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Wissen Gesundheit
04/29/2021

Neue Empfehlung: Schwangere sollen bevorzugt RNA-Impfstoffe bekommen

Schwangere können sich mittels "Off-Label-Use" impfen lassen. Für sie ist noch keiner der Corona-Impfstoffe zugelassen. Daher bedarf es spezieller Aufklärung.

von Theresa Bittermann, Ernst Mauritz

Infiziert sich eine Schwangere mit dem Coronavirus hat sie ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf als eine Nicht-Schwangere. Konkret heißt das: "Ein schwerer Erkrankungsverlauf mit Lungenentzündung, stationärer sowie intensivmedizinscher Betreuung war im Durchschnitt bei ungefähr 15% der erkrankten Schwangeren notwendig, im Vergleich zeigten nicht-schwangere Frauen mit Covid-19 Erkrankung lediglich in circa 5,8% einen schweren Verlauf mit Notwendigkeit einer stationären Betreuung", fasst Herbert Kiss, Leiter der Geburtshilfe an der Uniklinik in Wien, im KURIER-Interview zusammen.

Um vor einer Infektion geschützt zu sein, sind Personen aus dem Umfeld von Schwangeren verstärkt dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Aber auch Schwangere selbst haben dazu die Möglichkeit - unter speziellen Bedingungen. Fragen und Antworten im Überblick. 

Können sich Schwangere impfen lassen? 

Ja, denn schwangere Frauen haben ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe, wenn sie an Corona erkranken. Laut der Priorisierung des Nationalen Impfgremiums gilt für diese Gruppe eine "erhöhte Priorität" beim Impfen, wie etwa für 70- bis 74-Jährige. 

Aber dabei es handelt sich um einen sogenannten Off-Label-Use. Denn eine offizielle Zulassung für Schwangere hat noch keiner der Corona-Impfstoffe, "weil es bisher noch keine Studie gibt, die dezidiert die Impfung von Schwangeren untersucht hat", erklärt Barbara Maier, Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Ottakring. "Durch die große Impfbewegung in den USA hat man von dort schon Daten von 70.000 Schwangeren, bei denen keine negativen Auswirkungen durch die Impfung beobachtet wurden." So auch die Argumentation vom Nationalen Impfgremium.

Was genau bedeutet ein Off-Label-Use?

Entscheidend bei einem Off-Label-Use ist die individuelle Aufklärung der Schwangeren und ihre Einwilligung vor der Impfung. "Es wäre wohl am besten, wenn in der Impfstraße dann zum Beispiel ein Facharzt für Gynäkologe und Geburtshilfe vor Ort ist", sagt Maier. 

Um definitiv ausschließen zu können, dass neben den bekannten Risiken nicht auch bislang unbekannte Risiken bei der Corona-Schutzimpfung von Schwangeren auftreten könnten, gebe es noch zu wenige Daten, schreibt die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Und empfiehlt daher einen standardisierten Aufklärungsbogen zu verwenden, in dem etwa dokumentiert wird, welcher Impfstoff verwendet wird. 

Wieso haben Schwangere eine "erhöhte Priorität"?

Weil sie ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen im Rahmen einer Covid-19 Infektion aufweisen. Insbesondere ist das Risiko für eine Frühgeburt um das dreifache erhöht, berichtet Maier aus eigener Erfahrung.  Die Klinik Ottakring ist seit Beginn der Pandemie erste Anlaufstelle für mit Sars-Cov-2 infizierte Gebärende. 

Was müssen Schwangere bei der Impfung speziell beachten? 

Eine Impfung ab der 14. Schwangerschaftswoche ist sinnvoll, sagt Herbert Kiss von der Uniklinik Wien. Außerdem solle bevorzugt mit mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer, Moderna, in Zukunft auf Curevac) geimpft werden, da es dazu einerseits mehr Daten gebe. Aber auch, weil "Schwangere per se ein höheres Thromboserisiko haben", will man vorerst auf die Vektorimpfstoff eher verzichten, sagt Herwig Kollaritsch aus dem Nationalen Impfgremium. 

"Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren vor, diese ließen ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkennen", heißt es in den Anwendungsempfehlungen des Österreichischen Impfgremiums. "Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind ... Nach einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Evaluierung kann demnach die Impfung gegen Covid-19 mit einem mRNA-Impfstoff bei Schwangeren vorgenommen werden . . . Ein Verschieben der Impfung in das 2. oder 3. Trimenon als Vorsichtsmaßnahme ist angezeigt, um theoretischen Bedenken zu entgegnen."

Bei einer solche Nutzen-Risiko-Abwägung spielt etwa eine Rolle, ob eine Schwangere beruflich viele Kontakte hat oder z. B. im Homeoffice arbeiten kann.

Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder auch Fieber sind bei Schwangeren wie bei allen anderen Geimpften möglich. "Wenn Impfreaktionen auftreten insbesondere Fieber sollte dieses sofort behandelt werden", betont Gynäkologin Maier.

Welchen Effekt hat eine Impfung auf das ungeborene Kind?

Negative Auswirkungen seien für die werdenden Mütter wie auch für ihre Babys bisher keine beobachtet worden. Im Gegenteil: "Impft man Schwangere, schützt man damit zwei Menschen, die Mutter und ihr Kind. Antikörper werden von der Mutter an das Baby weitergeben. Auch durch das Stillen wird das Baby geschützt", sagt Maier. 

Welche Bedeutung hat das Umfeld einer Schwangeren?

"Eine Impfung reduziet das Übertragungsrisiko einer Infektion um 75 Prozent", sagt Kollaritsch. „Deshalb sollte die Umgebung von Schwangeren gut geimpft werden – so wird eine schwangere Frau indirekt durch den Cocooning-Effekt geschützt."

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