviertel soll ebenfalls verlängerte Bahnsteige bekommen. Das interessantere Projekt versteckt sich im Rahmenplan aber unter dem Punkt „Netzerfordernisse“, wie der Grüne Landtagsabgeordnete Georg Ecker erklärt: „Wie ich aus dem Ministerium erfahren habe, wird in diesem Punkt die Planung eines selektiven zweigleisigen Ausbaus der Nordwestbahn als auch der Laaer Ostbahn berücksichtigt.“ Auf KURIER-Anfrage bestätigt das Ministerium, dass in diesem Punkt die Kosten für die Planung berücksichtigt sind.

Ein wichtiger Schritt für die Region, denn bereits seit Jahren gibt es hier die Forderung nach einem zweigleisigen Ausbau. „Die Versäumnisse der vergangenen Jahre können wir nicht wiedergutmachen. Aber es ist ein wichtiger Schritt, dass die Planung des Ausbaus nun erstmalig im Rahmenplan vertreten ist. Denn aus der Erfahrung weiß man, dass geplante Projekte auch umgesetzt werden“, meint Ecker.

Durchaus zufrieden ist auch der NÖ Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko mit den beschlossenen Investitionen. „Wir haben uns in den Jahren seit der letzten Aktualisierung dieses Plans für viele Projekte starkgemacht. Heute sehen wir: Dieser Einsatz hat sich gelohnt. Der Rahmenplan ist eine positive Weichenstellung für Niederösterreich“, so Schleritzko.

So wird in Niederösterreich nicht nur an der Südbahn gebaut und an der Nordwest- und Laaer Ostbahn geplant. Unter anderem soll auch die Franz-Josefs-Bahn zwischen Absdorf-Hippersdorf und Sigmundsherberg selektiv zweigleisig ausgebaut werden. Auch hier sind die Planungskosten für das Projekt mit 81,4 Millionen Euro inkludiert. Hinzu kommt der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Tulln und dem Bahnhof Tullnerfeld sowie der Vollausbau des Marchegger Astes zwischen Wien Stadlau bis zur Staatsgrenze bei Marchegg.

Geplant wird außerdem eine Verbindungsstrecke zwischen dem Flughafen Wien und Bruck/Leitha. Bei den veranschlagten 188,6 Millionen wurden unter anderem auch schon die Kosten für das UVP- sowie Genehmigungsverfahren miteinberechnet.

Burgenland

Die Anzahl der neuen Projekte im Burgenland ist überschaubar. Zum Beispiel soll die Bahnstrecke von Parndorf nach Kittsee zur Staatsgrenze zweispurig ausgebaut werden. 27,7 Millionen Euro sind dafür bis 2026 veranschlagt. Außerdem soll die Strecke Wr. Neustadt– Loipersbach-Schattendorf attraktiviert und in weiterer Folge auch vollständig elektrifiziert werden.

Zusätzlich gibt es weitere Projekte, die bereits seit Jahren in der Pipeline stehen. Wie zum Beispiel die Schleife Müllendorf mit dem geplanten Baustart 2022. Gegen dieses Bauvorhaben gibt es aber immer wieder regionale Proteste, vor allem in Wulkaprodersdorf. Zuletzt wurde aus dem Ministerium immer auf „gute Gespräche mit dem Land“ verwiesen.

Im Landessüden hingegen wird die geplante Elektrifizierung der Bahnstrecke Jennersdorf–Graz freudig erwartet. Dadurch würde sich die Fahrtzeit von 1:20 Stunden auf rund 60 Minuten verkürzen und Jennersdorf damit „zum Grazer Speckgürtel“ zählen, wie  Bürgermeister Reinhard Deutsch hofft. Laut ÖBB sollen die Planungen 2023 und die Bauphase dann 2027 beendet sein. 

Westösterreich

Von den Ausbauplänen profitieren aber auch die westlichen Bundesländer. So soll im Ballungsraum Linz die Weststrecke ausgebaut werden, um dadurch eine höhere Taktdichte zu ermöglichen. Rund um Salzburg, Innsbruck und im Kärntner Zentralraum werden Bahnhöfe und Strecken modernisiert und attraktiviert. Die steirische Landeshauptstadt Graz ist unter anderem vom Ausbau der Koralmbahn, der Südbahn sowie der steirischen Ostbahn betroffen. 

Insgesamt eine Milliarde Euro steckt der Bund zudem, gemeinsam mit den Bundesländern, in den Ausbau der Regionalbahnen. Auch die Elektrifizierung von Bahnstrecken  ist ein Thema. Bis 2030 sollen weitere 500 Bahnkilometer elektrisch betrieben sein. Auch den diversen Bahn-Unfällen der vergangenen Jahren wird nun Rechnung getragen. Etwa 914 Millionen Euro fließen bis 2026 in Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.

Laufende Kosten

17,5 Milliarden Euro schwer ist der neue ÖBB-Rahmenplan für 2021 bis 2026. Dort ebenfalls miteinberechnet sind die Kosten für Instandhaltung, Inspektionen und Wartungsmaßnahmen. 2021 kostet das  600 Millionen Euro. 2026, am Ende des Rahmenplans, liegen die Kosten dafür bei rund 679 Millionen Euro

Zugnetz

In Österreich betreibt die ÖBB 9.785 Gleiskilometer. Laut ÖBB transportieren sie jährlich 477 Millionen Fahrgäste in den Zügen und Bussen. Es gibt in Österreich 1.061 Bahnhöfe und Haltestellen, 6.431 Brücken und 250 Tunnel. Zudem beschäftigen die ÖBB im gesamten Konzern 41.904 Mitarbeiter

Klimaneutralität

Bis 2035 setzt sich das Klimaministerium als Ziel, dass der Bahnverkehr am Netz der ÖBB komplett -neutral ist. Aktuell werden 90 Prozent elektrisch gefahren

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