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Insolvenzverfahren
04/03/2019

Millionenpleite eines namhaften Fassadenbauers

Das Unternehmen hat rund 57,5 Millionen Euro Schulden und um den Großteil seiner Aktiva wird vor Gericht gestritten. Der Betrieb soll geschlossen werden.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Dieser Traditionsbetrieb hat sich offenbar völlig übernommen. Er war schon vor zwei Jahren mit 67,5 Millionen Euro Schulden in die Insolvenz geschlittert, doch er konnte bloß zwei Mal je fünf Prozent Quote den Gläubigern bezahlen. Die dritte Quotenrate (zehn Prozent) wäre am 31. Dezember 2018 fällig gewesen. Doch das Erfordernis konnte nicht aufgebracht werden. Die Gläubiger hatten dem Betrieb dann sogar eine Stundung bis 31. März 2019 gewährt, aber auch das half nichts mehr. Das Sanierungsverfahren gilt somit als gescheitert.

Die SFL Technologies GmbH musste nun am Gericht ein Konkursverfahren beantragen. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände AKV, KSV1870 und Creditreform dem KURIER. Das Konkursverfahren ist mittlerweile schon eröffnet worden. Zum Masseverwalter wurde der Grazer Anwalt Philipp Casper bestellt.

Detail am Rande: Es ist auch ein brisantes Ermittlungsverfahren bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSTA) anhängig.

Verfahren eingeleitet - Vorwürfe bestritten

Wie der KURIER bereits im Mai 2018 berichtete, hat die Wirtschafts- und Korruptionsstattsanwaltschaft gegen Johann Höllwart und zwei weitere Personen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der betrügerischen Krida, der Begünstigung eines Gläubigers und der Bilanzfälschung. Im Fokus stehen dabei drei Bilanzpositionen in Höhe von insgesamt 20,438 Millionen Euro. Laut Oberstaatsanwaältin Elisabeth Täubl ist das Ermittlungsverfahren nach wie vor anhängig. Es wird auf das Gutachten des Buchsachverständigen gewartet.

Laut einer früheren Stellungnahme seines Anwalts bestreitet Johann Höllwart alle Vorwürfe. Über das Verfahren wird aber im neuen Insolvenzantrag aber keine Silbe verloren.

Für den Insolvenzverwalter hatte bereits der Steuerberater Christof Beste ein 43 Seiten starkes Gutachten erstellt, das der SFL-Führung ein vernichtendes Zeugnis ausstellt. Demnach soll die Zahlungsunfähigkeit spätestens am 21. März 2017, also sieben Monate vor dem Insolvenzantrag, eingetreten sein.

Früher 800 Mitarbeiter

Bei der SFL technologies GmbH handelt es sich um die operative Hauptgesellschaft der SFL Gruppe. Sie ist bzw. war vorwiegend im Stahl- und Leichtmetallbau, Fassaden-, Lüftungs- und Klimaanlagenbau tätig. Die SFL technologies GmbH beschäftigte zum Zeitpunkt der Vorinsolvenz (im November 2017) 186 Dienstnehmer, konzernübergreifend waren damals rund 800 Dienstnehmer in der Unternehmensgruppe tätig. Derzeit hat der Betrieb um Johann Höllwarth gar keinen einzigen Mitarbeiter mehr.

Das Unternehmen strebt keinen weiteren Sanierungsplan an und erteilt eine Schließung ihre ausdrückliche Zustimmung", teilt SFL dem Gericht in Graz mit.

Die Vorgeschichte

Im Insolvenzverfahren 2017 lagen die Insolvenzursachen im Wesentlichen in den Auswirkungen des Projektes „Belvedere“ in Wien gelegen. "SFL wurde von vier Projektgesellschaften aus der Signa-Gruppe mit der Erbringung von Alu, Stahl- und Glasfassaden Leistungen beauftragt. Das Projektvolumen betrug  rund 30 Millionen Euro", heißt es dazu vom KSV1870. "Im Mai 2017 haben die Auftraggeber mitgeteilt, dass die SFL in Verzug sei und für Arbeiten eine Nachfrist zur Erfüllung gesetzt. Die Auftraggeber haben den Vertragsrücktritt erklärt. Die aus bereits erbrachten Leistungen resultierenden Werklohnansprüche in Höhe von rund 16,7 Millionen Euro wurden am Handelsgericht Wien eingeklagt und sind nach wie vor gerichtsanhängig. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 2018 wurden die Prozesse fortgesetzt." Es geht laut Creditreform um insgesamt vier Klagen.

SFL-Chef Johann Höllwarth fühlt sich und sein Unternehmen von der Signa-Gruppe "aus dem Markt gestoßen". Dem Vernehmen nach wird dieser Vorwurf mit Kopfschütteln bestritten.

Signa Gruppe

Indes soll die SFL beim Bauprojekt "Belvedere" der Signa die bestellten Waren nicht geliefert haben, dem Vernehmen viele Wochen in Verzug gewesen sein und Signa musste sich auf eigene Kosten einen neuen Professionisten suchen. Das kostete zusätzlich ordentlich viel Geld.

Fakt ist auch: Dieser "Ausfall" war auch für die SFL nicht zu kompensieren und führte laut firmen Angaben zu einer Liquiditätskrise.

Nach Abschluss des ersten Insolvenzverfahrens mit einem Sanierungsplan soll man im Unternehmen positiv gestimmt gewesen sein, anhängige Gerichtsverfahren zu einem positiven Abschluss zu bringen. Die Liquiditätskrise sollte laut KSV1870 dadurch beseitigt werden und plante man wieder in einen „Vollbetrieb“ überzugehen und neue Projekte zu akquirieren.
 

Totalschaden mit Elektrofahrzeug

Doch es kam anders. Dem Unternehmen soll es nicht gelungen sein, "das Projekt mit dem Elektrofahrzeug „ELI“ zur Quotenfinanzierung heranzuziehen". Dieses Projekt sei nicht mehr als werthaltig anzusehen, teilt das Unternehmen mit. Es kam zu einem Entwicklungsrückstand und ohne Zufuhr weiterer Geldmittel war dieses nicht mehr verwertbar. Auch eine Investorensuche blieb angeblich erfolglos.

Offen bleibt hier die Frage, warum sich ein Stahl- und Fassenbauunternehmen abseits des Kerngeschäfts mit der kostenintensiven Entwicklung eines elektrischen Kleintransporters beschäftigte.

Keine Aufträge, keine Kredite

In der Folge konnte keine nachhaltigen Aufträge an Land gezogen werden, die Banken gewährten keine weiteren Kredite und auch anderes Fremdkapital konnte nicht zugeführt werden. "Eine angedachte umfassende Regelung mit dem Bankensektor kam nicht zu Stande", heißt es weiter. "SFL gibt an, dass von Seiten der Eigentümersphäre umfangreiche Zahlungen geleistet wurden, um einen Fortbetrieb zu ermöglichen."

"Barquote mit einem millionenhohen Fehlbetrag finanziert"

Dazu kommt, dass die Eigentümerseite behauptet, erhebliche finanzielle Beiträge zur Fortführung geleistet zu haben. So sollen Privathaftungen (vier Millionen Euro) übernommen worden sein und Unternehmen aus der Eigentümersphäre Mängelbehebungen und Bauvorhaben durchgeführt haben, von denen der Insolvenzverwalter zurückgetreten ist. Auch soll die am 30. März 2018 fälliggewordene Barquote für die Gläubiger "mit einem Fehlbetrag (sic!) in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro aus der Eigentümersphäre finanziert" worden sein.

Mit dem Insolvenzverwalter streitet das Unternehmen mittlerweile vor Gericht, auch mit einer weiteren "besonderen Verwalterin" gibt es Zoff.

Förderungen nicht ausbezahlt

Zudem sollte laut AKV eine zugesagte Förderung für die Finanzierung der Quote verwendet werden, jedoch soll die Republik Österreich diese Förderung in Höhe von mehr als einer Millionen Euro nicht ausbezahlt haben, sondern gegen Altforderungen des Finanzamtes aufgerechnet. Diese Aufrechnung soll von der SFL angefochten worden sein, beim Bundesfinanzgericht ist ein Verfahren anhängig.

"Diese Vorgangsweise ist und war nach Ansicht des schuldnerischen Unternehmens durch die Rechtsordnung nicht gedeckt, zumal ein hier im Jahr 2018 nach rechtskräftiger Aufhebung des Insolvenzverfahrens rechtskräftig zuerkannter Förderungsbetrag gegen vormalige Insolvenzforderungen ungekürzt, und nicht etwa nur gegen den Quotenanspruch, aufgerechnet wurde", teilt SFL dem Grazer Konkursgericht mit.

Indes soll die Finanz aber aus den unb ezahlten und stritten Forderungen aus dem Belvedere-Auftrag der Signa 2,8 Millionen Euro Umsatzsteuer nachgefordert haben. Doch diese Forderung soll im März 2019 "wiederum amtlich berichtigt" worden sein.

"Zudem hat ein Großgläubiger das relative Wiederaufleben der Altforderung nach Nichtbezahlung der dritten Quote geltend gemacht und Außenstände gepfändet, sodass dem Unternehmen notwendige Liquidität entzogen wurde", heißt es weiter.

Schulden und Vermögen

Die Passiva werden jetzt mit 57,525 Millionen Euo beziffert, davon entfallen 37,42 Millionen Euro auf Banken. Die Gläubiger sollen in Höhe von 18 Millionen Euro beziffert sein.

Die Aktiva werden mit rund 32,3 Millionen Euro ausgewiesen. Doch da ist Vorsicht geboten. In diesen Aktiva sind angeblich offene Forderungen in der Höhe von 24,201 Millionen Euro enthalten, wovon über Forderungen in Höhe von rund 22,4 Millionen Euro vor Gericht gestritten wird.

Zum Firmenvermögen zählt auch der Maschinenpark, der mit 863.000 Euro bezifffert wird, die Betriebsliegenschaft mit 4,51 Millionen Euro, das Anlagevermögen in Höhe von 1,456 Millionen Euro und Finanzanlagen in Höhe von 994.000 Euro. Der Kassenstand wird mit 276.000 Euro ausgewiesen.

 

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