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Wissen Gesundheit
03/15/2021

Aufregung um Astra Zeneca: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Deutsches Institut nennt sehr seltene Gefäßverschlüsse von Hirnvenen als einen Grund für den Impf-Stopp in Deutschland.

von Theresa Bittermann, Elisabeth Gerstendorfer, Ernst Mauritz

"Ich sitze gerade mit sehr gemischten Gefühlen und Angstzuständen nach meiner Astra-Zeneca-Impfung zu Hause", schreibt eine Kindergruppenbetreuerin an den KURIER. "Jeder kleinste Kopfschmerz verbreitet Panik." Die Meldung, dass auch Deutschland die Impfung mit Astra Zeneca vorübergehend aussetzt, wird die Sorgen vieler nicht geringer machen.

Warum Deutschland so entschieden hat und welche Fragen sich noch rund um die Aufregung um den Impfstoff ergeben. 

Warum stoppt Deutschland jetzt den Impfstoff?

Die Datenlage hätte sich seit vergangener Woche geändert, heißt es vom deutschen Paul-Ehrlich-Institut. Im neuen Datensatz gebe es eine "auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff Astra Zeneca". Eine Bewertung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu den neuesten Fällen steht noch aus – sie sieht derzeit den Nutzen der Impfung in der Verhinderung von Spitalsaufenthalten und Todesfällen durch Covid-19 nach wie vor größer als mögliche Risiken.

In Deutschland sind sieben Fälle solcher Hirnvenenthrombosen auf  1,6 Millionen Impfdosen nachgewiesen – das entspricht also einer Person von etwa 228.000.  Das ist mehr, als normalerweise in der Bevölkerung in dem Zeitraum seit Impfbeginn zu erwarten wäre. Da diese Fälle anscheinend kurz nach der Impfung aufgetreten seien, sei dies "selbstverständlich schon verdächtig und sollte untersucht werden", erklärte die Vakzinologin Anke Huckriede von der Universität Groningen in den Niederlanden. Fakt bleibe aber, dass diese Thrombosen sehr selten beobachtet werden.

Wie äußern sich solche Hirnvenenthrombosen?

Laut Paul-Ehrlich-Institut sollten sich Personen, die den Impfstoff von Astra Zeneca erhalten haben "und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – z.B. mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen – unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben". – "Es handelt sich um eine Verstopfung sehr oberflächlicher Venen im Gehirn", sagt der Neurologe Thomas Berger, Vorstand der Klinik für Neurologie der MedUni Wien. "Darüber hinaus können auch schlaganfallähnliche Symptome auftreten, von Lähmungen bis hin zu epileptischen Anfällen. In solchen Fällen lässt sich das Gerinnsel aber praktisch immer gut mit Heparin auflösen, es bleiben üblicherweise keine Folgeschäden zurück."

Bisher war vor allem von Lungenembolien die Rede. Sind diese nur im zeitlichen Zusammenhang nach einer Impfung mit Astra Zeneca aufgetreten, oder auch nach anderen?

"Im Vereinigten Königreich wurden vom Astra-Zeneca- und vom Biontech-Pfizer-Impfstoff jeweils rund zehn Millionen Dosen verimpft", schreibt der "Science Buster" Martin Moder auf Twitter. Bei Astra Zeneca gab es 13 Fälle einer Lungenembolie im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung, bei Biontech waren es 15. "Muss man wegen Covid-19 ins Spital, ist die Chance auf eine Thrombose (Blutgerinnsel) etwa 1:6“. Statistisch gibt es bisher nicht mehr Fälle als auch ohne Impfungen zu erwarten wären. „Lungenembolien sind grundsätzlich sehr häufig", sagt Lungenfacharzt Michael Studnicka, Leiter der Universitätsklinik für Pneumologie in Salzburg, "wir sehen jede Woche mehrere solcher Patienten".

Kann ich bei der zweiten Teilimpfung einen anderen Impfstoff bekommen?

Nein, momentan ist das nicht möglich. Weil es noch keine ausreichenden Daten zum Mischen der Impfstoffe gibt. Die Universität von Oxford hat bereits eine Studie dazu laufen. Bis es tatsächlich eine Zulassung für den kombinierten Einsatz geben könnte, dürfte es aber noch dauern, "mindestens sechs Monate", schätzt die Impfstoff-Expertin Christina Nicolodi. Aus eigenen Forschungen zur Influenza-Impfung wisse sie, dass sich große Unterschiede beim Ablauf der Antikörperbildung ergeben können, je nachdem, ob man Impfstoff A zuerst bekommt und dann B – oder umgekehrt. Das sind sehr langwierige und komplizierte Studien." Deshalb wird ein Mix derzeit nicht empfohlen.

Warum kann man den Impfstoff nicht frei wählen?

Derzeit kann man aufgrund der Abstände der beiden Impftermine nur schließen, ob es sich um Astra Zeneca (3 Monate), Biontech (3 Wochen) oder Moderna (4 Wochen) handelt. Dies ist aber keine Garantie dafür, welcher Impfstoff am Impftermin tatsächlich verfügbar ist. "Aufgrund der sich ständig ändernden Lieferungen ist es nicht möglich, fixe Zusagen zu machen, wer welchen Impfstoff bekommt. Natürlich kann man am Tag der Impfung wieder nachhause gehen, logistisch ist das aber ein Riesenaufwand", meint Phillipp Gutlederer vom Notruf Niederösterreich. Er empfiehlt mit dem Hausarzt darüber zu sprechen, grundsätzlich seien alle Impfstoffe zugelassen und sicher.

Was passiert, wenn man Astra Zeneca ablehnt?

Wer einen Impftermin ablehnt, kann sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder anmelden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Das heiße aber nicht, dass man dadurch einen anderen Impfstoff zugewiesen bekommt. "In Wien werden etwa acht Prozent der Termine verschoben oder storniert. Das bedeutet nicht, dass die Leute hinten angereiht werden, sie werden zu einem späteren Zeitpunkt für einen neuen Termin kontaktiert", sagt Mario Dujakovic, Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Negative Folgen hat das keine, es muss auch kein Grund für eine Absage angegeben werden. In Niederösterreich ist es ebenso. Sollten laut behandelndem Hausarzt medizinische Gründe gegen einen Vektorimpfstoff sprechen, kann in Wien ein Termin für eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff vereinbart werden. Das betrifft etwa eine schwere Impfreaktion in der Vergangenheit, sagt Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Ärztekammer.

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