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Wissen Gesundheit
02/23/2021

Welche Risiken die einzelnen Varianten des Coronavirus in sich bergen

Vor allem drei Varianten - aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien - verbreiten sich weltweit. Was man über diese Varianten weiß, hier im Überblick.

von Theresa Bittermann

Viren - wie auch das Coronavirus -  haben es an sich, ständig zu mutieren. Das Genom (Erbgut) des Coronavirus ist etwa 30.000 Buchstaben lang. "Das heißt, die Kopiermaschine dieser 30.000 Buchstaben, die ist fehlerhaft", so erklärte der Virusimmunologe Andreas Bergthaler bereits Anfang Jänner das Auftauchen neuer Virus-Varianten. Eine Virus-Variante beinhaltet mehrere Mutationen des Virus. Also mehrere Sequenzen des Genoms, die vom ursprünglichen Virus abweichen im direkten Vergleich. "Das heißt, wir haben diese Mutationen, die zufällig entstehen und unter Umständen, wenn sie vielleicht einen Vorteil für das Virus liefern, dann können sich die durchsetzen und können zum Beispiel der jeweiligen Variante dazu verhelfen, dass sie sich schneller fortpflanzt in der Bevölkerung", so Bergthaler. Bei der UK-Variante, B.1.1.7, der südafrikanischen Variante, B.1.351 und der brasilianischen Variante, P.1, war das der Fall.

Die britische und südafrikanische Variante wurden schon in Österreich nachgewiesen, nun besteht laut Medienberichten auch ein erster Verdachtsfall auf die brasilianische Variante in Österreich. Die Ages konnte diesen Verdacht auf KURIER-Nachfrage derzeit noch nicht bestätigen. Die Merkmale und Gefahren, die diese Varianten jeweils mit sich bringen, hat der KURIER hier im Überblick. 

B.1.1.7 - die britische Virus-Variante

B.1.1.7 ist leichter von Mensch zu Mensch übertragbar, diese Variante ist infektiöser und kann sich schneller verbreiten als das Wildtyp-Virus. Durch diese höhere Reproduktionszahl ist auch die Ausbreitung der Variante schwerer einzudämmen, heißt es auch der Webseite des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Die leichtere Übertragbarkeit der Variante kann eine Gefahr sein, denn: "Wenn man sich vor Augen führt, dass mehr Ansteckungen dann auch exponentiell mehr schwere Verläufe und mehr Todesfälle mit sich bringen, ist es gefährlicher", sagte Bergthaler. 

Derzeit sieht man bei der britischen Variante eine Verdopplung des Anteils alle zwei bis vier Wochen in Österreich, sagt der Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub (CSH) zum KURIER: "Diese Variante hat in den östlichen Bundesländern das Infektionsgeschehen bereits übernommen." Laut Ages gibt es 1.096 bestätigte Fälle der Variante in Österreich. Eine kleine - und noch nicht kontrollierte - Studie aus Harvard lieferte erste Hinweise, wieso diese Variante ansteckender sein könnte: Die britische Variante ist nicht ansteckender, weil Infizierte eine höhere Viruslast haben, sondern weil sie deutlich länger diese relativ hohe Viruslast haben. Die Ursache ist also nicht die Menge der Viren, sondern die Anzahl der Tage, an denen ein Betroffener ansteckend ist.

Zu Beginn gingen Experten davon aus, dass B.1.1.7 zwar ansteckender sei, aber die Pathogenität - also die Schwere der Krankheitsverläufe - sich nicht vom Wildtyp unterscheidet. Das ist mittlerweile nicht mehr so klar. "Es gibt bei begrenzter Datenlage Hinweise darauf, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte", schreibt das deutsche Robert-Koch-Institut dazu. 

Mittlerweile ist auch ein Subtyp von B.1.1.7 in Großbritannien entdeckt worden. Die berüchtigte Mutation E484K wurde auch in dieser Variante entdeckt, anfangs war sie dort noch nicht vorhanden. Speziell diese Mutation gibt Experten Anlass zur Sorge, mehr dazu bei den anderen Varianten. 

B.1.351 - die südafrikanische Virus-Variante

Laut Ages wurde B.1.351 in Österreich in 279 Fällen bestätigt und in weiteren 303 Fällen besteht ein Verdacht. Auch diese Variante geht mit einer leichteren Übertragbarkeit einher, aber eben nicht nur das. Sie kann auch von bestimmten Antikörpern schlechter neutralisiert werden. Der Grund: die bereits oben genannte Mutation E484K, die übrigens auch in der brasilianischen Variante zu finden ist.

Die Wissenschafterin Penny Moore, die in Südafrika forscht, untersuchte schon im Jänner Blutseren bereits genesener Corona-Patienten. Sie brachte diese Seren mit der neuen Variante zusammen und stellte fest: etwa in der Hälfte der Fälle (sie untersuchte damals 50 Proben) konnten die Antikörper – die nach einer Infektion gebildet wurden – die neue Virus-Variante nicht mehr erkennen. Daten wie diese zeigen, es könnte ein erhöhtes Risiko für Reinfektionen geben. 

Auch die Wirksamkeit des Impfstoffes von Astra Zeneca könnte bei dieser Varianten beeinträchtigt sein, Hinweise darauf liefern erste - aber noch unvollständige - Daten. "Mehrere Studien weisen auch darauf hin, dass Menschen, die an der ursprünglichen Variante erkrankt waren oder einen auf dieser beruhenden Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit B.1.351 geschützt sind – da die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, gegen das veränderte Virus weniger wirksam sind", heißt es vom RKI.

Erste Studienergebnisse zeigen, dass milde Verläufe bei jungen Leuten schlechter verhindert werden können. Es sei aber eben noch nicht geklärt, ob gegen schwere Krankheitsverläufe nicht doch auch der Astra Zeneca Impfstoff bei der Südafrika-Variante wirksam sei, sagte der Impfstoff-Experte Herwig Kollaritsch kürzlich zum KURIER: "Bei allen anderen Virus-Varianten ist er das aber." 

P.1 - die brasilianische Variante

Auch P.1 ist ansteckender als der Wildtyp. Die Variante hat sich vor allem im Bundesstaat Amazonas in Brasilien ausgebreitet - wo eigentlich ein Großteil der Bevölkerung mit dem Ursprungs-Virus bereits infiziert war, auch hier besteht also ein Risiko für Reinfektionen. Das brasilianische Gesundheitsministerium gab im Februar bekannt, die Variante soll drei Mal so ansteckend wie der Wildtyp sein. Belegt wurden diese Aussagen jedoch noch nicht. 

Die Variante ähnelt in den Veränderungen - im Vergleich zum Wildtyp - der südafrikanischen Variante. Auch hier taucht die Mutation E484K auf, die das Risiko zum "Immune Escape" birgt. Dass diese Mutation in diesen beiden Varianten und auch unabhängig davon in der UK-Variante entstanden ist, deutet laut dem Berliner Virologen Christian Drosten auf eine "biologische Relevanz" dieser Mutation hin. 

Seltene Variante B.1.525

B.1.525 ist noch eine seltener nachgewiesene Variante. Sie wurde kürzlich in Neapel nachgewiesen, die Variante war in Italien bisher noch nie gemeldet worden. 32 Fälle gab es auch in Großbritannien hieß es vergangene Woche. Wenige andere Fälle wurden in Nigeria, Dänemark und in den USA gemeldet, hieß es in einer Presseaussendung der süditalienischen Region Kampanien. Über diese Variante ist noch weniger bekannt. 

Auf einer internationalen Datenbank zur den Virusstämmen heißt es jedoch, dass auch in dieser Variante die berüchtigte E484K-Mutation vorkommt. 

Viel Dynamik bei Mutationen, aber kein "Alarm"

Klar sei, dass sich der Virus‐Stammbaum in etwa seit dem Spätherbst verstärkt in Varianten verästelt, die auch weiter vom Stamm weg reichen. Was diese gehäuften Veränderungen bewirken, sei jedoch kaum klar und schwer abzuschätzen. Man müsse wachsam bleiben, aber nicht quasi im Wochentakt in "Alarmismus" verfallen, sagte der Virologe Andreas Bergthaler zur APA.

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