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Wissen
08/31/2021

Impfbereitschaft: Wie man mehr Menschen erreichen könnte

Mit richtigem Marketing würde man mehr Menschen erreichen. Welche Ideen heimische Werber haben.

von Ingrid Teufl, Josef Gebhard

Der 1980er-Jahre-Schlager „Hello again“ des Sängers Howard Carpendale hat sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Der Ruf „Ärmel hoch!“ ist zwar noch kein Ohrwurm – doch sickert der Witz erst mal, bleibt auch er hängen. Was der Hit mit dem Ärmel hochkrempeln zu tun hat? Um die Impfbereitschaft der Deutschen zu erhöhen, wurde Howard Carpendale bemüht. Und zwar als Coverversion mit Zeilen wie „Ich will dir wieder gegenüberstehen, will dir in die Augen sehen, viel zu lang war die Zeit“.

Etwas tun können

Die Botschaft ist klar: Der Stich – für den man nicht nur den Arm frei macht, sondern auch im übertragenen Sinn etwas gegen die Pandemie tun kann – bringt Freude und Freiheit zurück. Es ermöglicht fast alles: Vom Rockkonzert samt Stagediving über ein Oma-Enkerl-Treffen bis zur privaten Überraschungs-Geburtstagsparty, wie das flott geschnittene Youtube-Video zeigt.

In Österreich appellierte am Wochenende Bundespräsident Alexander van der Bellen in seiner locker-väterlichen Art an noch Ungeimpfte, sich doch den Stich verpassen zu lassen: „Das ist ein kleiner Stich, dann hat sich’s schon.“ Reicht das, um die rund 40 Prozent Ungeimpften (davon laut Schätzungen etwa zehn Prozent hartgesottene Impfgegner) zu motivieren?

Das sagen heimische Werber

Der KURIER fragte bei drei heimischen Werbern nach (siehe rechts). Worauf sich alle trotz unterschiedlicher Detailmeinungen einigen können: Kommunikation ist der Schlüssel – es braucht dabei Überraschungen, die hängen bleiben. Fedja Burmeister, Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt/Donau, die unter anderem die Kampagne „Österreich impft“ umsetzte, erinnert etwa an den Babyelefanten. „Wir hatten dieses ‚merkwürdige’ Element, das spielerisch das Abstand halten kommunizierte.“

Ein Konzept, das für alle Zielgruppen einer Gesellschaft passt, gibt es aber nicht, erläutern die drei Werber. Ohne „großen gemeinsamen Nenner“ gehe es aber dennoch nicht, betont Marcello Demner von Demner, Merlicek & Bergmann.

Florian Kozak und Matthias Müller von der Wiener Agentur Johnny Be Good sind sich sicher: „Die Botschaften müssen die Zielgruppen emotional erreichen, nur so können die Inhalte wirksam aufgenommen werden.“

Kreative Impf-Angebote

Wenn es um konkrete Schritte zur Erhöhung der Impfbereitschaft geht, hilft ein Blick nach Wien. Hier ist man besonders kreativ beim Ausdenken ungewöhnlicher Angebote. Es gibt Impfboxen, -boote und -busse, wo man sich unkompliziert ohne Voranmeldung immunisieren lassen kann. Seit Juli haben 78.162 Personen diese Spezial-Angebote genutzt, rechnet man im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vor.

Der Löwenanteil (54.408) entfällt allerdings auf die große Impfstraße im Austria Center, wo es wiederholt Impfkampagnen gab, für die kein Termin erforderlich war. Von anderen derartigen Angeboten am erfolgreichsten war bis dato die Impfbox am Eingang zum Filmfestival am Rathausplatz, wo seit Anfang Juli 4.534 Menschen geimpft wurden. In die Lugner-City kamen 2.849, im Stephansdom ließen sich bisher 1.651 Personen impfen. Dieses Angebote starteten aber deutlich später.

Seit der Vorwoche nutzten in REWE-Supermärkten knapp 743 Menschen nutzten die Impfmöglichkeit. Je besser die Angebote in den Alltag integrierbar sind, desto besser kommen sie an. Dies gilt vor allem für die Supermärkte und Einkaufszentren.

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