Gasstation an der Grenze Slowakei-Ukraine.

© REUTERS/DAVID W CERNY

Wirtschaft
01/05/2022

30 Prozent Plus: Preisrallye am Gasmarkt geht weiter

Die für das zweite Quartal 2022 prognostizierte Entspannung der Großhandelspreise dürfte sich auf 2023 verschieben.

von Martin Meyrath

Die Preisrallye am europäischen Großhandelsmarkt für Gas geht weiter. Am Dienstag stieg der Preis am Terminmarkt um stolze 30 Prozent. Davor hat er innerhalb von einer Woche um 60 Prozent nachgegeben.

„Die Schwankungen sind sehr, sehr hoch“, bestätigt Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control im Gespräch mit dem KURIER. Das sei „für ein speicherbares Gut wie Gas relativ unüblich“.

Einer der Gründe für den Preisverfall letzte Woche war, dass wieder vermehrt Flüssiggas (LNG) nach Europa geliefert wurde. Im letzten Jahr hatten die Schiffe vermehrt Asien angesteuert, weil die Energiepreise dort höher waren. Die jüngsten Ausschläge nach oben wurden hingegen meist mit Unsicherheiten um Lieferungen aus Russland erklärt (der KURIER berichtete).

Laut Mayer spielt aber nicht nur „die reine Physik eine Rolle“, sondern auch Erwartungen am Gasmarkt. Die Risikowahrnehmung der Händler führt dazu, dass sie vermehrt kaufen, oder weiterverkaufen - etwa in ihrer Einschätzung des Ukraine-Konflikts. Dabei komme es durchaus auch zu „überschießenden Reaktionen auf Meldungen“.

Die Großhandelspreise werden laut Einschätzung des Experten erstmal hoch bleiben. Die noch im Herbst für das zweite Quartal 2022 prognostizierte Entspannung dürfte sich sogar auf das Jahr 2023 verschieben. Ein Grund dafür ist, dass die Ostseepipeline Nord Stream 2 im ersten Halbjahr voraussichtlich keine Betriebsgenehmigung in Deutschland bekommt. Russland pocht seit Monaten auf die Zulassung und liefert nur sehr zögerlich zusätzliche Mengen durch andere, bestehende Pipelines (der KURIER berichtete).

Niedrige Speicherstände

Ein weiterer Grund: Die europäischen Gasspeicher sind vergleichsweise schlecht gefüllt. Das liegt zum einen an der langen Heizsaison im Vorjahr. Da die Energiepreise mit dem weltweiten Anspringen der Konjunktur ab dem Frühling 2021 stark gestiegen sind, war es im Sommerhalbjahr vergleichsweise unattraktiv, die Bestände mehr als notwendig aufzufüllen.

Dass mitten im Winter das Gas ausgeht, ist laut Mayer allerdings nicht zu erwarten. Üblicherweise seien die Speicher Ende des Winters etwa ein Viertel gefüllt, heuer könnte es „um einiges weniger sein“. Um die Speicher wieder aufzufüllen, wird Europa aber im gesamten Jahr 2022 relativ viel Gas einkaufen müssen. Die Nachfrage bleibt also hoch.

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