In einer Pariser Klinik erlag ein 80-jähriger Tourist aus Cina den Folgen seiner Infektion mit dem neuen Coronavirus.

© EPA/IAN LANGSDON

Wissen Gesundheit
02/15/2020

Coronavirus: Was der Todesfall in Frankreich tatsächlich bedeutet

Der erste Todesfall in Europa weckt die Sorge vor einer weltweiten Ausbreitung. Wie Gesundheitsminister Rudi Anschober und ein Infektiologe die Situation einschätzen.

von Ernst Mauritz

Der erste Todesfall eines Menschen in Europa durch das neuartige Coronavirus hat die Sorge vor einer weltweiten Ausbreitung neu aufflammen lassen. Bei dem in Paris gestorbenen Mann handelt es sich um einen 80-jährigen Chinesen aus der schwer betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei.

„Es ist aber nach wie vor eine regionale Epidemie“, betont Gesundheitsminister Rudi Anschober im KURIER-Gespräch. „99 Prozent aller Erkrankungen wurden in China diagnostiziert – und davon wiederum 95 Prozent in der Provinz Hubei rund um die Stadt Wuhan, dem Zentrum des Krankheitsausbruchs.“

Lediglich 44 Infektionen seien bisher in Ländern der Europäischen Union nachgewiesen worden. Nach den letzten Erkenntnissen sei die Gefährlichkeit des Erregers auch geringer als bisher angenommen – „und nicht zu vergleichen mit der Gefährlichkeit des SARS-Virus 2002“.

„Pandemie verhindern“

„Beim Sonderministerrat der EU-Gesundheitsminister vergangene Woche war die Strategie klar: Es muss alles unternommen werden, um eine weltweite Ausbreitung – eine Pandemie – zu verhindern“, sagt Anschober. Sorgen bereiten vor allem Regionen mit schlecht entwickelten Gesundheitssystemen und intensiven Verbindungen zu China, wie mehrere afrikanische Länder: „Ein Teil der europäischen Strategie ist jetzt, die Weltgesundheitsorganisation auch finanziell zu stärken. Das wird ein Schwerpunkt für die EU-Kommission.“

Anschober sieht aber noch „ein zweites Thema, das auf uns zukommt“: „Wir verfolgen derzeit genau die Medikamentenproduktion in China und die Lieferungen nach Europa, um Engpässe rechtzeitig erkennen zu können.“ Er fordert eine „europäische Eigenständigkeit bei der Medikamentenproduktion“ in den wichtigsten Versorgungsbereichen. „Das geht nicht von heute auf morgen, muss aber unser Ziel sein.“

Kurzfristig gehe es darum, dass europaweit die Empfehlungen der WHO und der Europäischen Gesundheitskontrollbehörde ECDC umgesetzt werden. Was die wöchentlich 400 Passagiere aus China betreffe (nicht aus der Krisenregion), die in Wien-Schwechat ankommen, gebe es vierfache Schutzmaßnahmen: „Erstens Ausreisekontrollen in China; zweitens eine Sensibilisierung des Bordpersonals, wenn bei einem Passagier Symptome auftreten; drittens einen genauen Fragebogen im Flugzeug, der dokumentiert, wo und mit wem man Kontakt hatte in China, neben wem man im Flugzeug gesessen ist. Und viertens gibt es die Temperaturmessungen in Wien-Schwechat.“ Der Fragebogen, den Österreich als zweites Land nach Frankreich eingeführt hat, solle europaweit eingesetzt werden.

„Nicht überraschend“

Für den Infektionsspezialisten Christoph Steininger von der MedUni / AKH Wien ist der Todesfall in Frankreich „nicht überraschend. Er war nur eine Frage der Zeit. und es ist kein Grund zur Beunruhigung.“ Steininger betont, dass es bei dem Verstorbenen einen eindeutigen Bezug zu der am stärksten betroffenen Region in China gibt. In Europa sei das Virus noch nicht heimisch geworden und habe sich hier noch nicht etabliert: „Das bedeutet, dass es für die allgemeine Bevölkerung kein Infektionsrisiko gibt.“

Auch Steininger ist der Ansicht, dass die Sterblichkeit in China geringer als die oft genannten zwei Prozent (also zwei von 100 Infizierten) ist: „Es werden nur die schweren Fälle abgeklärt, die leichten nicht. Das verändert aber die Rechnung deutlich.“

Der Infektionsspezialist ist auch noch zuversichtlich, was die Verhinderung einer weltweiten Ausbreitung betrifft: „Es gibt nur vereinzelte Fälle im Rest der Welt, und nur wenige Folgeansteckungen, wenn jemand mit dem Virus aus China nach Europa kommt. Ich bin immer noch zuversichtlich, dass die derzeitige Epidemie auf China begrenzt bleiben wird.“ WHO-Experten verweisen auch darauf, dass bisher nur bei acht Patienten nicht eruiert werden konnte, wo sie sich angesteckt haben.

Besorgniserregender findet Steininger die indirekten Konsequenzen der Epidemie in China: „Die massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Gefahren für die Medikamentenversorgung in Europa und die zunehmende Fremdenfeindlichkeit gegenüber Menschen aus Asien.“ Was das Virus selbst betrifft, müsse man die Relationen im Auge behalten: „1.000 bis 2.000 Menschen sterben jährlich in Österreich an den Folgen einer Influenza-Infektion.“

Von Samstag auf Sonntag ist die Zahl der Neuinfektionen in China zurückgegangen - das heißt: der Anstieg war weniger rasant als bisher:

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mahnte aber am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz trotz gewisser positiver Signale aus China zur Umsicht: Es sei derzeit "unmöglich", den weiteren Verlauf der Epidemie vorherzusagen.

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