© REUTERS/BRUNO KELLY

Wissen Gesundheit
01/22/2021

Neue Mutation könnte manchen Antikörpern ausweichen

Impfstoffe bleiben Experten zufolge dennoch weiterhin wirksam. Noch keine Hinweise auf betroffene P.1-Variante in Österreich

von Theresa Bittermann

Mehr als 8,4 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus gab es seit Beginn der Pandemie in Brasilien. Das berichtete die New York Times Anfang der Woche. Über 200.000 Menschen sollen in dem südamerikanischen Land bisher am Virus verstorben sein. Brasilien gilt damit als eines der Epizentren der Pandemie. Nun schnellen die Zahlen neuerlich in die Höhe, sogar dort, wo man es nicht mehr erwartet hätte. Eine Rolle dabei könnte eine dort neu aufgetauchte Variante – genannt P.1 – spielen.

In der brasilianischen Stadt Manaus ging man in einer Studie, die im Wissenschaftsmagazin Science erschien, wegen der hohen Infektionszahlen (mehr als 70 Prozent der Menschen hatten nachweisbare Antikörper) von einer bereits bestehenden Herdenimmunität aus. Dem ist jedoch nicht so, wie die jüngsten Entwicklungen zeigen. Co-Autor der Studie und Virologe aus England, Nuno Faria, begann daraufhin Proben der Infizierten zu sequenzieren, um mögliche Veränderungen im Virus festzustellen. In 13 von 31 Proben wurde dabei die neue Virus-Variante gefunden.

"Escape Mutation"

Wieso sich diese Menschen wieder mit dem Coronavirus anstecken konnten, ist in der Forschung noch nicht gänzlich geklärt. Bei ersten Untersuchungen geriet eine spezielle Mutation namens E484K ins Visier. Man findet sie in der brasilianischen aber auch in der südafrikanischen Variante. Der Virologe Lukas Weseslindtner von der MedUni Wien schätzt die Lage ernst ein: „Es könnte sein, dass hier eine ,Escape Mutation’ entstanden ist, die einigen Antikörpern ausweichen kann.“

Dass eine gewisse Immunität bereits Genesener damit völlig aufgehoben ist, sei allerdings ein Trugschluss. Denn die neutralisierenden Antikörper binden nicht nur an einer Stelle. Einige Antikörper können also trotz Mutation ihren Job weiterhin machen. Je nach individueller Zusammensetzung der unterschiedlichen Antikörper wirkt sich diese Mutation auf manche Menschen also stärker oder schwächer aus. Wichtig ist aber: nicht nur Antikörper, sondern auch sogenannte T-Zellen wehren das Virus ab. Und diese Immunantwort ist durch die Mutation nicht beeinträchtigt.

Impfung wirkt dennoch

Um die Wirkung der Impfung muss man sich, dem Impfstoffentwickler und Virologen Otfried Kistner nach, keine Sorgen machen. Denn die beiden bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna würden für eine ausgewogene Menge der unterschiedlichen Antikörper sorgen. „Das ist der Vorteil der Impfstoffe, da können wir das genau einstellen“, so Kistner.

Dass diese Impfungen auch gegen die britische und die südafrikanische Variante wirken, sei bereits durch Labortests bestätigt. Die brasilianische Variante soll nun geprüft werden. Sollte mit einer der Mutanten tatsächlich ein Problem auftreten, könnten die mRNA Impfstoffe innerhalb weniger Tage angepasst werden, beruhigt auch der Impf-Experte Herwig Kollaritsch.

Der in Europa noch nicht zugelassene Impfstoff von AstraZeneca wird nun überarbeitet und dabei an die neuen Varianten angepasst werden. Weseslindtner betonte außerdem noch, dass bei jeder Impfung nicht nur Antikörper, sondern auch T-Zellen gebildet würden, die eine Erkrankung am Coronavirus in jedem Fall abmildern.

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