Der Lebensstil trägt zu 86 Prozent der Todesfälle bei

Um die Sterblichkeitsrate an Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Lungenbeschwerden zu reduzieren, braucht es Maßnahmen. Ein Experte weiß, was zu tun ist

Knapp zwei Drittel der jährlich 57 Millionen Todesfälle weltweit sind Folge von sogenannten Lebensstil-Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Lungenbeschwerden. Sollen die Sozial- und Gesundheitssysteme langfristig finanzierbar bleiben, müsse es gelingen, "die globale epidemische Verbreitung von nicht übertragbaren Erkrankungen erfolgreich einzudämmen", sagte Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine beim European Health Forum Gastein (EHFG).

In Europa kommen drei Viertel der Erkrankungen aus diesem Bereich, 86 Prozent der Todesfälle sind auf sie zurückzuführen. Allein in der EU wird gemäß den Prognosen der EU-Kommission die Zahl der jährlich durch Krebs verursachten Todesfälle von 1,12 Millionen im Jahr 2000 auf 1,41 Millionen im Jahr 2015 ansteigen. Im Jahr 2030 werden im EU-Raum geschätzte 66 Millionen Menschen an Diabetes leiden.

Maßnahmen

In drei Bereichen sollte nun angesetzt werden: das Eindämmen des Rauchens, die Reduktion des Salzkonsums und die Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Risikopatienten. Schlüsselelemente einer erfolgreichen Anti-Tabakstrategie sind laut McKee eine Preispolitik einschließlich deutlicher Steuererhöhungen, konsequente Rauchverbote in öffentlichen Räumen und Beschränkungen beim Marketing. "Wir müssen auch gegen die massive Präsenz der Tabakindustrie in sozialen Medien und Filmen vorgehen, wo diese die Möglichkeiten des Product-Placement exzessiv nutzt." Wie sich Maßnahmen zur Eindämmung des Zigarattenkonsums auswirken, berechnete der US-amerikanische Krebsspezialist David Levy von der Georgetown University mit seinem Team: In 41 Ländern werden dadurch bis 2050 rund 7,4 Millionen frühzeitige, Tabak-bedingte Todesfälle verhindert.

Den größten Effekt haben erhöhte Tabaksteuern und Rauchverbote in Büros und Restaurants. Die Verhinderung der frühzeitigen Todesfälle ist nicht der einzige positive Effekt: „Es gibt weniger Geburtskomplikationen, weniger Kosten für die Gesundheitssysteme und weniger Ausfälle am Arbeitsplatz durch Begleiterkrankungen des Rauchens“, sagt der Krebsspezialist.

Eine andere wesentliche Herausforderung ist die Reduktion des Salzkonsums. "18 Prozent der weltweiten Todesfälle sind durch erhöhten Blutdruck verursacht, der oftmals im Zusammenhang mit übermäßiger Salzaufnahme steht." Eine 15-prozentige Reduktion von Salz über zehn Jahre könnte allein in den 23 Ländern, in denen 80 Prozent aller Zivilisationskrankheiten weltweit vorkommen, 8,5 Millionen Todesfälle verhindern. "Hier geht es nicht nur um Appelle an gesundheitsbewusstes Verhalten Einzelner. Die Hauptverantwortung liegt bei der Lebensmittelindustrie, denn der größte Teil der Salzbelastung kommt aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln", sagte der Professor für Öffentliches Gesundheitswesen.

Als dritte Priorität definierte McKee die konsequente Behandlung von Menschen mit einem besonders hohen Herz-Kreislauf-Risiko. Die notwendigen Medikamente, um einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern, sollten leicht zugänglich und möglichst einfach einzunehmen sein, etwa durch die Kombination mehrerer Substanzen in einer Pille zur Behandlung von hohem Blutdruck. Schließlich sollten die Regierungen Maßnahmen zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs und zur Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung setzen.

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