Wirtschaft
25.05.2018

Staatsanwalt lässt Buchführung namhafter Fassadenfirma durchleuchten

Es geht um den Verdacht der betrügerischen Krida, der Begünstigung eines Gläubigers und der Bilanzfälschung. Vorwürfe werden bestritten.

Ermittlungen. Die Sanierung des steirischen Fassadenbauers SFL Technologies GmbH, der bei Prestigeprojekten wie dem Wiener Erste Campus oder der Mall in Wien-Mitte werkte, ist in trockenen Tüchern. Am vergangenen Mittwoch wurde der Sanierungsplan des im November 2017 in die Pleite geschlitterten Unternehmens (186 Mitarbeiter) vom Gericht rechtskräftig bestätigt, die Gläubiger sollen 30 Prozent Quote erhalten. Von den 135 Millionen Euro Forderungen wurden letztlich 67,4 Millionen Euro anerkannt. Doch es gibt ein Nachspiel. Gegen Firmengründer und Geschäftsführer Johann Höllwart ist ein Ermittlungsverfahren (25 St 21/17p) bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft anhängig.

„Es geht um Ermittlungen im Zusammenhang mit der SFL-Insolvenz gegen eine Person“, bestätigt Oberstaatsanwalt Rene Ruprecht dem KURIER. „Und um den Verdacht der betrügerischen Krida, der Begünstigung eines Gläubigers und der Bilanzfälschung. Wir warten auf das Sachverständigengutachten.“ Damit wurde der renommierte Wirtschaftsprüfer Karl Hengstberger beauftragt. Er soll prüfen, wann die Zahlungsunfähigkeit bei SFL tatsächlich eingetreten ist, ob Vermögen beiseitegeschafft oder Gläubiger durch Rückzahlungen begünstigt wurden. Außerdem soll er prüfen, ob die Vermögens- und Ertragslage in der SFL-Bilanz 2016 „in unvertretbarer Weise oder unvollständig dargestellt wurde“. Im Fokus sind dabei drei Bilanzpositionen in Höhe von insgesamt 20,438 Millionen Euro.

Brisante Fakten

Für den Insolvenzverwalter hat bereits der Steuerberater Christof Beste ein 43 Seiten starkes Gutachten erstellt, das der SFL-Führung ein vernichtendes Zeugnis ausstellt.

Demnach soll die Zahlungsunfähigkeit spätestens am 21. März 2017, also sieben Monate vor dem Insolvenzantrag, eingetreten sein.

Schon damals soll klar gewesen sein, dass trotz Einnahmen die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Er ist auf weitere mutmaßliche Ungereimtheiten gestoßen. In Gläubigerkreisen war Unmut aufgekommen, weil das Gutachten erst kurz vor der Abstimmung über den Sanierungsplan vorgelegt worden sei.

Das Signa-Projekt

SFL hatte im Insolvenzantrag angeführt, dass ein Vertragsrücktritt der Signa-Gruppe im Mai 2017 beim Wiener Bauprojekt Belvedere in die Pleite führte. Signa hatte die Reißleine gezogen, weil es zu Leistungsverzögerungen gekommen sein soll.

SFL-Anwalt Wolfgang Klobassa weist alle Vorwürfe zurück. Weder sei die Insolvenz lange vor dem Antrag eingetreten noch hätten die Vorwürfe irgendein Substrat. Und vom Beste-Gutachten hält er rein gar nichts. Klobassa: „Ich gehe davon aus, dass sich alles aufklären lässt.“ Kid Möchel