Erschöpft vom Familienurlaub: Wie man mit Kindern zu Erholung kommt

Für viele Eltern ist der Urlaub mit Kindern anstrengend. Warum das so ist und wie man die freien Tage mit den Kindern besser genießen kann
Eine erschöpfte Mutter liegt am Strand, während ihre Kinder auf ihr spielen.

Kind 1 möchte jetzt sofort ins Wasser, Kind 2 ganz dringend eine Sandburg bauen. Doch zuerst müssen noch alle eingecremt werden, die Luftmatratze aufgeblasen und alles, das man bereits in aller Früh eingepackt hat – die Kinder sind vor Aufregung extra zeitig aufgewacht –, ausgepackt werden. Bei der Ankunft am Strand sind viele Eltern schon erschöpft bevor der Tag richtig losgeht.

Wer dieses Szenario kennt, weiß, dass der Urlaub mit Kindern nicht mit Urlaub ohne Kindern zu vergleichen ist. Während man Erholung und Zeit für sich erhofft, suchen die Kinder Spaß und Action. "Vom Alltag erschöpfte und ausgepowerte Eltern wünschen sich absolut verständlich und zurecht Entspannung im Urlaub, das ist aber unrealistisch", sagt Psychologin Claudia Rupp.

Hohe Erwartungen

Problematisch seien vor allem falsche und zu hoch gesteckte Erwartungen, die mit Kindern nicht umsetzbar sind. "Je mehr Eltern versuchen, ,Urlaub wie früher’ orientiert an ihren eigenen Wünschen zu machen, desto frustrierender wird es für alle. Gegensteuern kann man schon im Vorfeld durch kindgerechte und altersadäquate Planung", meint Rupp.

Das heißt vor allem: Weniger ist mehr. "Es hilft schon, wenn man sich nicht direkt vom Büro ins Auto setzt und nach dem Sonntagabendrückreisestau am nächsten Tag sofort wieder zur Arbeit muss. Das Urlaubsziel sollte auch den Bedürfnissen und dem Alter der Kinder entsprechen – das heißt, möglichst viel Platz, vielleicht eher ein Apartment als ein Hotelzimmer, oder mit Kleinkindern eher Urlaub am Bauernhof als in den heißen Sommermonaten an den überfüllten spanischen Strand", empfiehlt Rupp. 

Wutanfälle und Frustration

Hinzu kommt: Neue Eindrücke, Aktivitäten und heißes Wetter erschöpfen viele Kinder. Es kann zu einer Reizüberflutung kommen, zu Überforderung und Frustration, die wiederum zu schlechter Laune und Wutanfällen führen können. Eltern seien hier genauso gefordert wie zuhause, die Gefühle der Kinder aufzufangen. "Je weniger Erfahrung und Routinen es im Alltag miteinander gibt, je weniger Eltern gewöhnt sind, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, sie zu beschäftigen, je weniger sie ihre Wünsche und Bedürfnisse, aber auch ihre Fähigkeiten kennen, desto schwieriger wird es eine für alle schöne Zeit miteinander zu verbringen", sagt Rupp. 

Für kleine Auszeiten können Urlaube gemeinsam mit Familienmitgliedern wie Großeltern oder mit befreundeten Familien sorgen. Psychologin Rupp: "Der Grundsatz lautet: Urlaub mit Kindern kann für die Eltern nur schön und entspannt sein, wenn er für die Kinder schön ist!"

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