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Wissen Gesundheit
10/12/2021

CO2-Messgeräte: Warum US-Eltern sie in die Schulen schmuggeln

In den USA geben Eltern die Geräte den Kindern heimlich mit, in Belgien sind sie Pflicht. Warum sie so effektiv sind.

von Elisabeth Gerstendorfer

Zwischen Stiften, Heften und Büchern steckt in manchem US-amerikanischen Schulrucksack dieser Tage ein CO2-Messgerät. Viele Eltern vertrauen den Schulbehörden nicht mehr, wenn es um die Reduktion des Ansteckungsrisikos in den Klassenräumen geht, wie die New York Times berichtet. Mithilfe der über die Kinder eingeschmuggelten Messgeräte wollen sie erfahren, wie es um die Lüftung und damit um die Verbreitung von Viren in den Klassen steht.

Auf Twitter tauschen sie sich  darüber aus, wie das Gerät positioniert sein muss, damit es auch im Rucksack oder der Hosentasche funktioniert. Dazu wird der Hashtag #CovidCO2 genutzt, er besteht bereits länger und bietet einer „internationalen Bewegung zur Guerilla Luftüberwachung“, wie es ein User beschreibt, Platz zum Austausch.

Doch was haben die Geräte, die den Kohlendioxid-Gehalt in der Luft messen, mit Covid-19 zu tun? „Neben Aerosolpartikeln und möglicherweise Viren, atmet der Mensch Kohlendioxid aus. Nimmt der Anteil der ausgeatmeten Luft in einem Raum zu, so steigt auch die Konzentration von CO2. Die Messgeräte dienen also als Indikator für das Lüften“, sagt Bernadett Weinzierl, Aerosolforscherin an der Uni Wien. Sie melden, wenn der Wert zu hoch wird und erinnern so daran, Fenster zu öffnen oder Luftfiltergeräte zu benutzen.

Aerosole und Viren

Dieser Luftaustausch ist notwendig, da sich in einem geschlossenen Raum mit mehreren Menschen Virenpartikel anreichern können. Es geht dabei nicht um die Tröpfchen, die eine infizierte Person durch Niesen oder Husten ausstößt – sie sind schwerer als Luftpartikel und fallen zu Boden. Problematisch können allerdings Aerosole werden – die kleinen Partikel, die wir ausatmen und an denen bei Infizierten Viruspartikel anheften. „In einem geschlossenen Raum kann man sich die Anreicherung der Luft mit ausgeatmeten Aerosolen vorstellen wie Wassertropfen, die in eine Tasse fallen. Je mehr ich hineinfallen lasse, desto voller wird die Tasse“, sagt Weinzierl.

Je mehr Menschen in einem Raum sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Person darunter ist. Wird nicht regelmäßig gelüftet, können über die Ausbreitung der Aerosole – sie schweben stundenlang im Raum – Viren weitergegeben werden. CO2-Messgeräte können zwar keine SARS-CoV-2-Viren erkennen, sie zeigen aber z.B.über einen Weckruf an, wann es Zeit für einen Luftaustausch ist. Denn: Steigt das CO2, steigen auch die Aerosole. Die Geräte sind also vor allem in Räumen sinnvoll, wo viele Menschen zusammenkommen – etwa Schulen, Theater,  Fitnessstudios, Restaurants.

Kostengünstig

Die Messung des Kohlendioxidgehalts ist kostengünstig – die Geräte kosten zwischen 90 und 500 Euro. In Belgien zählen sie seit dem Sommer zum fixen Inventar von Restaurants, Spitälern, Altenheimen, Konzert- und Sporthallen sowie Fitnessstudios. CO2-Messgeräte sind dort nicht nur verpflichtend, sie müssen per Gesetz auch für die Kundinnen und Kunden bzw. Patientinnen und Patienten sichtbar sein. In vielen weiteren Ländern taten sich in den vergangenen Monaten Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer zusammen, um CO2-Messgeräte in die Schulen zu bringen – mit mäßigem Erfolg.

In Österreich hat erstmals vergangene Woche das Land Niederösterreich die Anschaffung von bis zu 10.000 Geräten angekündigt – sie sollen in Kindergärten und Schulen eingesetzt und noch im Oktober ausgeliefert werden. Andere Anschaffungen beruhen auf Initiativen von Lehrerinnen und Lehrern oder Eltern.

Unterschätztes Lüften

Zu viele unterschätzen bisher die Bedeutung des Lüftens – auch Expertinnen und Experten, wie ein kürzlicher Appell zeigt: Mehr als 200 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus verschiedenen Ländern riefen  die WHO auf, luftgebundene Übertragungswege  ernster zu nehmen.

Wie gut der Luftaustausch durch Lüften gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa der Raumgröße und der Anordnung der Fenster und Türen. Ideal ist, wenn ein Fenster und diagonal dazu eine Tür geöffnet werden können. Ist nur eine Öffnung auf einer Seite möglich, hilft ein Ventilator, der in der Tür positioniert wird. Auch Luftreiniger, das sind eigene Geräte, können für Luftaustausch sorgen. Ihre Anschaffung ist jedoch deutlich teurer als ein CO2-Messgerät und bietet sich vor allem für Räume an, die nicht über Fenster und Türen gelüftet werden können.

Die Schmuggelaktionen in den USA werden von den meisten Schulen übrigens nicht geduldet – auch wenn viele Direktionen einlenkten, sobald Eltern sie mit zu hohen Werten konfrontierten und in der Folge die Lüftungssituation verbesserten.

Was wird angezeigt?

Der Wert des Kohlendioxids wird in „ppm“ (parts per million, Anteile pro Million) angegeben. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt 800 bis 1000 ppm Kohlendioxid für mittlere Raumluftqualität und 1000 bis 1400 ppm Kohlendioxid für mäßige Raumluftqualität. Diese Werte sind laut der deutschen Stiftung Warentest streng angesetzt, gleichzeitig wird aber betont, dass besonders in Räumen, in denen sich viele Menschen aufhalten, niedrige CO2-Werte wichtig seien.

Es gibt reine CO2-Ampeln, die meist nur über ein Display verfügen, das den CO2-Gehalt in Ampelfarben anzeigt – Rot steht für schlechte Raumluft und signalisiert, dass es Zeit zum Lüften ist. Mehr erfährt man meist nicht. Andere Geräte liefern – oft zusätzlich zu einer Ampel – den CO2-Wert in ppm sowie weitere Informationen, etwa die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Die Geräte sind teils per App steuerbar. Manche sind mobil, andere werden montiert. Die Ergebnisse eines Tests der Stiftung Warentest finden Sie hier...

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