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Wissen Gesundheit
11/24/2021

Covid-Intensivpatienten: "Menschen, die aus ihrem Berufsleben gerissen werden"

Eine Intensivmedizinerin und die Pflegedirektorin des Wiener AKH erzählen aus ihrem Alltag mit steigenden Patientenzahlen und ihrem Umgang damit.

von Ingrid Teufl

„Menschen, die aus Berufsleben gerissen werden“: Intensivmedizinerin Eva Schaden über Behandlungen

Wer derzeit auf  jene Intensivstation im Wiener AKH verlegt wird, die Eva Schaden von der MedUni Wien leitet,  ist schwer an Covid-19 erkrankt. So schwer,  dass sie oder er an eine Herz-Lungen-Maschine – im Fachjargon ECMO  (Extrakorporale Membranoxygenierung) – angeschlossen werden muss. Das Blut wird mit technischer Hilfe mit Sauerstoff angereichert. Vier von fünf Patienten auf der Station brauchen derzeit diese lebenserhaltende Therapie.

Keine Hochbetagten übrigens. „Es sind mittlerweile regelhaft Menschen, die aus dem Berufsleben herausgerissen werden“, sagt die Intensivmedizinerin. Sie  verhehlt auch nicht: Sie sind ungeimpft. Es gebe zwar auch geimpfte Intensivpatienten. „Das ist aber nicht die Regel.“

Die Pandemie hat die Arbeit auf der  Intensivstation verändert. Vor allem, was die Arbeitsintensität angeht. „Normalerweise teilt sich der Gesundheitszustand der Patienten auf: Einige sind schwer erkrankt, einige bereits am Weg der Besserung. Bei Covid-19 sind aber alle sechs  Betten der Station gleichzeitig mit Schwerstkranken belegt.“ Ein Kraftakt für das Team, das im Betreuungsschlüssel 1:1,5 oder 1:2 arbeitet.  Und das nicht nur wenige Tage.  Eine ECMO-Therapie kann durchaus  zwei Monate dauern.  

Reicht eine technisch und betreuungsmäßig weniger aufwendige Behandlung, verbringen  Covid-Patienten im Durchschnitt drei Wochen auf einer Intensivstation oder einer sogenannten IMCU-Station (Intermediate Care Unit).  Letztere sind Überwachungsstationen  und so etwas wie ein Bindeglied zwischen Normal- und Intensivstationen. 

Was die Pandemie ebenfalls veränderte:  In Aufwachräumen, die eine bestimmte technische Ausstattung ermöglichen, wurden Intensivbetten installiert. „Die Räume sind so konzipiert, dass Patienten für eine bestimmte Zeit überwacht werden können, etwa nach Operationen. Sie sind aber nicht dafür konzipiert, dass Patienten dort 24 Stunden oder mehr liegen.“

Eine Konsequenz davon: Fehlen klassische Aufwachräume, können auch manche Operationen nicht stattfinden.

„Altlasten aus früheren Wellen nehmen wir mit“: AKH-Pflegedienstdirektorin Sabine Wolf über Druck

„Allen ist bewusst: Da müssen wir jetzt durch. Aber die Belastung steigt, je länger die Pandemie dauert.“

Das sagt Sabine Wolf, die als  Pflegedienstdirektorin verantwortlich für rund 3.000 Pflegekräfte im Wiener AKH ist. Knapp  1.000 davon sind im  größten Krankenhaus Österreichs in der Intensivmedizin tätig. „Gerade auf Intensivstationen ist die Pflege der Patienten sehr aufwendig, da ist die Pflege sehr spezialisiert.“

Die Pandemie fordert die Pflegekräfte besonders, gesteht Wolf. „Ja, wir sind am Limit.“ Die größte Belastung  ist die Unsicherheit: Wie geht es morgen weiter? In den nächsten Tagen? Der Druck steigt. Auf allen Ebenen.

Die Wünsche, die die Pflegedienstdirektorin in ihren Gesprächen mit Mitarbeitern hört, überraschen aus dieser Perspektive nicht: Mehr Zeit, um sich optimal auf die Umstände einzurichten, mehr Planungssicherheit. „Es gibt kaum Freizeit momentan – und selbst diese wird noch fünf Mal umgeplant.“

Dass nach der sommerlichen Entspannung der Covid-Infektionen  wieder alles von vorne beginnen könne, verneint Wolf.  „Wir können nicht jede Infektionswelle für sich alleine stehend sehen. Wir haben auch noch Patienten aus früheren Wellen zu betreuen. Diese Altlasten nehmen wir weitterhin mit.“

Was aus der Sicht der Pflege-Expertin in der Pandemie zu wenig zur Sprache kommt: „Auch der Druck auf Nicht-Corona-Stationen steigt immens.“ Dazu  kommt der Belegungsdruck, den jedes Ansteigen der Infektionen mit sich bringt.  Gefolgt von Verschiebungen, die Platz- und Betreuungsbedarf kompensieren sollen. Das betrifft auch die Pflegemitarbeiter selbst. „Da hat man dann mitunter fachfremde Patienten zu versorgen.“

Allein während der dritten Welle mussten im AKH mehr als 100 Pflegepersonen einer anderen Aufgabe zugeordnet werden. „Wir haben versucht, dies innerhalb der gleichen Fachkompetenzen zu regeln“, sagt Wolf. „Denn wir haben da eine Verantwortung gegenüber den Patienten.“ingrid teufl

 

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