Hitze und Pflege: „Viele sind tagsüber drinnen gefangen“
Die meisten Menschen die zu Hause gepflegt werden, gehen nur noch in der Früh oder sehr spät nach draußen.
29 bis 30 Grad in der Wohnung sind im Sommer in Wiener Neustadt keine Seltenheit. Für viele ältere und pflegebedürftige Menschen bedeutet das: Sie verbringen den Großteil des Tages in überhitzten Räumen.
„Die meisten sind tagsüber drinnen gefangen“, sagt Birgit Tisch von der Mobilen Pflege des Roten Kreuzes. Nach draußen gehen viele nur noch frühmorgens oder spätabends, wenn die Temperaturen erträglicher sind.
Vorbereitungen seit Mai
Die Erfahrungen der vergangenen Sommer haben die Pflegekräfte zum Handeln bewegt: Schon im Mai begann das Team mit den Vorbereitungen auf die Hitzesaison. Ausgestattet mit Thermometern besuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Klientinnen und Klienten. „Wir arbeiten mit Checklisten: Wir schauen, wie die Menschen wohnen, woher die Sonneneinstrahlung kommt und beraten dann die Angehörigen.“
Die meisten warten drinnen, bis der Tag vorbei ist
Mobile Pflegekraft
Die Angehörigen erhalten Informationen und Hitzefolder. Oft werden noch vor dem Sommer Ventilatoren angeschafft oder Vorhänge und Markisen montiert, damit sich die Wohnungen möglichst wenig aufheizen - das sei jetzt Gold wert, betont Tisch. Dennoch messen die Pflegekräfte immer wieder Temperaturen von 29 bis 30 Grad in den Innenräumen. „Viele können ihre Wohnungen wegen der Hitze kaum noch verlassen. Die meisten warten drinnen, bis der Tag vorbei ist“, sagt Tisch.
Die Nacht bringt keine Besserung
Auch nachts kühlen viele Wohnungen kaum ab. Das belastet nicht nur die betreuten Menschen, sondern auch die Pflegekräfte. Der Arbeitsalltag habe sich durch die zunehmende Hitze verändert: Körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Duschen oder Körperpflege erledigen sie möglichst am Vormittag.
„Mittags beschränken wir uns auf die Grundversorgung“, erzählt Tisch. Klimatisierte Autos und Kühltaschen mit Getränken erleichterten den Einsatz zwar, könnten die Belastung aber nicht vollständig ausgleichen.
Ältere und chronisch Kranke besonders gefährdet
Unter der Hitze leiden auch pflegende Angehörige. „Auf ihnen lasten ohnehin schon viele Aufgaben. Jetzt müssen sie zusätzlich darauf achten, dass ihre Angehörigen die Hitze gut überstehen“, sagt Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger.
Gerade ältere und chronisch kranke Menschen sind durch hohe Temperaturen besonders gefährdet - der Druck auf die Familie, die die Angehörigen pflegt, wachse. Meinhard-Schiebel hält Informationskampagnen deshalb für zu wenig. Empfehlungen wie „mehr trinken“ seien zwar richtig, würden Menschen mit Demenz aber oft nicht erreichen. Außerdem können sie die Gefahr häufig nicht einschätzen oder die Ratschläge umsetzen. Betroffene Haushalte müssten deshalb gezielt unterstützt werden.
Was helfen kann, ist oft einfach: nachfragen, vorbeischauen und aufmerksam sein. Der soziale Zusammenhalt ist derzeit mehr gefragt denn je. „Einfach einmal vorbeischauen, ob alles passt“, sagen Meinhard und Tisch. Gerade an heißen Tagen könne das einen entscheidenden Unterschied machen.
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