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Insolvenzverfahren
03/21/2019

Ausgefeilt: Brisante Millionenpleite eines Zahnarztes

Die Zahnärztekammer schickt eigenes Mitglied in die Insolvenz, Staatsanwalt ermittelt, Verdacht: Körperverletzung und dubiose Abrechnungen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Das gibt es auch nicht alle Tage. Die Österreichische Zahnärztekammer hat gegen einen oberösterreichischen Kollegen Mitte Februar 2019 einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und AKV dem KURIER. Das Konkursverfahren wurde bereits am Landesgericht Steyr eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde der renommierte Linzer Sanierungsexperte und Anwalt Wilhelm Deutschmann bestellt.

Betrieben wurde laut KSV1870 seit 4. November 2013 eine eigene Zahnarztpraxis. Früher soll er als Zahnarzt bei der Gebietskrankenkasse gearbeitet haben und in einer Gemeinschaftspraxis in Wels tätig gewesen sein.

Die Ärztekammer gab vor Gericht an, ein vollstreckbares rechtskräftiges Urteil gegen den Arzt erstritten zu haben. Das Urteil soll am 21. Dezember 2018 ergangen sein. Es geht um 6.403,88 Euro plus vier Prozent Zinsen. Der Arzt habe die Zahlungen nicht geleistet. Auch habe sein Anwalt keine Ratenzahlung angeboten. Ein Exekutionsverfahren wurden nicht eingeleitet. Grund ist ein Brief seines Anwalts.

"Mein Mandat ist derzeit nicht in der Lage, die Verfahrenskosten zu bezahlen, da er den Ordinationsbetrieb schließen musste", teilte dessen Anwalt der Kammer mit. Der Zahnarzt betrieb bis Jänner 2019 zwei Ordinationen. Der Schuldner wird künftig AMS-Geld beziehen.

 

Fall für den Staatsanwalt

Laut Aktenlage ermitteln die Staatsanwaltschaft Steyr  bzw beim Bezirksanwalt und die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse gegen den Zahnarzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch unsachgemäße Behandlungen und wegen des Verdachts von Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen gegenüber der Krankenkasse und gegenüber Patienten. Dem Vernehmen nach bestreitet der Arzt die Vorwürfe. Folgende Kassen haben oder hatten mit dem Zahnarzt laut Internet-Angaben einen Vertrag: BVA, GKK, KFA, SVA, SVB, VAEB

Die Passiva werden laut KSV1870 mit rund 1,06 Millionen Euro beziffert. Hiervon sind etwa 25 Gläubiger und vier Mitarbeiter betroffen. Der Schuldner verfügt über Liegenschafts- und Wohnungseigentum, welches zumindest zum Teil pfandrechtlich belastet ist. Im Übrigen werden laut AKV und Creditreform im Vermögensverzeichnis diverse Fahrnisse einschließlich Ordinationsausstattung angeführt.

Im Vorjahr ist ein Tiroler Zahnarzt in die Insolvenz geschlittert, dessen Geschäftsausstattung wurde Mitte Februar 2019 versteigert. Pro Jahr sind es zwei bis drei Fälle.

Rechtliche Lage - 30 Jahre pfändbar

"Nachdem der Schuldner mit seinem gesamten Privatvermögen für Verbindlichkeiten aus dem Unternehmensbetrieb haftet, empfehlen wir Ihnen die Anmeldung Ihrer Forderung", teilt der AKV mit. Dadurch erwirken Sie einen 30 Jahre gültigen, urteilsgleichen Exekutionstitel gegen den Schuldner. Von diesem können Sie - sollte eine Entschuldung im Wege eines Sanierungsplans nicht zustande kommen - nach Aufhebung des gegenständlichen Verfahrens jederzeit Gebrauch machen."