Wissen | Gesundheit
05.04.2018

Schmerzhafter Sex & Co.: Was nach der Geburt (auch) bleibt

Eine britische Umfrage zeigt, dass Frauen oft noch Monate und Jahre nach der Geburt an schmerzhaften Folgen leiden.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Sport, Blasenschwäche, Probleme mit dem Beckenboden: Über die unangenehmen Folgen der Geburt wird selten gesprochen. Eine Erhebung der Mama-Plattform Mumsnet beleuchtet die körperlichen Einschränkungen und Schmerzzustände, die Mütter nach der Niederkunft erleben. Die Zahlen, die im Rahmen einer Kampagne zur Förderung der postnatalen Versorgung (#BetterPostnatalCare) erhoben wurden, legen außerdem nahe, dass der Großteil der Mütter in den Monaten nach der Geburt medizinisch unzureichend versorgt wird.

Im Zuge der Untersuchung gab über ein Drittel (36 Prozent) der befragten Mütter zu, Sex nach der Geburt als schmerzhaft zu empfinden. Allerdings sagten nur vier Prozent dieser Befragten, nach der Niederkunft medizinisch "sehr gut" oder "gut" versorgt worden zu sein. 13 Prozent stuften ihre Versorgung als "angemessen" ein. Und die überwiegende Mehrheit, nämlich 75 Prozent, gab an, gar nicht erst um Hilfe gebeten zu haben.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei jenen Befragten, die über Blasenschwäche und Probleme mit dem Beckenboden berichteten (42 Prozent). Hier gaben 18 Prozent der Frauen an, "angemessene" oder "sehr gute" Versorgung genossen zu haben, während 70 Prozent keinerlei Unterstützung bekamen.

Hemmungen und Scham

Diese Zahlen erklären sich primär dadurch, dass ein Viertel der Frauen es sich nicht anmaßt, ein erfülltes Sexualleben oder einen funktionierenden Beckenboden nach der Geburt zu priorisieren. Hemmungen und Scham scheinen Mütter davon abzuhalten, Ärzte oder medizinisches Personal zu konsultieren.

Damit nicht genug: 56 Prozent der Befragten glaubten, dass die Nationale Gesundheitsbehörde in Großbritannien Probleme beim Sex und Inkontinenz als ganz normale Begleiterscheinungen einer Geburt einstuft, die keiner Behandlung bedürfen.

"Brauchen ehrliche Debatte über Geburt"

Defizite gibt es offenbar auch bei der Versorgung nach Kaiserschnitten: 34 Prozent der Frauen gaben an, nach einem Kaiserschnitt keine angemessene Wundversorgung bekommen zu haben.

"Für die meisten Mütter bedeutet die Geburt glücklicherweise ein Baby – aber sie bedeutet auch Tränen und Wunden, und für manche eben unangenehmen Sex, Blasenschwäche oder eine Gebärmuttersenkung, die jahrelang andauen kann", kommentiert Justina Roberts, Gründerin von Mumsnet, im Gespräch mit dem Independent die Ergebnisse. "Wir brauchen eine ehrliche Debatte darüber, was die Geburt für Mütter bedeuten kann", fordert Roberts. Man müsse Müttern das Gefühl geben, dass "sie ein Recht darauf haben, mit Medizinern über diese Symptome zu sprechen und wirksame Behandlungen zu erhalten."

Debra Bick, Hebammenausbildnerin am King’s College London, fügte im Interview mit dem Independent hinzu, dass die nachgeburtliche Versorgung seit jeher stark vernachlässig werde – "und das obwohl eine hohe Anzahl von Frauen hartnäckige Probleme nach der Geburt erlebt, die weit über die sechs- bis achtwöchige postnatale Phase hinausgehen". Bick zufolge sei es inakzeptabel, die postnatale Versorgung weiterhin zu "ignorieren".