© Getty Images/portishead1/iStockphoto

Wirtschaft
08/29/2021

Verkehrsbüro-Chef Winkler: "Mittelfristig wird Impfung Standard"

Der Impfnachweis entscheidet, wer an Bord und ins Hotel darf. Winkler schließt nicht aus, dass die 1-G-Regel auch in seinen Hotels kommt.

von Simone Hoepke

Wo es sich aus Sicht von Martin Winkler in der Praxis spießt, warum First-Class derzeit meist ausgebucht ist und man sich Überseeflüge noch länger abschminken kann.

KURIER: Wer diesen Sommer an der Adria war, könnte meinen, dass im Tourismus die Krise abgeschafft ist. Waren heuer alle mit dem Auto unterwegs?

Martin Winkler: Autoreisen sind heuer besonders gut gelaufen, hier reden wir vor allem von Kroatien, Italien oder auch Österreich. Im Juli und August liegen wir bei den Buchungen auf diesen Märkten um bis zu 25 Prozent über dem Niveau von 2019. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der Reisewelt. Die nächsten zwei, drei Jahre werden herausfordernd. Urlaube in die USA oder Asien sind de facto nicht möglich, außer man geht nach seiner Ankunft erst einmal in Quarantäne.

Glauben Sie, dass sich das in absehbarer Zeit ändert?

Heuer bestimmt nicht mehr, wir hoffen 2022. Fernreisen sind für uns ein substanzielles Geschäft, speziell in der Wintersaison. Bei den Ruefa-Reisebüros fehlt ein zweistelliger Millionenbetrag, allein weil das US-Geschäft nicht stattfindet. In unseren Austria-Trend-Hotels fehlen Touristen, Geschäftsreisende und Kongressgäste aus den USA. Zudem können unsere Firmenkunden aus der Industrie nur schwer zu ihren Kunden und Werken in den USA reisen. In der gesamten Verkehrsbüro-Group fehlt uns mit dem USA- und Asien-Geschäft ein dreistelliger Millionenbetrag beim Umsatz.

Bricht das Geschäftsreise-Segment langfristig weg?

Auf der Kurzstrecke wird sicher viel eingespart – für einen Kaffee nach Frankfurt fliegen, das spielt es nicht mehr. Aber wer in Übersee eine Industrieanlage um 80 Millionen Euro verkaufen will, wird sich in einer Videokonferenz schwer tun. In diesem Bereich wird es weiterhin Dienstreisen geben. Insgesamt wird eine Erholung des Sektors wohl bis 2025 dauern. Allerdings erwarten wir auch, dass der Gesamtmarkt für Geschäftsreisen um rund 15 Prozent schrumpft.

Die Wintersaison steht dagegen quasi schon vor der Tür. Steht sie auf wackeligen Beinen?

Die Nachfrage ist gut. Die Leute wollen reisen und die Kaufkraft ist auch da. Das sieht man unter anderen auf jenen Fernstrecken, die derzeit geflogen werden – etwa Richtung Seychellen oder Malediven. Noch nie war die First-Class in den Maschinen so gut gebucht. Gleichzeitig boomt der Markt für Privatjets.

Will eigentlich noch irgendwer auf ein Kreuzfahrtschiff?

Die Buchungen schauen gar nicht so schlecht aus. Jetzt einmal ausgeklammert, dass aus unserer Sicht Kreuzfahrten in der Karibik unmöglich sind, weil man nicht zum Abfahrtshafen kommt – Stichwort Einreisebestimmungen. Wir haben 29 Reedereien unter Vertrag, Ende Juli hatten sie bereits ein Drittel ihrer Schiffe wieder aktiviert. An Bord gelten strenge Hygiene-Vorschriften, manche Redereien nehmen nur Geimpfte an Bord.

... und streichen Landausflüge aus dem Programm ...

Das Problem sind die unterschiedlichen Vorgaben von Land zu Land. In manchen Ländern darf man nur als Gruppe an Land und muss dann auch in der Gruppe bleiben. Dazu kommt, dass sich Vorschriften sehr rasch ändern können.

In Allsun-Hotels dürfen nur noch geimpfte und genesene Erwachsene. Auch in Austria-Trend-Hotels vorstellbar?

Derzeit nicht, weil die 3-G-Regelung (geimpft, genesen oder getestet) gut funktioniert. Aber das kann sich natürlich ändern.

Wann?

Mittelfristig wird sich die Impfung auf vielen internationalen Märkten als Standard etablieren. Ohne Impfung darf man schon jetzt in diversen asiatischen Ländern nicht mehr einreisen und bei den ersten Fluglinien wie – Qantas und demnächst Swiss – als Crew-Mitglied nicht mehr an Bord.

Der richtige Schritt?

Erfordert es die Situation, ist es mir lieber, Angebote vielleicht nur für geimpfte Reisende und Gäste zu stellen als gar keine. Wir müssen uns nach den Wünschen internationaler Gäste richten, vielleicht fordern sie das bald. Wenn man ein Hotel nur für Geimpfte öffnet, muss aber auch klar sein, dass alle Mitarbeiter geimpft sein müssen.

In Österreich können Sie Ihre Mitarbeiter aber nicht dazu zwingen. Ein Problem?

Wir haben im Konzern eine hohe Impfquote. Da wäre es möglich, dass wir mit entsprechender Personalplanung einige unserer Hotels als 1-G-Hotel führen. Mittelfristig sehe ich das Problem wo anders.

Wo?

Bei den unterschiedlichen Impfstoffen. Gilt eine Mitarbeiterin aus Serbien als geimpft, wenn sie sich in ihrer alten Heimat mit Sputnik impfen hat lassen – und dieser Impfstoff in Österreich nicht anerkannt ist? Das Gleiche gilt für Impfstoffe aus Asien, die Touristen bekommen haben. Hier braucht es internationale Vorgaben und Lösungen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.