© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Österreich
11/16/2020

Einkaufen vor dem Lockdown: "Für einen Montag ist die Hölle los“

Ab Dienstag beginnt in Österreich der zweite Lockdown, damit sperrt auch der Handel wieder zu. Der KURIER hat sich in den Bundesländern umgesehen, wie viel in den Geschäften los ist.

von Markus Strohmayer, Birgit Seiser, Michael Pekovics, Matthias Nagl, Konstantin Auer, Teresa Sturm

Anstehen hieß es bereits am Samstag in vielen Geschäftsstraßen und Einkaufszentren des Landes, nicht einmal 24 Stunden vor dem zweiten harten Lockdown hat sich die Lage nicht gerade entspannt. Waren es vor dem ersten Lockdown noch Klopapierrollen, die Massen angezogen haben, sind diesmal vor allem Schnäppchenjäger unterwegs, die von den vielen Aktionen profitieren wollen.

So herrscht in der Wiener Mariahilfer Straße für einen Montagvormittag bereits reges Treiben. Schlangen vor Geschäften gibt es in der Früh nur vereinzelt, gegen Mittag hin werden es aber immer mehr. Es sind vor allem Schuhe, Telefonverträge und Kaffee, die die Menschen am Tag vor dem Lockdown anstehen lassen. Nur wenige wollen mit der Zeitung sprechen, die meisten scheinen sich ein wenig zu schämen.

Auf der Straße sieht man Menschen, die Bildschirme von den Büros ins Homeoffice schleppen, viele haben auch schon Geschenkspapierrollen aus den Rucksäcken stehen. Sie scheinen wohl nicht zu glauben, dass der Lockdown schon am 6. Dezember endet.

Viele wollen sich vor dem Lockdown aber offensichtlich auch neu einkleiden. Die Schlange vor dem Outlet-Geschäft TK Maxx ist gegen 12 Uhr bereits mehr als 50 Meter lang. Einige Kunden in der Schlange erzählen, dass sie eben noch ein paar Erledigungen machen wollen, bevor die Geschäfte zusperren. Online wolle man manche Sachen eben nicht einkaufen.

Die Schlange sehen viele nicht problematisch - sie sei ja im Freien, es würde Abstand gehalten und Masken getragen. Im Geschäftsinneren soll es laut Kunden außerdem sehr geregelt zugehen. Laut KURIER-Reporter Konstantin Auer füllen sich die Shops in der Einkaufsstraße nun allgemein immer mehr.

Vergleichsweise wenig los ist bei Romana Gharibo, sie betreibt eine kleine Boutique in der Passage bei der Mariahilfer Straße. Sie versteht nicht, dass sie zusperren muss. "Bei mir kommen ja nicht viele Leute gleichzeitig, es ist ja meine Verantwortung zu sagen, dass jemand draußen warten muss", sagt sie.

Als alleinerziehende Mutter von zwei Kinder trifft sie der Lockdown hart: "Da lebt man dann schon vom Sparbuch." Beim letzten Mal hätten die finanziellen Hilfen vom Staat gut funktioniert. "Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, den Umsatz gleicht das nicht aus", sagt Gharibo. Dass sich in der Nähe ihres Geschäfts hunderte vor einem billigen Modegeschäft anstellen, versteht sie einerseits: "Die wollen halt noch den letzten Tag nutzen". Andererseits sei das "echt nichts Lebensnotwendiges".

Polizei in der SCS: "War nur Routinekontrolle"

Für Weihnachtseinkäufe sind auch schon viele Menschen in die SCS im Süden Wiens gekommen. Bereits kurz nach der Öffnung um neun Uhr war der riesige Parkplatz recht voll. Auch wenn sich die vielen Menschen in dem weitläufigen Einkaufszentrum verteilen und sich so keiner Sorgen wegen Sicherheitsabständen machen muss, berichten die Verkäuferinnen und Verkäufer, dass für einen Montagvormittag viel los sei.

Wie schon beim ersten Lockdown drängen die Shopper vor allem zu Ikea. Viele wollen die Zeit im Homeoffice wohl nutzen, um die eigenen vier Wände aufzuschmücken. Meldungen, dass die Polizei dort den Einlass regeln müsse, stellten sich übrigens als Fake heraus. Zwar war eine Streife vor Ort, dabei habe es sich aber um einen Routineeinsatz gehandelt.

Gut besucht, sind Montagmittag auch die Möbelhäuser im Umkreis, der ganz große Andrang blieb vorerst aber aus. Mit einem gewöhnlichen Einkaufssamstag verglich KURIER-Reporterin Birgit Seiser die Situation. Viele Kunden wären auch nicht unbedingt wegen der Schnäppchen hier, sondern, weil es sich um nicht aufschiebbare Käufe handle.

So stürzte sich etwa ein junges Paar in den Trubel, weil es kurzfristig vor dem Lockdown eine Wohnung bekam: "Wir würden sonst Miete zahlen und könnten nicht einziehen", erzählen sie. 

Gut läuft das Geschäft am Montag auch im Blumengeschäft "Kreativblumen Baumgartner", erzählen Lehrling Stefanie Digruber und Chefin Daniela Baumgartner. „Die Schnittblumen werden wir zwar wegschmeißen müssen, aber der Plan ist, wieder den Lieferservice zu starten.“

Im Frühling sei dieses Angebot des Geschäfts in Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) sehr gut angenommen worden: „Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass wir am Land wohnen. Hier halten wir doch sehr zusammen.“ Durch den Lockdown erwartet Baumgartner Umsatzeinbußen um die 50 Prozent. Denn die Adventmärkte, wo sie normalerweise auch Ware verkauft, fallen komplett aus. 

Lockdown zu spät?

In der Salzburger Innenstadt hätten sich manche eine früheren Lockdown gewünscht, so etwa Magdalena Aschauer von "Hüte & Trachten Aschauer" in der Getreidegasse: „Der Lockdown kommt meiner Meinung nach zu spät. Ideal wäre es in den Herbstferien gewesen und nicht jetzt im beginnenden Weihnachtsgeschäft. Ich hoffe, dass das mit den Förderungen wieder so gut funktioniert. Zumindest bei uns hat das beim ersten Lockdown sehr gut funktioniert."

Die Trachtenexpertin hat zwar mit Maßnahmen gerechnet, vorbereiten könne man sich auf sowas aber nicht. Es sei nicht möglich, den Produzenten zu sagen, man nehme die Ware jetzt nicht mehr. Vorsichtshalber wurde aber im Vorhinein schon weniger bestellt.

"Die Touristen gehen uns enorm ab. Während die Gastronomie offen war, ist es einigermaßen gut gegangen. Seit wieder zu ist, ist die Stadt wie ausgestorben. Ich glaube, es wird einen dritten Lockdown geben. Jeder will zu Weihnachten seine Familie sehen, ich auch. Wahrscheinlich fällt der dann ins Ostergeschäft.“

Im Burgenland "ist die Hölle los"

"Für einen Montag ist im Burgenland ist die Hölle los", fasst ein Einkäufer vor Ort die Lage zusammen. Parkplätze in den Gewerbegebieten waren bereits früh Mangelware. Vor allem in den größeren Zentren wie Eisenstadt oder Oberwart decken sich die Menschen mit Waren aller Art ein - egal ob diese auch im Lockdown verfügbar sind oder nicht.

Auch in Parndorf war der Andrang am Montag groß, Augenzeugen berichten von langen Autokolonnen rund um das Outlet Center. Begehrt sind neben Weihnachtsdekoration und Accessoires vor allem auch Sport- und Outdoorprodukte.

Laut Mario Schwann, Manager des McArthurGlen Designer Outlet Parndorf, ist der Kundenstrom "rege", gehe aber nicht über das normale Maß hinaus. "Die Situation entspricht einem Samstag um diese Jahreszeit im startenden Weihnachtsgeschäft. Die Kunden sind sehr diszipliniert und halten sich an die vorgegebenen Maßnahmen", sagt Schwann. Bis 19 Uhr sei noch geöffnet, dann erst wieder am Montag, den 7. Dezember: "Voraussichtlich."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.