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Chronik Österreich
06/01/2020

"Inspektor Winkler spricht": So geht Telefon-Betrug

Anrufe von falschen Polizisten brachten bereits 180 Senioren um ihr Geld. Der Kopf der Bande sitzt in Istanbul.

von Michaela Reibenwein

Es war der 11. September des Vorjahres, als das Telefon bei Frau E. klingelte. Am Apparat war ein gewisser Lukas Winkler. Er gab sich als Polizist aus. Und er hatte beunruhigende Nachrichten für Frau E.: In ihrer Gegend gäbe es eine Einbruchserie durch eine rumänische Bande. Auch sie sei gefährdet. Die Wienerin Frau E., Jahrgang 1938, verwitwet, bekam Angst. Und Lukas Winkler hatte damit erreicht, was er wollte.

Anruf aus der Türkei

Den Polizisten Lukas Winkler gibt es nicht. Genauso wenig wie Oberinspektor Dr. Grünberg. Auch diesen Namen benutzt er. Der Mann dahinter soll in Wirklichkeit Kerim Y. heißen – davon sind die echten Ermittler überzeugt. Beim Verdächtigen handelt es sich um einen Türken, der lange in Wien lebte und im Taxigewerbe arbeitete. „Jeder in der Branche kennt ihn“, sagt ein mutmaßlicher Komplize. Kerim Y. ist aktuell in Istanbul. Und von dort aus soll er seine Betrügereien lenken. Laut Ermittlern ist er der Kopf der Bande, die sich als Polizisten ausgibt und Senioren dazu bringt, ihnen Geld und Wertgegenstände zu übergeben.

Die Staatsanwaltschaft Wien weiß von 180 Opfern, noch deutlich häufiger dürften die Kriminellen mit ihren Anrufen gescheitert sein. Der Schaden beträgt fast vier Millionen Euro.

Ein Prozess im Landesgericht Wien brachte Details zutage, wie die Bande arbeitet.

Kerim Y. soll sein „Geschäft“ von einem Callcenter in Istanbul aus betreiben. Von dort ruft er seine Opfer an. Doch dass er in der Türkei sitzt, bekommen die Angerufenen nicht mit. Angezeigt wird nämlich eine völlig andere Nummer, die zumeist Ähnlichkeit mit einer tatsächlichen Nummer einer Polizeiinspektion hat. Und bei der eine Rufdaten-Rückerfassung erfolglos bleibt. Die Bezeichnung dafür lautet „Spoofing“. Hat es der Anrufer erst einmal geschafft, sein Opfer am Telefon zu halten und davon zu überzeugen, dass es sein Geld und die Wertgegenstände in Sicherheit bringen müsse, kommen die Komplizen zum Zug.

Denn die Bande ist bestens organisiert. Nach dem Anrufer kommt der Abholer – auch ein angeblicher Polizist, dessen (falsche) Dienstnummer als Beleg für seine Vertrauenswürdigkeit dienen soll.

Mit Chauffeur zur Bank

Liegt das Geld bei der Bank, kommen die sogenannten Fahrer zum Zug. Sie holen das Opfer ab und chauffieren es zu Banken, wo jeweils 10.000 Euro abgehoben werden. Diese Touren können sogar Tage dauern. Frau E. berichtete etwa, dass sie zwei Tage lang durch Wien chauffiert wurde, um bei unterschiedlichen Bankfilialen ihr Geld abzuheben. Insgesamt 270.000 Euro übergab sie den Betrügern, die vor der Bank schon auf sie warteten. Denn das Geld wurde schlussendlich von weiteren Geldkurieren übernommen.

Die Ermittlungen der Polizei sind umfangreich. Mehrere Abholer konnten bereits ausgeforscht werden, einer wurde bereits verurteilt, einem weiteren wird aktuell der Prozess gemacht.

„Er dachte, er sollte Geld abholen, das einem Bekannten geschuldet wurde“, sagt sein Verteidiger Roland Friis. Dass er sich dabei mit einem falschen Namen vorstellen musste und eine Dienstnummer sagen musste, habe ihn zwar irritiert. „Aber ich habe nicht nachgefragt. Ich war ein Trottel“, erklärt der Mann dem Richter. Er selbst bekam nur einen kleinen Teil der Beute – für seine Dienste wurden ihm 2.000 Euro überreicht.

Im Vorjahr allerdings ging der Angeklagte selbst zur Polizei und legte eine Lebensbeichte ab.

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