Staatstragend zeigte sich Trump auf einem Balkon des Weißen Hauses

© APA - Austria Presse Agentur

Wissen Gesundheit
10/08/2020

Antikörpercocktail für Trump: Was hat er wirklich gebracht?

Der US-Präsident sieht in der noch nicht zugelassenen Therapie den Grund dafür, dass es ihm besser geht. Der Infektiologe Christoph Wenisch ist skeptisch.

von Ernst Mauritz

Donald Trump ist überzeugt: Eine noch nicht zugelassene Therapie sei der Grund, dass er sich rasch „großartig“ gefühlt habe. Dabei handelt es sich um zwei biotechnologisch hergestellte Antikörper („Antikörpercocktail“), die gezielt gegen SARS-CoV-2 wirken sollen.

„Der US-Präsident hat ja viele Medikamente bekommen. Man kann die Effekte jetzt nicht auf ein einziges zurückführen, das ist ein Zusammenspiel“, sagt Infektiologe Christoph Wenisch vom Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien. „Aus seinem Krankheitsverlauf kann man medizinisch nichts lernen. Es ist ein Einzelfall.“

Erste, noch nicht in Fachjournalen veröffentlichte Daten für Antikörpertherapien zeigen: Bei leicht erkrankten Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf gingen Virusmenge und Symptome rascher zurück. Doch es gebe noch „wenig Evidenz“, betont Wenisch: „Es ist eine Hoffnung. Aber die Herstellung ist kompliziert und teuer, da steckt viel Technologie dahinter. Für einen breiten Einsatz wird das wahrscheinlich nichts.“ Während Trump von „Hunderttausenden Dosen“ sprach, die rasch kostenlos ausgeliefert werden sollen, erklärte Hersteller Regeneron laut New York Times, dass derzeit nur 50.000 Dosen verfügbar seien.

„Was Trump sicher geholfen hat, war das Cortisonpräparat Dexamethason, das macht diese Blitzheilungen. Viele Patienten, die Atemunterstützung bekommen, sind von der Sauerstoffpflicht weg, sobald sie Cortison erhalten. Und viele fühlen sich plötzlich 20 Jahre jünger.“ Doch Wenisch warnt: „Zwischen Tag 7 und 14 ab Symptombeginn ist es kritisch. Dort ist Trump aber noch nicht. Wir sehen viele Patienten, denen es sehr schnell gut, aber auch sehr schnell schlecht geht.“

"Verstörende Beteiligung des Herzens"

50 Prozent der Spitalspatienten leiden nach dem Krankenhausaufenthalt zumindest vorübergehend an einer Herzmuskelentzündung mit Müdigkeit und Atemnot bei geringster Belastung. "Diese Beteiligung des Herzens finde ich schon verstörend", sagt Wenisch: "Viele Fragen sind da noch offen: Wie lange bleibt das? Wie wirkt sich das langfristig aus?" Offen sei auch die genaue Ursache: "Ist es eine entzündliche Antwort des Körpers auf die Viren? Oder spielen die Medikamente auch eine Rolle? Oder spielt beides zusammen?"

Daneben haben 30 Prozent bis drei Monate nach der Infektion eine verminderte Sauerstofftransportkapazität der Lunge. „Das alles gilt es jetzt einmal abzuwarten.“

Positive Entwicklungen

Wenisch verweist aber auch auf viele positiven Entwicklungen: "Im Vergleich zu April hat sich die Sterblichkeit halbiert, auch die durchschnittliche Liegedauer auf einer Intensivstation ist heute viel kürzer." Ein großer Teil der Patienten sei nur zwei bis drei Tage auf der Intensivstation - ein wesentlicher Grund dafür, dass derzeit die Zahl der Intensivpatienten deutlich weniger stark steigt wie die Zahl der Spitalspatienten insgesamt. Auch sei der Anteil der Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, nicht sehr hoch: "Viele kommen mit einer nicht invasiven Atemunterstützung aus."

Insgesamt wurden am Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital bereits mehr als 1000 Covid-19-Patienten behandelt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.