Die synthetische Substanz APN01 soll das Andocken der Viren an Körperzellen verhindern.

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Wissen Gesundheit
04/02/2020

Wie ein neuer Wirkstoff dem Coronavirus die Tür versperren soll

Was sich Josef Penninger von der großen Studie mit dem ersten zielgerichteten Wirkstoff erwartet.

von Ernst Mauritz

„Eines muss man klar sagen: Wundermittel gibt es keine“, betont Josef Penninger. „Und am Ende wird man vier, fünf verschiedene Ansätze benötigen, um das Problem mit dieser Erkrankung lösen zu können. Aber wir hoffen, dass unser Wirkstoff einer davon sein kann.“

Der Genetiker bemüht sich, allzu große Erwartungen zu dämpfen: Trotzdem hoffen viele, dass das synthetische Molekül mit der Bezeichnung APN01 ein erster, gezielter Therapieansatz gegen Covid-19 sein könnte. Ende kommender Woche soll in vorerst zehn Zentren in Österreich, Deutschland und Dänemark die erste große Studie mit diesem neuen, spezifischen Wirkstoff mit 200 Patienten starten.

Dieses Enzym APN01 hat ein Team der Firma Apeiron Biologics AG vor 15 Jahren gegen das erste SARS-Virus entwickelt. Jetzt wird es gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 zum Einsatz kommen. Penninger ist Gründer und Aufsichtsratsmitglied der Firma und „Miterfinder“ des Wirkstoffs.

APN01 ahmt jenes menschliche Enzym nach, welches das Virus zum Eindringen in die Zellen benötigt. Die Viren sollen in die Irre geführt und getäuscht werden: Sie sollen sich an diese lösliche, synthetische Form des Enzyms binden – und nicht an das Enzym auf der Oberfläche von Zellen.

Vermehrung blockiert

Damit können die Zellen nicht mehr infiziert werden – das Virus kann sich nicht vermehren. „Gleichzeitig wird die Schutzfunktion des Enzyms auf den Zellen nicht durch das Virus blockiert – die Gefahr gefährlicher Entzündungsreaktionen in der Lunge sinkt. Wir versperren dem Virus die Tür und schützen die Organe.“

200 schwer erkrankte Patienten werden in die Studie eingeschlossen. Penninger: „Sie sind noch nicht künstlich beatmet, und wir wollen verhindern, dass sie in ein schweres Lungenversagen abrutschen. Dadurch soll das Risiko zu versterben sinken. Wenn wir das schaffen, wäre das fantastisch.“

Die Studie erfüllt höchste wissenschaftliche Kriterien: 100 Patienten erhalten zusätzlich zur Standardbehandlung den neuen Wirkstoff, 100 ein Placebo, also ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff. Die Auswahl erfolgt nach Zufallsprinzip. Weder die behandelnden Ärzte noch die Patienten bzw. Angehörigen wissen, welcher Patient, in welcher dieser beiden Gruppen ist.

„Sieben Tage lang bekommen sie zwei Mal täglich eine 30-minütige Infusion mit dem Wirkstoff oder dem Placebo“, sagt Penninger. Die Beobachtungszeit beträgt 29 Tage. Erst wenn dieser Zeitraum bei allen Patienten abgeschlossen ist, kann mit der Auswertung der Daten begonnen werden: „Wenn alles gut geht, könnten wir zu Sommerbeginn ein Ergebnis haben.“

In Österreich nehmen die MedUni Wien, das Kaiser-Franz-Josef-Spital, die MedUni Innsbruck und das Uni-Klinikum Salzburg an der Studie teil, in Deutschland die Uniklinik Hamburg-Eppendorf, das Klinikum rechts der Isar der TU München und in Dänemark vier große Spitäler.

„Ich muss ein großes Lob an die österreichische Regierung aussprechen, die uns sehr unterstützt und einen Teil der Studie finanziert hat“, betont Penninger.

Auch Apeiron-Biologics-Vorstandsvorsitzender Peter Llewellyn-Davies sagt: „Das Bundeskanzleramt, das Wirtschafts- und das Wissenschaftsministerium waren an der Vorbereitung der Studie maßgeblich beteiligt und haben alles getan, was möglich war. Innerhalb von zwei Wochen haben die österreichischen Behörden und die zuständigen Ministerien in Österreich, Deutschland und Dänemark diese Studie zugelassen – das dauert normalerweise Monate.“

Zehn Millionen Euro

Ein Teil der Kosten von rund zehn Millionen Euro wird über öffentliche Förderinstrumente aufgebracht: „Das sind aber keine Sondermittel, sondern Fördertöpfe, die allen zur Verfügung stehen.“ Der zweite Teil der Finanzierung erfolgt über private Geldgeber.

Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, will sich Apeiron um eine rasche, europaweite Zulassung bemühen. Auch in China ist übrigens nach wie vor eine Studie geplant .

Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz, der selbst schon viel Erfahrung in der Therapie von Covid-19-Patienten hat, sieht den Ansatzpunkt des möglichen Medikaments positiv: „Wenn es wirklich in der Lage sein wird, den Eintritt des Virus in die menschlichen Zellen zu blockieren, dann ist das zweifelsohne vielversprechend.“

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