Datenanalyse spricht gegen Anwendung von Chloroquin und Hydroxychloroquin

Eine umfangreiche Datenanalyse spricht gegen Anwendung von Chloroquin und Hydroxychloroquin.

© APA - Austria Presse Agentur

Wissen Gesundheit
05/26/2020

Datenanalyse: Mehr Todesfälle durch Chloroquin?

Die Daten von 96.000 Covid-19-Patienten zeigten gravierende Nebenwirkungen.

von Ingrid Teufl

Mal will er SARS-CoV-2-Infizierten Desinfektionsmittel in die Venen jagen, mal propagiert er ein Malariamittel als Wunderwaffe bei schweren Krankheitsverläufen: Die höchst fragwürdigen Corona-„Empfehlungen“ von US-Präsident Donald Trump sind bereits jetzt legendär. Dazu passt, dass er bekundete, das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin selbst prophylaktisch einzunehmen. Um erst jüngst einzuräumen, damit wieder aufgehört zu haben.

Trumps Werbung oder die ähnlich lautenden Lob-Hymnen von Brasiliens Präsident Bolsonaro waren allerdings nicht der Grund für die Weltgesundheitsorganisation WHO, eine Studie zu starten. Im Rahmen der großen „Solidarity“-Studie sollte der Nutzen des Wirkstoffs in der Covid-19-Therapie untersucht werden.

Nun verkündete die WHO das Ende: In der Vorwoche hatten Forscher der renommierten Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich ihre Ergebnisse im renommierten Medizin-Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Sie hatten die Daten von 96.000 Patienten, die in hunderten Spitälern weltweit mit Hydroxychloroquin oder Chloroquin behandelt worden waren, verglichen. Die Ergebnisse zeigten keine Vorteile für die Covid-19-Patienten. Im Gegenteil – das Sterberisiko erhöhte sich. Verantwortlich dafür scheinen laut den Forschern gravierende Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen zu sein.

Bewährt bei Malaria

Bewährt sind Hydroxychloroquin oder Chloroquin seit Langem in der Therapie von Malaria und bei Autoimmunerkrankungen wie etwa „Lupus“. Für diese Patienten gelten sie „als sicher in der Anwendung“, betonte WHO-Vorsitzender Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Warum man auch in der Behandlung von Covid-19 durchaus große Hoffnungen in den Wirkstoff setzte, geht auf die Zeit des Pandemiebeginns zurück. Damals brachte eine kleine französische Studie Hinweise darauf, dass das Virus durch das Medikament rascher aus dem Rachen entfernt wird. Das hätte eine Verlagerung in die tieferen Atemwege verhindert.

Wie der KURIER bereits in der Vorwoche berichtete, zeigten sich aber keine positiven Veränderungen bei schweren Erkrankungen. Das hatte Intensivmediziner Walter Hasibeder von der Fachgesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) betont. Er hatte das Präparat auch bei Covid-19-Patienten im Spital Zams angewendet. Ingrid Teufl

An mehr als 400 Projekten (Medikamente und Impfstoffe) wird derzeit geforscht – auch die Zahl klinischer Studien rund um die Erkrankung erhöht sich ständig. Ein Blick in die medizinische Datenbank clinicaltrials.gov zeigt: Allein seit Anfang April haben sich diese auf inzwischen mehr als 1.600 vervierfacht. Rund 900 dieser Studien zielen auf die Testung von Medikamenten oder anderen Therapien ab.

Neben der Entwicklung eines Impfstoffs ist der Einsatz von Medikamenten, die bereits für andere Erkrankungen zugelassen wurden, eine Stoßrichtung. In diese Gruppe fällt etwa der Wirkstoff Chloroquin, der für die Behandlung von Malaria und Autoimmunerkrankungen zugelassen ist.

Am erfolgreichsten im „off label“-Einsatz gilt derzeit Remdesivir. Das antivirale Medikament wurde  eigentlich gegen Ebola entwickelt, zeigte aber damals keinen Erfolg. Nun wird es in Studien weltweit an Covid-19-Patienten getestet: Viele dieser Studien zeigen eine reduzierte Sterbezahl und eine bessere Erholung schwer erkrankter Menschen.  Die Evidenz dieser Daten sei mittlerweile ausreichend  für einen kontrollierten Einsatz in ausgewählten Zentren, heißt es laut der BBC etwa von britischen Gesundheitsbehörden. iteu

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