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Wissen Gesundheit
03/16/2021

Thrombose und Covid-Impfung? Warum der Vergleich mit der Pille nicht ganz zulässig ist

In den sozialen Medien machen Frauen auf die Thrombosengefahr durch die Antibabypille aufmerksam. Experten sagen, die Pille allein erhöht Thrombosen nicht.

von Ingrid Teufl, Elisabeth Gerstendorfer, Ernst Mauritz

Seit die Frage nach einem möglichen Zusammenhang von Thrombosen und der Corona-Impfung (vor allem mit dem Vakzin von Astra Zeneca) aufgetaucht ist, hat sich nun in den sozialen Medien eine Debatte um die Gefahr solcher Blutgerinnsel durch die Pille zur Empfängnisverhütung entwickelt.

Etwa auf dem Kurznachrichtendienst Twitter machten viele Frauen darauf aufmerksam. Sie kritisierten unter anderem, dass diese Gefahr wesentlich realer sei - darüber werde aber nicht geredet.

Zuletzt kursierte vor allem in den sozialen Medien der Vergleich von Thrombosefällen bei der Antibabypille und möglicherweise durch die Astra Zeneca-Impfung hervorgerufene Thrombosen, berichtete Deutschlandfunk. Demnach kommen normale Thrombosen bei der Antibabypille deutlich häufiger vor als nach den Impfungen.

Grafiken unter Berufung auf Zahlen der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) verbreiten zum Beispiel die Aussage: 1.100 Thrombosefälle kämen auf eine Million Frauen, während es bei Astra Zeneca-Impfungen bloß sechs auf eine Million seien.

Kein zulässiger Vergleich

Doch ist ein Vergleich zwischen Thrombosen bei der Pille und der Corona-Impfung überhaupt zulässig? Nein, betont Thomas Gary, Präsident der Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA). „Eine Parallele zur Antibabypille zu ziehen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Frauen, die die Antibabypille nehmen, sind nicht generell gefährdet.“

Die Einnahme der Pille sei nur gemeinsam mit Übergewicht und Rauchen und in den ersten Monaten der Einnahme Thrombose-gefährdend. Es gehe „praktisch immer" um mehrere Komponenten. „Die Pille allein triggert in der Regel keine Thrombose", sagt Gary.

Anders ausgedrückt: Die Pille kombiniert mit Rauchen ist ein Risikofaktor für Thrombosen, aber in den Beinen und als Lungenembolie.

Hirnvenen-Thrombosen

Ähnlich argumentieren andere Experten, die der KURIER konsultierte - insbesondere in Zusammenhang mit Hirnvenen-Thrombosen, die zuletzt für Sorge beim Astra Zeneca-Impfstoff gesorgt hatten. „Ein Zusammenhang mit Hirnvenenthrombosen ist nicht typisch für den Pillenkonsum.“

Angiologoe Thomas Gary erklärt, wie es überhaupt zu dieser Art von Thrombosen kommen kann. Normalerweise tritt das spontane Heparininduzierte Thrombopeniesyndrom (HIT) – wie der Name sagt – nach der Gabe von Heparin auf. Heparin ist ein wichtiger Bestandteil für die Blutgerinnung. Der Wirkstoff, den der Körper selbst produziert, wird auch therapeutisch eingesetzt - etwa zur Auflösung von bereits entstandenen Blutgerinnseln (Thrombosen).

„Die Patienten entwickeln Antikörper, die gegen Blutplättchen gerichtet sind und dazu führen, dass sich die Blutplättchen quervernetzen. Es kommt zu Gerinnseln im ganzen Körper, gleichzeitig haben die Patienten wenig Blutplättchen“, sagt Thomas Gary.  Das HIT tritt bei ca. einem von 1000 Patienten auf, etwa eine Woche nach der Gabe von Heparin.

Antikörper als immunologisches Ereignis

„Die Patienten, die aufgrund der Impfung ähnliche Symptome bekommen haben, haben kein Heparin bekommen. Aber sie haben Antikörper als immunologisches Ereignis entwickelt, die zu Blutgerinnseln führen. Das ist extrem selten. Dadurch, dass aber so viele Menschen geimpft werden, fallen sie auf“, sagt Thomas Gary.

Etwa einer von 30.000 Menschen entwickelt HIT-ähnliche Symptome. „Das ist extremst selten und meist gut behandelbar“, meint Gary.

Warum traf es Frauen?

„Auffällig war, dass die ersten Frauen waren. Das kann aber auch Zufall sein, die Fälle sind viel zu selten, um das Geschlecht als einen Risikofaktor zu sehen. Wir wissen bis jetzt auch noch nicht, ob das Auftreten der Symptome mit den Impfungen zusammenhängt.“

Auffällig ist, dass es ca. 1,5 Wochen nach der Impfung zu diesem Phänomen kommt. Das ist natürlich abklärungsbedürftig und es ist wichtig, dass alle Fälle dokumentiert, zentral gesammelt und innerhalb Europas weitergegeben werden, damit aufgrund medizinischer Fakten das weitere Vorgehen entschieden werden kann. Derzeit überwiegt der Vorteil der Impfung das Risiko“, sagt Gary.

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