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wirtschaft von innen
06/28/2021

Kampagne gegen Ex-Voest-Chef Wolfgang Eder

Die Hintergründe: Warum der Top-Manager viel später als geplant den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen soll.

von Andrea Hodoschek

Briefe an die Aufsichtsratschefs der Großaktionäre, gespickt mit Halbwahrheiten und anonym, regionale Medienberichte, missgünstige Kommentare in Teilen von Oberösterreichs Industriekreisen, freilich immer hinter vorgehaltener Hand – gegen einen der erfolgreichsten Topmanager dieses Landes läuft seit geraumer Zeit eine nicht ganz erklärbare Kampagne. „Es hat begonnen mit kleinen Wirbeln, die sich zu einem Strudel verdichtet haben“, schildert ein Insider.

Klar erkennbar ist nur das Ziel. Der 69-jährige Eder soll als Vorsitzender des Aufsichtsrates von einem der größten Industrie- und Technologiekonzerne Österreichs verhindert werden.

Grundsatzbeschluss

Eigentlich war geplant, dass Eder nach der Hauptversammlung des Konzerns am 7. Juli 2021 an die Spitze des Aufsichtsrates aufrückt. So sieht es ein Grundsatzbeschluss vor. Als 2018 der bevorstehende Abgang von Eder als CEO nach 44 Voest-Jahren bekannt gegeben wurde, kündigte Joachim Lemppenau dessen fliegenden Wechsel in den Aufsichtsrat an. 2021 werde er selbst nach 17 Jahren die Leitung des Voest-Aufsichtsrates abgeben und Eder übernehmen. Der gesamte Aufsichtsrat trage diese Überlegungen „vollinhaltlich mit und sieht Herrn Eder bestens geeignet für diese Funktion“, erklärte Lemppenau damals.

Der 78-jährige Deutsche, ein ehemaliger Stahl- und Versicherungsmanager, wird den Voest-Job allerdings noch bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres Ende März 2022 machen müssen. Bis dahin soll die Wahl Eders verschoben werden. In der Hoffnung, dass sich die Wellen dann beruhigt haben.

Aufsichtsrat hinter Eder

Wie man aus Aufsichtsratskreisen hört, steht Lemppenau nach wie vor hinter Eder. Ebenso wie der Rest des Aufsichtsrates, der derzeit jedoch etwas ratlos wirkt. Fragt sich, ob alle Aufsichtsräte ihre Zusagen auch 2022 noch einhalten. Konkret will sich niemand dazu äußern.

Die drei größten Aktionäre sind Oberbank (8 %), Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (13,5 %) und die Mitarbeiterstiftung mit 14 %. Der Betriebsrat hat sich bereits zu Eder bekannt. Oberbank-General Franz Gasselsberger meint dazu: „Ich halte Dr. Eder für sehr geeignet. Ob er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates bestellt wird, ist Thema des Aufsichtsrates.“ Raiffeisen-Manager Heinrich Schaller verweist nur auf Lemppenau, der jedoch hüllt sich in Schweigen.

Vielleicht wollen die Beteiligten sicherheitshalber die Landtagswahl am 26.September abwarten. Die Voest ist zwar längst vollständig privatisiert, aber einige Aufsichtsräte haben natürlich Berührungsflächen mit der Politik.

Hohe Kosten

Seine Kritiker werfen Eder vor allem das Roheisenwerk Corpus Christi in Texas vor, dessen Kosten davonflogen. Sonderabschreibungen von 360 Millionen Euro verhagelten das Ergebnis.

Auf der anderen Seite steht nach 24 Jahren Vorstandstätigkeit eine beachtliche Erfolgsbilanz. Eder baute das Linzer Stahlunternehmen zu einem globalen Technologiekonzern aus, dessen Umsatz auf 13,6 Milliarden Euro verdreifacht wurde und der über die Jahre einen kumulierten operativen Gewinn von fast 22 Milliarden einfuhr.

Nachher ist man meist klüger, aber vermutlich wäre es geschickter gewesen, Eder wäre nicht sofort in den Aufsichtsrat gegangen. Die zweijährige Cooling-off-Periode wurde 2019 wenig elegant mit dem Votum der drei Kernaktionäre umschifft. Man wollte damals das Risiko nicht eingehen, dass Eder von anderen Unternehmen weggeschnappt worden wäre. Und schließlich kenne keiner die Voest so gut wie er, erinnert sich ein Aufsichtsrat. Man wollte sich Eders „Know-how und Know-who sichern“.

"Hervorragender Experte"

Ein Aufsichtsratsvorsitz hat noch einmal eine andere Qualität als ein einfaches Mandat. Was, wenn weitere Fehlentscheidungen aus Eders Management-Ära aufpoppen? Man habe keine Leichen im Keller, beteuert das Unternehmen dazu.

„Dass Eder sofort in den Aufsichtsrat ging, war damals bei der Hauptversammlung nicht unumstritten. Zwei Jahre Cooling-off-Phase sind internationaler Standard, um die gebotene Distanz zu haben“, meint dazu Josef Fritz Aufsichtsratsexperte von Board Search.

Jetzt allerdings, zwei Jahre später, sei der Vorsitz „durchaus in Ordnung. Die Vorteile überwiegen ganz klar die Nachteile“. Eder sei „ein hervorragender Experte und Manager“, von dem die Voest nur profitieren könne. Zu Texas sagt Fritz: „Es gibt keinen einzigen Top-Manager, der von zehn Entscheidungen alle richtig trifft“.

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