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Chronik Österreich
06/03/2020

Nach Razzia: Corona-Schutzmasken werden zu Kriminalfall

Ein Geschäftsmann verschenkt und verkauft hunderttausende Corona-Schutzmasken an Spitäler, Pflegeheime und Polizisten. Doch offenbar schützen die Masken zu wenig, die Justiz ermittelt.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Michaela Reibenwein, Konstantin Auer

Er ist angeblich 35 Jahre alt, tritt in Medien als großer Wohltäter auf – und sagt nicht einmal seinen echten Namen. Spätestens hier könnte man Zweifel haben an dieser unheimlichen Geschichte.

3,5 Millionen Seuchen-Schutzmasken wollte der Anonymus angeblich in einer aufgelassenen Firma in der Slowakei gefunden haben. Manche davon wollte er offenbar verschenken, doch einige auch verkaufen. Mitten in der Corona-Krise eröffnete der 35-Jährige zwei Geschäfte auf der Mariahilfer und der Kärntner Straße in Wien. Vom ehemaligen Handy-Shop-Betreiber zum Wohltäter lautete die Geschichte. Er schaffte es damit auch in Boulevard-Medien

Doch vieles deutet darauf hin, dass alles etwas anders sein könnte:

Offenbar heißt der Mann tatsächlich Mahmoud E. und er hatte viele gute Kunden: Etwa die niederösterreichische Landesgesundheitsagentur, die für 26 Spitäler und 48 Pflegeheime verantwortlich ist, oder die Wiener Universitätszahnklinik. Auch Polizisten und Ärzte wurden beliefert. Zumindest ein Ministerium prüft gerade, ob man dort etwas bestellt habe.

Namhafte Kunden

Am Mittwoch wurden die beiden Corona-Geschäfte jedoch im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien von einer Polizistenschar gestürmt. Es besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs. Angezeigt wurde die Sache laut KURIER-Informationen über das Gesundheitsministerium bei einem der Magistratstischen Bezirksämter, das wiederum eine Sachverhaltsdarstellung an die Justiz schickte.

Bei einer Überprüfung sei offenbar aufgefallen, dass es Unregelmäßigkeiten bei den Zertifikaten gebe. FFP3-Masken seien nicht so sicher wie angegeben. Das habe offenbar auch die Staatsanwaltschaft festgestellt. Der Verdacht wiegt schwer: Denn in der Folge könnten sich natürlich auch Personen mit Covid-19 angesteckt haben.

Im Impressum der zu den Geschäften gehörigen Internetseite steht eine Sicherheitsfirma. Der Inhaber wiederum ist an verschiedenen Firmen beteiligt, eine davon taucht auch rund um eine fragwürdige Immobilienplattform auf. Diese bietet Wohnraum gegen Crowdfunding an, soll aber teilweise seit zwei Jahren die versprochenen Gelder nicht zurückzahlen. Eine der daran hängenden Firmen ging im Vorjahr pleite, auch dazu gab es schwere Vorwürfe von Beteiligten.

Der Geschäftsführer der erst im April 2020 gegründeten Sicherheitsfirma ist jedenfalls Georg M., der von der Justiz nicht als Beschuldigter geführt wird: „Diese Pop-up-Stores gehören nicht zu mir. Ich werde das selbst meinem Rechtsanwalt übergeben und gehe dagegen vor“, sagt M. zum KURIER. „Ich weiß, dass mein Firmenname auf dieser Homepage angeführt wird. Ich habe damit nichts zu tun. Ich habe niemanden betrogen. Ich muss selber herausfinden, was da mit meinem Namen und meiner Firma gespielt wird. Man wird eh alles offenlegen, dass auf meinen Konten nichts passiert ist.“

Nachsatz: „Ich habe aber jemanden gekannt, der damit zu tun hat. So dürfte ich da reingerutscht sein.“ Mehr will M. dazu aber nicht sagen. Sein Geschäftspartner meint sogar, dass ihre Firmenadresse für das Maskengeschäft zwischenzeitlich herhalten musste.

Zwei Stunden nach der Razzia hat das Geschäft auf der Mariahilfer Straße jedenfalls schon wieder geöffnet als sei nichts passiert, es waren schon wieder Kunden da.

Der Verkäufer meinte, dass er da war als die Razzia war, er will aber nicht mitbekommen haben, um was es dabei ging. Sein Chef habe das alles gemacht. Dieser möchte aber nun nicht mehr mit Medien sprechen. Die niederösterreichische Landessanitätsdirektion hat laut eigenen Angaben 25.000 FFP2-Masken mit Ventil um insgesamt 172.500 Euro bei dem Mann bestellt, diese seien aber in Ordnung gewesen, wird betont.

Die niederösterreichischen Neos bezweifeln das und verlangen eine Prüfung: „Hier liegt der Verdacht nahe, dass beim Einkauf der medizinischen Schutzausrüstung die Qualitätskontrolle versagt hat oder die Landesgesundheitsagentur bewusst über Mängel hinweggesehen hat. Jetzt gilt es jedenfalls zu klären, warum ein Auftrag des Landes über 25.000 Masken über den Wiener Handyshop-Betreiber abgewickelt wurde. Wir verlangen volle Transparenz – erst recht wenn der Verdacht im Raum steht, dass die Landeskliniken und Pflegeheime mit minderwertigen medizinischen Produkten versorgt werden.“

Johannes Angerer, Sprecher der Universitätszahnklinik sagt dazu: „Ja, wir haben dort 5000 Masken gekauft. Wir haben Zertifikate bekommen und auch die Qualität hat gestimmt. Die Preise waren marktkonform. Was nicht stimmt, ist, dass wir von dort Maskenspenden erhalten haben.“ Es sind noch welche von diesen Masken übrig. Für diese gibt es einen Auslieferungsstopp „bis das geklärt ist“.

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