Song Contest: Conchita euphorisch empfangen

Nach 48 Jahren gewinnt Conchita Wurst den Song Contest wieder für Österreich. Begeisterter Empfang in Österreich.

Conchita Wurst bei ihrem Empfang am Wiener Flughafen Conchita Wurst, die "Bearded Lady" setzte sich gegen 25 Kandidaten aus ganz Europa durch.

Der Phoenix ist in Wien gelandet. Die strahlende Song Contest-Queen Conchita Wurst ist heute, Sonntag, um 12.15 Uhr von einer euphorischen Menge lautstark am Flughafen Wien Schwechat empfangen worden. Sprechchöre und kreischende Fans, Österreich- und Regenbogenfahnen, aufgemalte Vollbärte, fliegende Herzen, gezückte Smartphones und ein Glitterregen wurden der frischgebackenen Siegerin von Hunderten Menschen entgegen gebracht. Wurst präsentierte sich stolz mit der gläsernen Eurovisions-Trophäe in der Hand und in Begleitung von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Eingepfercht zwischen Sicherheitsleuten, dutzende Kameras auf sie gerichtet, bahnten ihr Polizisten einen Weg durch die Journalistenmeute. Den Pokal hielt sie fest an ihren Körper gedrückt, ab und zu ein Blick in die Menge, ein freundliches Lächeln, dann war sie auch schon wieder entschwunden. Zurück blieben eine Menge fröhlicher Gesichter.

Sensation

Die Sensation – die sich in den vergangenen Tagen schon angekündigt hatte – war gestern kurz nach Mitternacht perfekt. Österreich, besser gesagt: der ORF gewann den 59. Eurovisions Song Contest. Conchita Wurst siegte mit „Rise Like A Phoenix“. Sie kam auf 290 Punkte (13 Mal die Höchstpunkteanzahl von zwölf!) und verwies die Niederlande und Schweden auf die Plätze. Das ist erst der zweite Sieg für Österreich seit Udo Jürgens 1966 mit „Merci Cherie“.

DENMARK EUROVISION SONG CONTEST 2014 Foto: undefined Erster Kommentar von Wurst: Sie widmete den Sieg „everybody who believes in a future of peace and freedom. We are a unity and we are unstoppable“ (für alle, die an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben. Wir sind eine Gemeinschaft und nicht aufzuhalten).

Schon seit Tagen hatte sich das Gefühl verbreitet: Da geht etwas. Ständig war Conchita Wursts Beitrag in der Einschätzung der Wettbüros nach oben gewandert.

Entscheidend aber war: Conchita Wurst war DAS Gesprächsthema. Ein als Frau verkleideter Mann mit Bart, das stellte sozusagen die Toleranzfähigkeit des europäischen Publikums auf die Probe. Wobei die überwältigende Mehrheit befand: Was ist da schon dabei?

Conchita Wurst representing Austria performs after Foto: undefined Dass aus Russland und anderen Ländern Osteuropas  (sowie in Österreich von politisch rechter Seite und vom Kabarettisten und Ex-Contest-Starter Alf Poier) moralisch begründete Kritik am Travestie-Spiel von Wurst geäußert wurde, brachte ihr eher zusätzlichen Rückenwind. In den sozialen Forengehörte es auch für Prominente  zum guten Ton, sich pro Wurst zu äußern.

Zumal Conchita Wurst – respektive ihr Darsteller, der ehemalige „Starmania“-Zweitplatzierte Tom Neuwirth – über eine schöne Stimme und ein gut ins Ohr gehendes Lied verfügt. „Rise Like A Phoenix“ klingt wie der Soundtrack-Hit für einen nie gedrehten James-Bond-Film. In der Tat hört es sich an wie die Antwort auf Adeles Bond-Welthit „Skyfall“: „Skyfall“ beschreibt den Absturz ins Dunkle, Verdrängte – „Rise Like A Phoenix“ die Wiederauferstehung.

Hier gibt es den Liveticker zur Nachlese

Empfang

Conchita zurück in Wien

Schon lange bevor Conchita Wursts Flieger aus Kopenhagen österreichischen Boden berührte, sang sich die wartende Fanmenge in einer Endlosschleife mit dem Siegersong „Rise like a Phoenix“ ein. Viele warteten seit Stunden in der Ankunftshalle des Flughagfen Wien, um einen Platz weit vorne zu ergattern - in der Hoffnung einen kurzen Blick auf jene Künstlerin zu werfen, die am Vorabend ganz Europa verzückte. Viele bewaffnet mit Blumen, Luftballons und Plakaten mit Liebesbekundungen. Auch einige fragende Gesichter mischten sich in die Menge. Das waren jene, die die letzte Nacht hinter dem Mond verbrachten und nun die Aufregung sichtlich ratlos beäugten. Um 12.20 brandete Jubel auf, die Wurst trat - wie aus dem Ei gepellt – vor die Menge. Ein sichtlich stolzer Alexander Wrabetz an ihrer Seite. Und dann wurde es eng für Conchita. Eingepfercht, dutzende Kameras auf sie gerichtet, bahnten ihr Polizisten einen Weg durch die Journalistenmeute. Den Pokal hielt sie fest an ihren Körper gedrückt, ab und an ein Blick in die Menge, ein freundliches Lächeln, dann war sie auch schon wieder entschwunden. Zurück blieben eine Menge fröhlicher Gesichter.
Video

Riesenrummel bei der Ankunft

Riesenrummel um Conchita Wurst bei der Ankunft in Wien

<p>Großer Andrang auf dem Flughafen Wien Schwechat.</p>

Bilder

Das Finale

10.000 Fans fieberten in Kopenhagen vor Ort für ihre Favoriten mit. Vor den Bildschirmen in ganz Europa sollen es 120.000 Millionen sein. Aber auch außerhalb Europas, etwa in Australien, wurde der 59. Eurovision Song Contest übertragen. "Borgen-Star" Pilou Asbaek, Lise Ronne und Nikolaj Koppel zeigten sich zum Finale im feinen Zwirn. Galten sie nach den beiden Halbfinali sympathisch unaufgeregt, behielten sie diesen Stil bei. Die krisengeschüttelte Ukraine eröffnete den Sangeswettstreit: Marija Jaremtschuk performte ihr poppiges "Tick-Tock" - Hamsterrad-Show inklusive. Teo aus Weißrussland versuchten ihren "Cheesecake" anzubringen. Der klang zwar beschwingt, beinahe schon fast trocken - trotzdem hätte man lieber einen Käsekuchen verputzt.  Ebenfalls ziemlich unspektakulär gab sich Dilara Kazimova, die für Aserbaidschan im Finale stand. Ein Feuer konnte sie mit ihrem "Start the fire" nicht entzünden. No Prejudice Pollapönk schlugen mit "No Prejudice" in dieselbe Kerbe wie Conchita Wurst - keine Vorurteile. Schräg nur, wenn die Botschaft in den klamaukigen Anzügen untergeht. Der Song klang ein bisschen nach "Teenage Bad Girl Baby" vermischt mit OK GO. Als einen "ruhigen, sensiblen Charakter im Körper eines Wikingers" hat Andi Knoll Carl Espen im Halbfinale beschrieben. Der Norweger ging mit "Silent Storm" an den Start - eine gute Ballade, die übrigens seine Cousine für ihn geschrieben hat.
  Ein rundes, sinnloses Klavier im Hintergrund.  Paula Seling & Ovi im Vordergrund am Mikrofon. Viel mehr gibt es auch am Finalabend zu dem Beitrag aus Rumänien nicht zu sagen.
  Aram MP3 aus Armenien galt mit seinem eingängigen Song "Not Alone" als einer der Hauptkonkurrenten Conchitas - nicht nur auf der Bühne. Am Finalabend legte er sich aber nicht mehr mit Conchita, sondern mit der Tonleiter an. Sergej Cetkovic aus Montenegro versuchte es mit schmalzigem Blakanpop und dem Song "Moj Svijet" sein Glück.
  Dann wurde es heiß auf der Bühne: Polen schickte mit Donatan &amp; Cleo ihre persönliche Version von "Folklore" nach Dänemark. Wieviele der Zuseher allerdings von der Show zu sehr abgelenkt waren um auf den Song zu hören, ist leider nicht bekannt. Es ist kein "Lied", sondern eine "Bewegung", hieß es vorab aus Griechenland. "Rise Up". Mit Startnummer 11 kam sie dann endlich: Conchita Wurst! Aus dem Dunkeln kam sie, um ihrem Song "Rise Like a Phoenix" auch showtechnisch alle Ehre zu machen.
  Mit einem makellosen Auftritt überzeugte sie die Zuseher in der Halle - die sich mit Standig Ovations bedankten - und vor den TV-Bildschirmen, die sich via Twitter meldeten.
  Elaiza, der Beitrag aus Deutschland, ging direkt nach Conchita Wurst an den Start - und hatten sichtlich Mühe an "Rise Like A Phoenix" anzuschließen.  Anders als Conchita mussten sie sich auch noch nicht im Halbfinale beweisen. Deutschland ist als Teil der "Big Five" (die größten Beitragtszahler der European Broadcasting Union - EBU) für das Finale gesetzt. Bei Startnummer 13 wurde es erneut spannend.  Sanna Nielsen aus Schweden zählte mit "Undo" zu den absoluten Topfavoriten.

  Es folgte erneut eine Band aus den "Großen Fünf". Die Band Twin Twin ging für Frankreich mit dem Song "Moustache" an den Start. Die Tolmatschowa-Schwestern aus Russland komplettierten den prominenten Mittelblock mit "Shine". Sie mussten aus politischen Gründen Buhrufe entgegennehmen, die Wettanbieter geben ihnen keine guten Chancen. Zwar zeigte Emma Marone italienisches Temperament, dafür in einem unfassbar unvorteilhaftem Outfit und auch einem schlechten Song. Mit Querflöte und futuristischem Riesenschulterpolster-Outfit ging Tinkara Kovac aus Slowenien an den Start - und langweilte. Ungewohnt rockig und mit leicht elektronischem Einschlag zeigten die Nachwuchs-Glamrocker Softengine aus Finnland, dass es im Hohen Norden auch etwas anderes als Blackmetal gibt. Regnet es oft in Spanien? Für Ruth Lorenzo wahrscheinlich nicht oft genug, immerhin tanzt sie gern im Regen. Irgendwie erinnerte zumindest der Titel an "Venedig im Regen" von Thomas Forstner.
  Unser Schweizer Nachbar Sebalter lieferte mit "Hunter of Stars" eine Mixtur aus Folklore, Banjo-Hüpfmusik und hitparadentauglichem Schnellgesang. Der eidgenössische Anwalt musiziert nur nebenberuflich. 
  Sänger Andras Kallay-Saunders lief für Ungarn ins Finale - mit "Running". Malta ging mit Firelight ins Rennen. Die "mediterrane Variante der Mumford and Sons", wie Moderator Andi Knoll das Sextett passenderweise nannte, singen vom Nachhausekommen. Mit der Startnummer 23 war der Hausherr dran, der angeblich sogar Chancen auf den möglichen vierten Song Contest-Sieg von Dänemark hatte. Ein bissal schmierig klang dann der "Cliche Lovesong" von Basim. "Das einzige echte Stück Musik" kam laut Andi Knoll aus den Niederlanden. Tatsächlich hat "Calm After the Storm" von The Common Linnets  Hitqualitäten. An der Performance sollte die Folk-Truppe aber vielleicht noch arbeiten, die wirkte wie von Valium inspiriert. Song-Contest-Dauerkandidat Ralph Siegel schaffte es diesmal nach mehreren Fehlschlägen ins Finale: Valentina Monetta aus San Marino, die es zum dritten Mal mit dem Deutschen versuchte, versuchte mit seiner Komposition "Maybe" ihr Glück. Großbritannien beschloss den Reigen der Darbietungen im Finale.
Quoten

1,5 Millionen Seher bei Entscheidung

Der ORF erzielte am Samstabend beim Finale des Song Contests einen Marktanteil von 73 Prozent.

Conchita Wursts Favoritenrolle und letztendlich Sieg beim Eurovision Song Contest 2014 haben dem ORF eine Rekordquote beschert. Im Schnitt 1,474 Millionen Zuschauer waren kurz nach Mitternacht dabei, als die entscheidenden Stimmen beim Musikwettbewerb ausgeteilt wurden, in Spitzen waren es 1,544 Millionen. Der Marktanteil in der Zielgruppe ab zwölf Jahren lag laut ORF-Aussendung bei 73 Prozent.

Die Übertragung des Wettbewerbs selbst hatte am Samstagabend laut den TV-Daten der Arbeitsgemeinschaft Teletest 1,247 Millionen (Teil eins) bzw. 1,364 Millionen Seher. Vergleichbare Marktanteile kann der ORF üblicherweise allenfalls mit Publikumsrennern aus dem Bereich Wintersport (Olympia, Kitzbühel) oder an wichtigen Wahlabenden erzielen. Für die späte Stunde ist die Reichweite (also die absoluten Seherzahlen) jedenfalls rekordverdächtig. 2011, als Österreich zuletzt (mit Nadine Beiler) im Finale vertreten war, hatten durchschnittlich 1,058 Millionen zugesehen (49 Prozent Marktanteil).

9 Millionen Zuseher in Deutschland

Im Nachbarland Deutschland sahen die dreieinhalbstündige Show aus Kopenhagen im Durchschnitt 8,96 Mio. Menschen. Der Marktanteil lag bei bemerkenswerten 34,7 Prozent, höher als üblich. Der auch in Deutschland spürbare Hype um Conchita Wurst scheint ein Grund für das größere Interesse zu sein. Der Blick zurück zeigt, dass seit 2007 nur die beiden ESC-Shows mit Lena Meyer-Landrut bessere Zahlen verzeichneten.

Pressestimmen

"Die Königin Europas"

Skandinavische Medien sehen eine "Ohrfeige für alle Homophoben in Europa" und einen beispiellosen Applaus in der Geschichte des Songcontests.

Austrian drag queen Conchita Wurst addresses a new
Foto: REUTERS/TOBIAS SCHWARZ

Der Sieg  beim Eurovision Song Contest-von Conchita Wurst lässt niemand kalt. Besonders die nordeuropäischen Medien, tradidtionell stark am Sangeswettstreit interessiert, schreiben euphorisch über die Teilnehmerin aus Österreich.

"Österreich lieferte einen Höhepunkt 'second to none'. Wer kann Tränen, Diva-Kleidern und einem Bart widerstehen - und Wursts Botschaft, dass der Sieg allen gehört, die sich 'Frieden und Freiheit' wünschen?"
Berlingske Tidende (Kopenhagen)

"Sie ist nicht mehr eine bärtige Frau, sie wurde zur Königin Europas erhoben. Schön, dass auch die Finnen Österreich die meisten Punkte gaben."
Ilta-Sanomat (Helsinki)

"Eine Ohrfeige für alle Homophoben in Europa".
Aftenposten (Oslo)

"Die Wurst war nicht zu stoppen. (...) 'Rise like a Phoenix' stieg auf und brachte Österreich wieder auf die Songcontest-Landkarte zurück."
Sydsvenskan (Malmö)

"Was für ein Liebes-Schock! Conchita Wurst aus Österreich gewann über ganz Europa mit ihrer mächtigen Ballade."
Göteborgs-Posten (Göteborg)

"Schon im Semifinale war die Publikumsunterstützung für Conchita Wurst beispiellos. Am Samstag fegte sie dann alle mit sich. (...) Ich glaube, ich habe noch nie einen vergleichbaren Applaus in der Geschichte des Songcontests gehört."
Svenska Dagbladet (Stockholm)

Erste Reaktion von Conchita

"Wir sind nicht zu stoppen"

Für ihre Verhältnisse wenn nicht sprachlos, aber doch immerhin spracharm zeigte sich Österreichs Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst im Anschluss an das Finale vor der Presse. Sie habe es selbst beim Goldregen, der über dem Gewinner ausgeschüttet wird, noch nicht geglaubt, gewonnen zu haben. Sie habe erst die Worte von ihrem Manager Rene Berto persönlich hören müssen: "Ja, Du hast gewonnen." "Sonst quassel ich die ganze Zeit, und jetzt sitze ich hier...", zeigte sich Wurst verwundert. Für sie sei der Sieg beim 59. ESC aber auch ein Zeichen: "Es hat mir gezeigt, dass es in unserer Gesellschaft Leute gibt, die nach vorne schauen wollen und nicht in der Vergangenheit stecken bleiben wollen." Auf Journalistennachfrage hatte sie deshalb sogar eine Botschaft an Russlands Präsident Wladimir Putin, auch wenn sie nicht davon ausgehe, dass er Song Contest schaue: "Wir sind nicht zu stoppen." Der Sieg beim größten Musikwettbewerb der Welt sei jedenfalls keineswegs eine kleine Sache für sie: "Ich nehme das nicht für selbstverständlich, weil es von einer Sekunde auf die andere zu Ende sein kann." Etwas Übersinnliches scheint sich dann doch eingeschlichen zu haben in die Auswahl. "Ich glaube eigentlich nicht an Zeichen", betonte Wurst. Aber sie habe am 6.11. Geburtstag. Und nun habe sie im Halbfinale Startplatz 6 und im Finale Startplatz 11 gehabt - was offensichtlich Glück gebracht habe. Für kommendes Jahr legte sich Wurst schon einmal coram publico die Schiene. "Ich wäre gerne Teil von Eurovision 2015 - vielleicht als Gastgeberin?", kokettierte sie in Richtung der anwesenden Fernsehchefin Kathrin Zechner. Aber verteidigen werde sie ihren Titel nicht. Sofortige Unterstützung bei der Gastgeberidee kam vom EBU-Verantworlichen Jan Ole Sand.
&nbsp; Auf lange Sicht sei für sie, Wurst, jedenfalls klar: "Ich möchte weiter Musik machen - sie ist die Liebe meines Lebens. Mein Leben ist ein Musical, auch wenn das vielen Leuten auf die Nerven geht", so Wurst: "Und ich werde meine Überzeugungen aussprechen, mein Leben leben und mir treu bleiben - das ist der einzige Weg, um glücklich zu bleiben."
Worte der Politik

"Ein schöner Tag für Österreich"

Heinz Fischer
Foto: Kurier Gruber Franz

Conchita Wursts Sieg beim 59. Eurovision Song Contest wird nicht zuletzt auch von der Mehrheit der österreichischen Politiker als Zeichen für Toleranz und Respekt gewertet - vom Bundespräsident abwärts. Einzig die FPÖ ließ sich nicht zu einer Gratulation an die Gewinnerin hinreißen.

So zeigte sich Bundespräsident Heinz Fischer in einem Statement gegenüber der APA erfreut über den Triumph, der weit über einen Festivalgewinn hinausgehe: "Ich gratuliere Conchita Wurst zum Sieg beim ESC. Das ist nicht nur ein Sieg für Österreich, sondern vor allem für Vielfalt und Toleranz in Europa. Dass sie ihren Sieg all jenen widmete, die an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben, macht ihn doppelt wertvoll. Ein schöner Tag für Österreich!"

Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) gratulierte der erfolgreichen Dragqueen: "Conchita Wurst hat mit großer Stimme und beeindruckender Performance die Zuseherinnen und Zuseher überzeugt." Es sei höchst erfreulich und ein großes Signal, dass sich die musikalische Leistung gegen Vorurteile und Intoleranz durchgesetzt habe.

Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) sprach in einer Aussendung von einer großen Ehre und Auszeichnung für Österreich. "Österreich ist stolz und freut sich mit Thomas Neuwirth über die große europäische Anerkennung", meinte der Finanzminister. "Ich freue mich auf den Song Contest 2015 in Österreich", hatte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) schon kurz nach der Show verlauten lassen: "Der erste Platz für Österreich beim Eurovision Song Contest ist der große Sieg von Conchita Wurst, aber auch ein Sieg Europas in Toleranz und Respekt."

Für die Grünen meldete sich Parteichefin Eva Glawischnig zu Wort: "Ich gratuliere Conchita zur hervorragenden musikalischen Leistung und Performance und zum Mut, einen anderen Lebensentwurf gewählt zu haben, allen Anfeindungen zum Trotz." Österreich sei eben Heimat großer Söhne und Töchter, paraphrasierte sie die Bundeshymne.

Auch BZÖ-Chef Gerald Grosz zeigte sich von Wursts Erfolg gerührt: "Tom Neuwirth hat mit seiner Kunstfigur nicht nur ein starkes Zeichen der Toleranz gesetzt, sondern auch Österreich einen längst vergessenen Stellenwert beim Eurovision Song Contest beschert." Die Konklusio ist klar: "Besser kann man Österreich nicht vertreten."

Von der FPÖ indes gelangte kein Gratulationsschreiben ein. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hatte sich im Vorfeld kritisch geäußert, FPÖ-EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky ließ sich in der ORF-"Pressestunde" auch nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. "Aus meiner Sicht ist das in Ordnung, wenn da jemand gewinnt und sich die Leute freuen", war noch die positivste Reaktion. Einmal mehr kritisierte er am Sonntag, dass der ORF die Österreich-Vertreterin ohne Voting "bestimmt" und damit "das Publikum ausgeblendet" habe. Er persönlich sei eher Fan von Udo Jürgens, weil der deutsch singe. Dass die meisten Song Contest-Teilnehmer heutzutage englisch sängen, sei "so uniform".

Rückblick

Österreichs durchwachsene Song Contest-Bilanz

Die Beziehung zwischen Österreich und dem Song Contest war lange Zeit keine geglückte Liebesgeschichte. Die erste Teilnahme am „2. Grand Prix Eurovision de la Chanson“ 1957 brachte gleich einmal einen letzten Platz für Bob Martin mit „Wohin, kleines Pony?“.

Mit dem kleinen Österreich ging es durchwachsen weiter – bis Udo Jürgens vom ORF zum Sangeswettstreit geschickt wurde. Drei Mal in Folge trat Jürgens ab 1964 an, wurde Sechster, Vierter und 1966 schließlich Sieger mit „Merci, Chérie“. Der später in Deutschland so populäre Entertainer musste dabei ohne Punkte aus dem Nachbarland auskommen.

1967 fand der Contest zum bisher einzigen Mal in Wien statt. In der Hofburg gewann Großbritannien. Österreich war danach wieder eher am Ende des Klassements zu finden, auch mit Karel Gott.

Conchita Wurst gewinnt Song Contest 2014 Foto: undefined In den bunten Siebzigern ragten Waterloo & Robinson und die Milestones mit fünften Plätzen heraus. Die Achtziger brachten Ergebnisse im Mittelfeld, aber auch zwei letzte Plätze (Anita und Wilfried). Und dann kam Thomas Forstner: Der Deutsch-Wagramer schaffte mit dem Bohlen-Song „Nur ein Lied“ 1989 den Sprung auf Platz fünf. Bei seinem zweiten Antreten 1991 wiederholte er das Kunststück von Wilfried, punktelos Letzter zu werden.

In den Neunzigern setzte man sich (u.a. mit Tony Wegas) wieder im Mittelfeld fest. Die Nullerjahre des Eurovision Song Contest, wie er nun hieß, brachten neben Verflachung auch viele Blödelbeiträge. 2003 sprang Österreich auf diesen Zug auf und erreichte mit Alf Poier („Weil der Mensch zählt“)  Platz 6.

Mit der Einführung einer Qualifikationsrunde im Jahr 2004 wurde es für Österreich immer schwerer, sich fürs Finale zu qualifizieren. Von 2008 bis 2010 nahm der ORF erst gar nicht Teil. 2011 kehrte man mit Nadine Beiler zurück, erreichte im Finale Platz 18, aber immerhin gab es erstmals „douze points“ aus Deutschland.

Video

Conchita Wurst beim finalen Auftritt

Die Transformation

Vom Casting-Teilnehmer zur Song-Contest-Hoffung

So strahlte Conchita Wurst auch am 10. Mai  beim Finale des Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen. Ihre Transformation vom Casting-Teilnehmer Tom Neuwirth zu Österreichs Hoffnung beim Song Contest im Zeitraffer: 2006: Tom Neuwirth,1988 in Gmunden geboren, im steirischen Bad Mitterndorf aufgewachsen, tritt bei "Starmania" auf. Der 18-Jährige landet auf dem zweiten Platz hinter... ... Nadine Beiler (Bildmitte). Sie vertrat Österreich 2011 beim Eurovision Song Contest und erreichte Platz 18 von 25. 2007: Der Modeschüler ist Mitglied der aus "Starmania"-Teilnehmern zusammengestellten Kurzzeit-Boyband "jetzt anders!" (2.v.re.) - gemeinsam mit Johannes "Johnny" K. Palmer, Falco De Jong Luneau und Martin Zerza.
  Nach der Auflösung von "jetzt anders!" wurde es wieder einige Zeit ruhiger um den 1,72 Meter großen Künstler (2.v.li.), der 2011 die Modeschule in Graz abschloss. 2011: Geburt der Conchita. Als von ihm selbst erfundene Kunstfigur namens Conchita Wurst macht Neuwirth in der ORF-Talent-Show "Die große Chance" als Sängerin mit Bart von sich reden. In der Finalrunde belegt sie den sechsten Platz Die Biografie der Kunstfigur beginnt mit der Geburt „in den Bergen von Kolumbien“ und einer Kindheit in Deutschland. Die Erschaffung der Conchita Wurst erklärt Neuwirth als Reaktion und Statement gegen Diskriminierungen, die er in seiner Jugend auf Grund seiner Homosexualität erfuhr. Sein Auftreten als Travestiekünstler soll Menschen zum Nachdenken „über sexuelle Orientierung, aber genauso über das Anderssein an sich“ bewegen. 2012: Nur Zweite(r). Ein Jahr später beteiligt sich Conchita Wurst an der ORF-Casting-Show für den Eurovision Song Contest "Österreich rockt den Song Contest" und erhält um nur zwei Prozent weniger Stimmen als die siegreichen "Trackshittaz". 2013 engagierte sich die Wurst für die ORF-Dokusoap "Die härtesten Jobs Österreichs" als Fischverarbeiterin. Ebenfalls 2013 unterhält Conchita (gemeinsam mit elf weiteren Kandidatinnen) das Publikum in der RTL-Show "Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika". Die Sendung wird zum Flop, aber Conchita (2.v.li.) erreicht Platz 7 und ist wieder im Gespräch. Als Song-Contest-Teilnehmerin 2014 musste Neuwirth alias Wurst nun keine Castingshow absolvieren. Die Diva der besonderen Art wurde im September 2013 von Fachleuten gekürt, um mit "Rise Like A Phoenix" Österreich in Kopenhagen zu vertreten. Eine gute Entscheidung: Conchita Wurst gewann am 10. Mai nach 48 Jahren wieder den Song Contest für Österreich.
Video

Zwei KURIER-Opernkritiker über Conchita Wurst

Zwei KURIER-Opernkritiker über Conchita Wurst

<p>Die beiden KURIER Opernkritiker Gert Korentschnig und Peter Jarolin haben sich Conchita Wurst mal genauer angesehen.</p>

Das Ergebnis

Der Endstand inklusive der Punkte

1. Österreich: 290 Punkte

2. Niederlande: 238

3. Schweden: 218

4. Armenien: 174

5. Ungarn: 143

6. Ukraine: 113

7. Russland: 89

8. Norwegen: 88

9. Dänemark: 74

10. Spanien: 74

11. Finnland: 72

12. Rumänien: 72

13. Schweiz: 64

14. Polen: 62

15. Island: 58

16 Weissrussland: 43

17. Großbritanien: 40

18. Deutschland: 39

19. Montenegro: 37

20. Griechenland: 35

21. Italien: 33

22. Aderbaidschan: 33

23. Malta: 32

24. San Marino: 14

25. Slowenien: 9

26. Frankreich: 2

Punkte 1

Wer Conchita belohnt hat

Land

Punkte

Belgien

12 Punkte

Finnland

12 Punkte

Griechenland

12 Punkte

Großbritannien

12 Punkte

Irland

12 Punkte

Israel

12 Punkte

Italien

12 Punkte

Niederlande

12 Punkte

Portugal

12 Punkte

Schweden

12 Punkte

Schweiz

12 Punkte

Slowenien

12 Punkte

Spanien

12 Punkte

Frankreich

10 Punkte

Georgien

10 Punkte

Island

10 Punkte

Litauen

10 Punkte

Malta

10 Punkte

Norwegen

10 Punkte

Ungarn

10 Punkte

Dänemark

8 Punkte

Rumänien

8 Punkte

Ukraine

8 Punkte

Deutschland

7 Punkte

Moldawien

7 Punkte

Lettland

6 Punkte

Albanien

5 Punkte

Russland

5 Punkte

Estland

4 Punkte

Mazedonien

3 Punkte

Montenegro

2 Punkte

Aserbaidschan

1 Punkt

Punkte 2

So hat Österreich gewählt

12 Punkte Armenien
10 Punkte Niederlande
8 Punkte  Rumänien
7 Punkte  Ungarn
6 Punkte  Schweden
5 Punkte  Ukraine
4 Punkte  Finnland
3 Punkte  Schweiz
2 Punkte  Island
1 Punkt   Norwegen
Übersicht

Die Gewinner seit 1956

Eines ist fix: Irland bleibt auch nach Kopenhagen das bis dato erfolgreichste Song-Contest-Land: Der Inselstaat führt auf der Allzeitbestenliste der Gewinner seit 1956 uneinholbar mit 7 Siegen. Österreich näherte sich mit dem Sieg von Conchita Wurst und damit insgesamt 2 Triumphen langsam an.

In der Liste auf Irland folgen allerdings Schweden, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg, die auf je 5 Siege zurückblicken. Auf der ewigen Bestenliste folgen die Niederlande (4 Siege); Dänemark, Israel und Norwegen (je 3); Deutschland, Italien, nun Österreich, die Schweiz und Spanien (je 2) sowie Aserbaidschan, Belgien, Estland, Finnland, Griechenland, Jugoslawien, Lettland, Monaco, Russland, Serbien, die Türkei und die Ukraine (je 1).

Jahr

Land

Interpret

Titel

1956

Schweiz

Lys Assia

"Refrain"

1957

Niederlande

Corry Brokken

"Net Als Toen"

1958

Frankreich

Andre Claveau

"Dors, Mon Amour"

1959

Niederlande

Teddy Scholten

"Een Beetje"

1960

Frankreich

Jacqueline Boyer

"Tom Pillibi"

1961

Luxemburg

Jean-Claude Pascal

"Nous Les Amoureux"

1962

Frankreich

Isabelle Aubret

"Un Premier Amour"

1963

Dänemark

Grethe og J. Ingmann

"Dansevise"

1964

Italien

Gigliola Cinquetti

"Non Ho l'Eta"

1965

Luxemburg

France Gall

"Poupee De Cire, Poupee De Son"

1966

Österreich

Udo Jürgens

"Merci Cherie"

1967

Großbritannien

Sandie Shaw

"Puppet On A String"

1968

Spanien

Massiel

"La La La"

1969 (vier punktegleiche Sieger)

Großbritannien

Lulu

"Boom Bang A Bang"

Niederlande

Lenny Kuhr

"De Troubadour"

Frankreich

Frida Boccara

"Un Jour, Un Enfant"

Spanien

Salome

"Vivo Cantando"

1970

Irland

Dana

"AllKinds Of Everything"

1971

Monaco

Severine

"Un Banc, Un Arbre, Une Rue"

1972

Luxemburg

Vicky Leandros

"Apres Toi"

1973

Luxemburg

Anne-Marie David

"Tu Te Reconnaitras"

1974

Schweden

ABBA

"Waterloo"

1975

Niederlande

Teach-In

"Ding-A-Dong"

1976

Großbritannien

Brotherhood of Man

"Save Your Kisses For Me"

1977

Frankreich

Marie Myriam

"L'Oiseau Et l'Enfant"

1978

Israel

Izhar Cohen and The Alphabeta

"A-ba-ni-bi"

1979

Israel

Gali Atari and Milk and Honey

"Hallelujah"

1980

Irland

Johnny Logan

"What's Another Year"

1981

Großbritannien

Bucks Fizz

"Making Your Mind Up"

1982

Deutschland

Nicole

"Ein bißchen Frieden"

1983

Luxemburg

Corinne Hermes

"Si La Vie Est Cadeau"

1984

Schweden

Herreys

"Diggi-loo Diggi-ley"

1985

Norwegen

Bobbysocks

"La Det Swinge"

1986

Belgien

Sandra Kim

"J'aime La Vie"

1987

Irland

Johnny Logan

"Hold Me Now"

1988

Schweiz

Celine Dion

"Ne Partez Pas Sans Moi"

1989

Jugoslawien

Riva

"Rock Me"

1990

Italien

Toto Cutugno

"Insieme: 1992"

1991

Schweden

Carola

"Fangad Av En Stormvind"

1992

Irland

Linda Martin

"Why Me?"

1993

Irland

Niamh Kavanagh

"In Your Eyes"

1994

Irland

Paul Harrington & Charlie McGettigan

"Rock'n'Roll Kids"

1995

Norwegen

Secret Garden

"Nocturne"

1996

Irland

Eimear Quinn

"The Voice"

1997

Großbritannien

Katrina & the Waves

"Love Shine A Light"

1998

Israel

Dana International

"Diva"

1999

Schweden

Charlotte Nilsson

"Take Me To Your Heaven"

2000

Dänemark

Olsen Brothers

"Fly On The Wings Of Love"

2001

Estland

Tanel Padar & Dave Benton

"Everybody"

2002

Lettland

Marie N

"I Wanna"

2003

Türkei

Sertab Erener

"Everyway That I Can"

2004

Ukraine

Ruslana

"Wild Dances"

2005

Griechenland

Helena Paparizou

"My Number One"

2006

Finnland

Lordi

"Hard Rock Hallelujah"

2007

Serbien

Marija Serifovic

"Molitva"

2008

Russland

Dima Bilan

"Believe"

2009

Norwegen

Alexander Rybak

"Fairytale"

2010

Deutschland

Lena

"Satellite"

2011

Aserbaidschan

Ell & Nicki

"Running Scared"

2012

Schweden

Loreen

"Euphoria"

2013

Dänemark

Emmelie de Forest

"Only Teardrops"

2014

Österreich

Conchita Wurst

"Rise Like A Phoenix"

Song Contest 2015

Billig wird es nicht

Nach dem Feiern kommt das Arbeiten, respektive das Zahlen: Der fulminante Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014 bedeutet, dass das größte Musikevent der Welt kommendes Jahr in Österreich ausgerichtet wird. Für die Show mit 120 Millionen Fernsehzuschauern reisen allein jährlich an die 2.000 Journalisten an. Damit stehen große Planungen und durchaus auch große Kosten ins Haus.

In Summe werden die Aufwendungen für einen ESC meist mit rund 25 Mio. Euro kalkuliert, wobei hier nicht alles allein vom heimischen Fernsehsender zu tragen ist und die Umwegrentabilität nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Kosten für den Ausrichter ARD lagen etwa in Düsseldorf 2011 bei rund 12 Mio. Euro. Das norwegische Fernsehen musste 2010 etwa 16,25 Mio. Euro ausgegeben. Moskau im Jahr davor lag nochmals deutlich höher.

Weniger transparent waren die öffentlichen Ausgaben, als die autoritär regierte Kaukasusrepublik Aserbaidschan 2012 den Megaevent dazu nutzte, gleich eine gigantische Veranstaltungshalle, die Baku Crystal Hall, am Ufer des Kaspischen Meers aus dem Boden zu stampfen, die dem Vernehmen nach mehr als 100 Mio. Euro gekostet haben soll. Offiziell machte die Ex-Sowjetrepublik keine Angaben, jedoch wurden die Gesamtkosten für die ESC-Vorbereitung - einschließlich des Baus neuer Straßen und einer Uferpromenade zur Crystal Hall - vom East-West Research Centre in Baku damals auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Kleiner

Kleiner dimensioniert war dann Malmö im Vorjahr, wo die Halle mit 12.000 Zuschauern deutlich weniger Menschen als etwa die Düsseldorf Arena mit 36.000 Gästen fasst. Das Budget lag damals bei rund 18 Mio. Euro. Und heuer in Kopenhagen muss das Danmarks Radio (DR) mindestens 25 Mio. Euro zahlen - wenn nicht mehr. Denn der Umbau des Veranstaltungsorts B&W-Hallen mit etwa 11.000 Zuschauern verschlang nach Medienberichten 3 Mio. Euro mehr als veranschlagt. Für die Finanzierung des Hallenumbaus ist jedoch eine Projektgesellschaft zuständig, die unter anderem von der Stadt unterhalten wird.

Nicht zwangsläufig in Wien

Die Entscheidung, wo Österreich genau das Event veranstalten wird, dürfte allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen. Düsseldorf erhielt etwa erst Anfang Oktober 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Veranstaltung im Mai 2011, für die sich auch Berlin, Hamburg und Hannover beworben hatten.

So wäre auch nicht zwangsläufig klar, dass Wien den Musikzirkus beheimaten wird. Der ESC gastiert sogar gerne außerhalb der großen Metropolen: So finden sich weniger glamouröse Austragungsorte wie Harrogate, Brighton oder im Vorjahr Malmö auf der Liste. Allerdings muss man zugestehen, dass die Hauptstädte bei den Austragungsorten klar in Führung liegen - mit derzeit 37:22.

Und auch wenn sich Österreich die Gelegenheit, sich vor weit über 100 Millionen Menschen zu präsentieren, wohl nicht entgehen lassen wird, könnte man die Ausrichtung des Wettbewerbs theoretisch auch abgeben, was in der Vergangenheit bereits geschehen ist. So haben Länder meist wegen der hohen Kosten auf die Ehre verzichtet. Die Niederlande (1960), Frankreich (1963), Monaco (1972) und Luxemburg (1974) ließen Großbritannien ran; Israel überließ 1980 den Niederlanden den ESC.

(KURIER, APA) Erstellt am
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