Symbolbild.

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Wissen Gesundheit
02/09/2021

Die weltweite Verbreitung der Südafrika-Variante

Viren entwickeln sich durch Mutationen ständig weiter. Dabei entstehen auch ansteckendere und gefährlichere Varianten.

von Martin Meyrath, Theresa Bittermann

Die Verbreitung der sogenannten Südafrika-Variante B.1.351 des Coronavirus' lässt derzeit die Wogen hochgehen. In Österreich dürfte sie bisher vor allem in Tirol verbreitet sein. Mit Stand Montag gab es dort laut dem Virusimmunologen Andreas Bergthaler 293 Proben, in denen B.1.351 nachgewiesen wurde – sogar bis zu 400, wenn sich alle ungeklärten Verdachtsfälle bestätigen. In allen anderen Bundesländern zusammengenommen gibt es laut Bergthaler bislang neun bestätigte B.1.351-Fälle.

Die Variante hat ihren Weg aber nicht nur nach Österreich gefunden. Laut Daten der WHO wurde der Coronavirus-Stamm B.1.351 bislang in 41 Ländern gemeldet (siehe Grafik). Die Nachweise über die Verbreitung sind zwar gesichert, aber nicht eindeutig. Das bedeutet, dass derzeit niemand mit Sicherheit sagen kann, wie weit verbreitet das Virus tatsächlich bereits ist. Ein positiver Test alleine gibt keine Auskunft darüber, mit welcher Variante des Coronavirus jemand infiziert ist.

Erst die sogenannte Sequenzierung (siehe unten) ermöglicht die Bestimmung des Virenstammes. Dieses Verfahren ist vergleichsweise aufwendig und wird nur bei einem Bruchteil der positiven PCR-Tests angewandt. Diese Ergebnisse hinken zudem dem realen Infektionsgeschehen außerdem etwas mehr hinterher als die Tests zum Infektionsnachweis. Die Sequenzierung zur Bestimmung der Varianten dauert nämlich mehrere Tage. Drittens wird in vielen Ländern aus Ressourcenmangel nur wenig oder gar nicht sequenziert. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Variante B.1.351 bereits weiter verbreitet ist, als belegt werden kann.

Von Südafrika aus

Erstmals gefunden wurde B.1.351 im November vergangenen Jahres am Ostkap in Südafrika in einer Probe vom Oktober. Von dort aus verbreitete sich die Virus-Variante im Land und verdrängte weitgehend andere, ältere Varianten. Die Variante wurde in weiterer Folge in mehreren Ländern Sub-Sahara Afrikas identifiziert.

Zusätzlich zum Landweg verbreitete es sich durch den Flugverkehr aber weltweit. In Europa wurde es erstmals im Dezember in Großbritannien nachgewiesen. Nach letztem Stand ist die Variante seitdem in den meisten Ländern West- und Nordeuropas aufgetreten (siehe Grafik).

Während die britische Variante B.1.1.7 in Österreich insgesamt schon weiter verbreitet ist als B.1.351, bereitet jene südafrikanische Variante den Experten doch mehr Sorge. Sie ist nämlich nicht nur infektiöser, sondern kann von bestimmten Antikörpern auch schlechter neutralisiert werden. Der Grund: E484K. So heißt die viel gefürchtete Mutation, die in der südafrikanischen – und übrigens auch in der brasilianischen – Variante zu finden ist.

Die Wissenschafterin Penny Moore, die in Südafrika forscht, untersuchte schon im Jänner Blutseren bereits genesener Corona-Patienten. Sie brachte diese Seren mit der neuen Variante zusammen und stellte fest: etwa in der Hälfte der Fälle (sie untersuchte damals 50 Proben) konnten die Antikörper – die nach einer Infektion gebildet wurden – die neue Virus-Variante nicht mehr erkennen. Daten wie diese zeigen, es könnte ein erhöhtes Risiko für Reinfektionen geben.

Die besagte Mutation E484K wurde vergangene Woche außerdem in englischen Proben der UK-Variante gefunden. Die Mutation dürfte dort unabhängig von den anderen Varianten ebenfalls entstanden sein. Das deutet laut dem Berliner Virologen Christian Drosten auf eine „biologische Relevanz“ dieser Mutation hin.

Das Genom (Erbgut) des SARS-CoV-2 ist 30.000 Buchstaben lang. Um eine der neuen Virus-Varianten von der bisherigen unterscheiden zu können, muss man diese 30.000 Buchstaben prüfen – das sog. Sequenzieren

Vergleich zur Bestimmung
Die 30.000 Buchstaben lange Kette wird dabei erst in einzelne Abschnitte – mit einer Länge von je etwa 500 Buchstaben – geteilt. Diese Buchstaben geht man dann der Reihe nach durch und sucht dabei nach Unterschieden.  Im Vergleich zu anderen bereits sequenzierten Proben kann man dann Abweichungen, also andere Varianten, erkennen

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