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Wirtschaft
01/28/2021

Zwölf schlaue Tipps: So schützen Sie sich vor Anlagebetrügern

Wer Ganoven nicht auf den Leim gehen will, sollte diese Hinweise beherzigen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Alles begann mit einem überraschenden Telefonanruf eines Finanzvermittlers. Der Anrufer schlägt Ihnen ein ertragreiches „Insider-Geschäft“ mit Aktien eines Ihnen unbekannten Unternehmens vor, das angeblich ein Covid-19-Medikament entwickelt. Die Aktien würden in Kürze in Asien an die Börse gebracht, sagt der Anrufer, Sie würden sie nur jetzt noch zu einem Rabatt erhalten. Nach dem Börsegang würden die Wertpapiere eine hohe Rendite abwerfen.

Man müsse aber schnell zugreifen, fügt der Anrufer hinzu, das Angebot gelte nur noch wenige Tage. Covid-19-Medikament klingt für Sie so gut wie Impfstoff. Sie investieren 10.000 Euro und fühlen sich auf der sicheren Seite. Nach einigen Tagen wollen Sie den Finanzvermittler telefonisch erreichen, weil Sie weder eine Zahlungsbestätigung noch andere Unterlagen erhalten haben. Doch der Vermittler ist abgetaucht, es besteht kein Anschluss mehr unter seiner Nummer. Sie sind Anlagebetrügern auf den Leim gegangen.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ist jedes Jahr mit Hunderten Fällen konfrontiert, bei denen Anleger viel Geld durch Ganoven verloren haben. Im Schnitt beträgt der Schaden 43.000 Euro pro Anleger, es gibt aber auch einzelne Geschädigte, die bis zu 600.000 Euro in dubiose Veranlagungen investiert und verloren haben.

Dabei können Sie sich vor Anlagebetrügern ganz gut schützen, wenn Sie folgende zwölf Hinweise beherzigen:

Cold Calling

Werden Sie von einem Finanzvermittler oder Finanzunternehmen unaufgefordert telefonisch kontaktiert, handelt es sich dabei um sogenanntes Cold Calling. Das ist gesetzlich verboten und wird nur von unseriösen Unternehmen gepflegt. Beenden Sie das Telefongespräch und lassen Sie sich bloß nichts aufschwatzen.

Der Firmencheck

Überprüfen Sie mithilfe der Unternehmensdatenbanksuche auf der Homepage der FMA, ob das Unternehmen, das Ihnen Finanzdienstleistungen anbietet, auch in Österreich konzessioniert oder in einem anderen EU-Land zugelassen ist. Zugleich können Sie auf der FMA-Homepage unter Investorenwarnung prüfen, ob besagtes Finanzunternehmen schon negativ aufgefallen ist.

Investorenwarnung

Wird von der FMA oder ihren Schwesterbehörden vor Geschäften mit einem bestimmten Unternehmen gewarnt, sollten Sie alle Verbindungen kappen; auch dann, wenn Ihnen das Angebot des Finanzvermittlers plausibel erscheint.

Risiko soziale Medien

Immer öfter werden Veranlagungen über das Internet und in Chat-Gruppen bei Facebook, WhatsApp und Telegram angeboten. „Gerade bei Telegram tummeln sich die aggressivsten Anbieter“, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. So werden Kryptowährungen, Spekulationen mit Optionen und Fremdwährungen angeboten. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man davon die Finger lassen.

Vorsicht bei Kryptowährungen

Cyberwährungen sind kein sicheres Investment. Im Internet gibt es Plattformen, die vorgeben, dass sie Kryptowährungen verkaufen. Sie zahlen einen Betrag in Euro oder Dollar ein, aber erhalten keine Bitcoins, weil die Seite ein Fake ist; oder die Kryptowährung, die sie erhalten, ist wertlos. Mutmaßliche Betrügereien mit Bitcoins flogen 2018 bei Optioment auf. Auch die angebliche Kryptowährung OneCoin erwies sich als mutmaßliches Betrugskonstrukt.

Nicht alles ist Gold

Das Edelmetall zählt als sichere Anlage, aber auch nur dann, wenn Sie einen direkten Zugriff auf die Goldbarren oder Münzen haben. Ist das Gold aber in einem Sammeltresor in einem weit entfernten Land gebunkert und Sie halten nur Anteilsrechte, ist Vorsicht geboten. Es gab in den vergangenen Jahren mehrere große Betrugsfälle mit Gold.

Psychologische Falle

Viele der Finanzhaie sind psychologisch gut geschult und nutzten geschickt das Verhalten ihrer Opfer aus. So wird Ihnen ein sehr hohes Investment angeboten, das Sie ablehnen. Tage später bietet Ihnen derselbe Vermittler ein viel niedrigeres Angebot an, das sie annehmen. „Anleger, die ein hohes Investment ausschlagen, sind eher bereit, ein niedrigeres Investment zu tätigen“, weiß die FMA.

Zu hohe Rendite

Je höher die Rendite, desto höher ist das Risiko, lautet eine Faustregel. Eine Rendite von fünf Prozent und mehr im Monat, wie mitunter angeboten, ist utopisch. Hier gilt: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist laut FMA am Ende auch nicht wahr.

Vorsicht bei Kontoangaben

Wenn Sie von einem Finanzvermittler telefonisch aufgefordert werden, vorab Ihre Kontodaten oder Kreditkartennummern durchzugeben, lehnen Sie das ab. Seriöse Firmen und Banken würde eine solche telefonische Abfrage nicht machen.

Gefährliche Insidertipps

Hüten Sie sich vor angeblichen Insidertipps von Informationsdiensten und Finanzfirmen. Hier stecken mit größter Wahrscheinlichkeit Ganoven dahinter. Keine seriöse Firma wird Ihnen am Telefon solche Geschäfte anbieten. Meist enden solche Insidertipps mit einem Totalverlust. Fakt ist auch: Insiderhandel ist strafbar.

Vorschuss-Betrug

Verlangt der Finanzvermittler bei einem Investment vorab von Ihnen die Zahlung von Bearbeitungsgebühren oder andere Spesen, dann dürften Sie Betrügern aufsitzen. Es handelt sich dabei um „Advance Fee Fraud“, sprich um Vorauszahlungs- oder Vorschussbetrug. Nachdem die Täter den Vorschuss erhalten haben, tauchen sie wieder ab

Nachschuss-Betrug

Sie haben vor einem Jahr 10.000 Euro in Aktien eines australischen Bergbauunternehmens investiert, doch aus heiterem Himmel ist der Kurs eingebrochen. Nach einem Jahr meldet sich bei Ihnen ein anderer Finanzvermittler, der vorgibt, sich um geschädigte Investoren und um Schadenersatz zu kümmern.  Für diese Dienste würden aber Gebühren von umgerechnet 1.000 Euro anfallen. Sie bezahlen, doch vom Vermittler hören Sie nichts mehr.

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